Ford testet Geofencing-Technologie

Automatisch Tempo 30 einhalten

24. Mai 2022, 15:33 Uhr | Irina Hübner
Das von Ford erprobte Geofencing-Kontrollsystem ist potenziell noch flexibler und effektiver als die derzeit verfügbaren On-Board-Systeme und könnte in Zukunft bei Ford-Nutzfahrzeugen und -Pkw eingesetzt werden.
© Ford

Mittels Geofencing sind zum Beispiel Tempo-30-Zonen definierbar, in denen sich Fahrzeuge automatisch abbremsen lassen. Ford testet in Köln mit zwei vernetzten E-Transit ein solches Geofencing-System. Analysiert werden die Auswirkungen von Tempolimits auf den Verkehrsfluss sowie auf das Unfallrisiko.

  • Dank Geofencing können Ortsbereiche bestimmt werden, in denen beispielsweise langsameres Fahren erforderlich ist. Dort lassen sich die Fahrzeuge automatisch abbremsen.
  • Geschwindigkeit ist ein Schlüsselfaktor in fast jeder Unfallstatistik. Die Nutzung von Geofencing könnte in Tempo-30-Zonen die Risiken für alle Verkehrsteilnehmer reduzieren.
  • Ford testet die Geofencing-Technologie derzeit in Köln. Zum Einsatz kommen zwei speziell ausgerüstete vollelektrische E-Transit.
  • Geofencing könnte künftig in Nutzfahrzeugen und Pkw von Ford zum Einsatz kommen.

In Europa sind je nach Land bis zu 29 Prozent der Verkehrstoten Fußgänger und Radfahrer. Tempo-30-Zonen gelten als eine der wichtigsten Maßnahmen, um in städtischen Gebieten das Unfallrisiko speziell für Fußgänger und Radfahrer zu verringern, da den Autofahrern in gefährlichen Situationen mehr Zeit zum Reagieren bleibt und die potenzielle Aufprallgeschwindigkeit geringer ist.

Ford testet deshalb in Köln vernetzte Fahrzeuge mit Geofencing-Technologie – das ist eine Methode zur digitalen Ortsbestimmung, die eines Tages viele Verkehrsschilder überflüssig machen könnte. Das sogenannte Geofencing Speed Limit Control-System von Ford könnte künftig nicht nur die Straßen sicherer machen, sondern auch den Autofahrern helfen, mögliche Bußgelder für versehentliche Geschwindigkeitsüberschreitungen zu vermeiden.

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Der Fahrer erhält Geofencing-Informationen über die Instrumententafel seines Fahrzeugs.
Der Fahrer erhält Geofencing-Informationen über die Instrumententafel seines Fahrzeugs.
© Ford

Was ist Geofencing?

Mit Geofencing – ein englisches Kunstwort aus geographic (»geographisch«) und fence (»Zaun«) – wird das automatisierte Auslösen einer Aktion durch das Überschreiten einer geo-lokalisierten Begrenzung bezeichnet. In den meisten Fällen handelt es sich um eine geografisch definierbare, geschlossene Fläche, so dass zwischen »innerhalb der Fläche« und »außerhalb der Fläche« unterschieden werden kann.

So kann beim Eintritt in die Begrenzung – zum Beispiel beim Einfahren in eine Tempo-30-Zone – oder beim Austritt aus dieser Begrenzung eine Benachrichtigung ausgelöst werden. Das beobachtete Objekt, in diesem Fall das Fahrzeug, muss vernetzt sein, das heißt. es muss in regelmäßigen Abständen seine genaue Position senden oder die Abfrage seiner Position von außen ermöglichen. Diese Ortsbestimmung kann über das Mobilfunksystem auf Funkzellenebene oder koordinatenbezogen über GPS erfolgen.

»Die Geofencing-Technologie hat nachweislich das Potenzial, das tägliche Autofahren einfacher und sicherer zu machen – zum Nutzen aller, nicht nur der Person hinter dem Steuer«, sagt Michael Huynh, Manager, City Engagement Germany, Ford of Europe. »Die Einbeziehung von Geofencing kann sicherstellen, dass die gefahrene Geschwindigkeit genau dort reduziert wird, wo dies notwendig ist, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Überdies lassen sich Emissionen und Lärm verringern.«

Geofencing im Ford Transit Custom

Ford nutzt die Geofencing-Technologie bereits im Ford Transit Custom mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (PHEV), um sicherzustellen, dass dieses leichte Nutzfahrzeug automatisch in den emissionsfreien Elektro-Antriebsmodus schaltet, sobald in eine Umweltzone eingefahren wird.

12-monatiger Testbetrieb in Köln

Im Rahmen eines 12-monatigen Tests im Kölner Stadtgebiet kommen zwei vollelektrische Ford E-Transit (leichte Nutzfahrzeuge) zum Einsatz, die für den Praxisversuch mit der notwendigen Geofencing-Technologie ausgestattet wurden. Beim Testgebiet handelt es sich um alle Tempo-30-Gebiete im Zentrum der Domstadt sowie darüber hinaus auch um ausgewählte Zonen in anderen Teilen der Stadt. Analysiert werden unter anderem die Auswirkungen von Tempolimits auf den Verkehrsfluss sowie auf die Verringerung des Unfallrisikos.

Der Fahrer erhält Geofencing-Informationen über die Instrumententafel seines Fahrzeugs, wobei die jeweils vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung unter der realen Tacho-Geschwindigkeit angezeigt wird. Ist der Fahrer in einer Geofencing-Zone schneller unterwegs, als erlaubt, reduziert das Fahrzeug automatisch die Geschwindigkeit – allerdings kann der Fahrer das System jederzeit deaktivieren.

In Zukunft könnte das Geofencing-Tempokontrollsystem von Ford den Fahrern ermöglichen, auch besonders niedrige Geschwindigkeiten von nur 20 km/h einzustellen, etwa für das Befahren eines speziell per Geofencing markierten Firmengeländes. Darüber hinaus ließen sich geschwindigkeitsreduzierte Bereiche auch flexibel festlegen, um beispielsweise vorübergehenden Straßenarbeiten oder der Tageszeit Rechnung zu tragen.

Volle Konzentration auf die Straße

»Unsere Fahrerinnen und Fahrer sollten von der bestmöglichen technischen Unterstützung profitieren, einschließlich Geofencing-basierter Assistenzsysteme, die es ihnen ermöglichen, Tempolimits einzuhalten und sich voll und ganz auf die Straße zu konzentrieren«, so Dr. Bert Schröer, Leiter Fahrzeugtechnik und Mobilität der am Versuch beteiligten Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB).

Der Praxistest in Köln läuft bis März 2023. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen dem Ford City Engagement-Team, den Städten Köln und Aachen sowie Ford-Softwareingenieuren in Palo Alto, Kalifornien/USA. Der Kölner Test ist Teil umfassenderer Forschungsinitiativen von Ford in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Norwegen.

Weniger Verkehrsschilder, mehr Sicherheit

Beispielsweise in Großbritannien hat sich die Zahl der Verkehrsschilder in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf rund 4,6 Millionen Schilder verdoppelt, so dass das britische Verkehrsministerium mittlerweile die lokalen Behörden auffordert, unnötige und unlesbar gewordene Schilder zu entfernen.

Mit Blick auf diese Fakten könnte auch die Reduzierung der Schilderzahl auf den Straßen einen signifikanten Beitrag zu mehr Sicherheit in unseren Städten leisten. Gemäß der Einschätzung vieler Experten könnten die Autofahrer ihren Fokus dann besser auf das eigentliche Verkehrsgeschehen legen.

Weitere Ford-Projekte zur Verkehrssicherheit

Das 12-monatige Kölner Pilotprojekt baut auf anderen aktuellen Ford-Forschungsprojekten auf, die ebenfalls zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen sollen. Dazu gehören vernetzte Ampeltechnologien, die in Innenstädten automatisch auf Grün schalten, sobald sich ihnen Krankenwagen, Feuerwehren und Polizeifahrzeuge im Blaulicht-Einsatz nähern und möglichst schnell und sicher vorankommen müssen. Außerdem forscht Ford an speziellen Lautsprechern, die den Fahrer darauf hinweisen, aus welcher Richtung sich andere Fahrzeuge und/oder andere Verkehrsteilnehmer nähern.

Fahrer-Assistenzsysteme von Ford wie die intelligente Geschwindigkeitsregelanlage oder der Stau-Assistent mit Stop & Go-Funktion tragen bereits heute dazu bei, dass Tempolimits nicht überschritten werden. Das nun von Ford erprobte Geofencing-Kontrollsystem ist potenziell noch flexibler und effektiver als die derzeit verfügbaren On-Board-Systeme und könnte in Zukunft bei Ford-Nutzfahrzeugen und -Pkw eingesetzt werden.

Die Funktion Local Hazard Information, die 2020 im Ford Puma eingeführt wurde, soll ebenfalls dabei unterstützen, die Straßen sicherer zu machen. Die vernetzte Technologie, mit der inzwischen 500.000 Ford-Fahrzeuge in Europa ausgestattet sind, warnte die Fahrer im vergangenen Jahr in Europa vor mehr als 100.000 Gefahren pro Monat.


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