Schwerpunkte

Interview mit Niels Trapp

Hilscher erweitert Fokus auf Motion Control

24. März 2021, 19:05 Uhr   |  Andreas Knoll

Hilscher erweitert Fokus auf Motion Control
© Hilscher

Mit netMotion für das Multiprotokoll-SoC netX 90 bekommen Entwickler Echtzeit-Ethernet-Connectivity sowie Bewegungs- und Motorsteuerungs-Funktionen in einer Single-Chip-Lösung.

Als Hersteller industrieller Kommunikationstechnik und der »netX«-Prozessoren ist Hilscher mit »netMotion« vor kurzem in Antriebstechnik und Motion Control eingestiegen. Niels Trapp, Vice President Business Development bei Hilscher, erläutert die Strategie und die technische Umsetzung.

Markt&Technik: Hilscher ist seit langem als Hersteller industrieller Kommunikationstechnik bekannt, aber jetzt wird das Unternehmen plötzlich in Sachen Antriebstechnik und Motion Control tätig. Warum ist Hilscher dort eingestiegen?

Niels Trapp: Tatsächlich ist Hilscher seit 2004 mit eigenen Chips in der Kommunikationstechnik aktiv. Wir betrachten uns als eine Art „Schweizer Messer der Kommunikationstechnik“ für industrielles Ethernet in Fabrik- und Automatisierungs-Anlagen. Zu unseren Kunden gehören viele Antriebstechnik-Unternehmen; bei ihnen handelt es sich also nicht um einen völlig neuen Kundenstamm.

Bis dato wurden die allgemeine Kommunikation und die Antriebssteuerung weitestgehend getrennt gehalten. In den neueren Gerätegenerationen der letzten Jahre werden aber die Themen Kommunikation und Antriebstechnik vor allem für die zentrale Steuerung von Motoren nach und nach zusammengeführt. Wir haben diesen Trend erkannt und mit unserer netX-90-Chip-Generation, die 2018 auf den Markt gekommen ist, die Themen Kommunikation und Applikation zusammenwachsen lassen. Das erste wichtige Thema war dabei für uns tatsächlich die Antriebstechnik, weil wir erheblich in On-Chip-IPs investiert haben, die für die Antriebstechnik relevant sind.


Wenn Sie sagen, Sie wollten die Applikationen zunehmend mit einbeziehen: Haben Sie dann auch andere im Blick oder genügt Ihnen die Antriebstechnik fürs Erste?

Wir haben durchaus noch mehr Applikationen im Sinn. Und wir haben schon vor der Antriebstechnik Applikationen auf den Markt gebracht. So bieten wir beispielsweise eine Serie von IP67-Referenzdesigns auf Basis des netX 90 an, die zusammen mit unseren IO-Link-Chips die komplette Implementierung eines Remote-IOs abbilden.

Diese dezentrale Peripherie sammelt die Sensordaten in einer Anlage, Maschine oder einem Roboterarm und stellt sie per Ethernet der Steuerung zur Verfügung, erlaubt aber auch das dezentrale Überwachen und die Diagnose der Sensorik via Bluetooth-Schnittstelle am Gerät via App. Dies alles ist auf der Applikationsseite des netX90 integriert.

Jetzt haben wir die Antriebstechnik als weitere Applikation präsentiert. Und für die Zukunft sehen wir Cybersecurity als ein übergeordnetes Thema, das im netX 90 schon in der Hardware vorhanden ist und ausgebaut werden soll.


Welche Arten von Kunden hat Hilscher mit den Applikationen konkret im Visier?

Beim Thema „Sensordaten einsammeln“ natürlich die Sensor- und I/O-Hersteller. Im Markt für Antriebstechnik zielen wir nicht auf große, komplexe Antriebsysteme ab, die ganze Schaltschränke erfordern. Große Mehrachssysteme im Motion-Bereich haben wir damit weniger im Blick, sondern wir fokussieren uns auf dezentrale Kompaktinverter, Transportbänder und Industriepumpen. Dies sind kompakte Antriebsaufgaben, bei denen die beiden Themen Kommunikation und Applikation miteinander verknüpft werden und die aus einer zentralen Motion-Steuerung heraus kontrolliert werden. Auf diese Weise können wir mit einem Chip, der mit 10 x 10 mm Kantenlänge der kleinste seiner Art am Markt ist, eine sehr kompakte Bewegungs-Steuerung in den Motor integrieren oder das Ganze in Kompaktumrichtern verbinden, um dort Antriebstechnik und Motoransteuerung zusammenzuführen. Das ist der Markt, in den wir gehen, und da haben wir durchaus schon Einiges zu bieten.

Eine weitere Anwendung für unsere Antriebstechnik sind Ventilinseln, etwa im Sinne komplexer Ventilansteuerungen. Wir haben Kunden, die bereits entsprechende Projekte mit netMotion in dieser Hinsicht begonnen haben. Auch in Roboterarmen sind Kleinantriebe verbaut – und weil es dort an Platz fehlt, soll möglichst alles kompakt im Motor untergebracht sein. All das sind Bereiche, in denen sich der netX 90 als netMotion-Paket anbietet.

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1. Hilscher erweitert Fokus auf Motion Control
2. Motion Control und industrielle Kommunikation in einem SoC
3. Ursprung der Motion-Control-Funktionen

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