Schwerpunkte

Siemens Energy zieht nach Berlin

Energie ist Politik – das gab den Ausschlag

25. September 2020, 07:51 Uhr   |  Heinz Arnold

Energie ist Politik – das gab den Ausschlag
© Siemens Energy

Christian Bruch, Siemens Energy: »Für jeden der möglichen Standorte in Deutschland gab es gute Argumente. Mit der Wahl für Berlin verknüpfen wir die historischen Wurzeln von Siemens Energy mit der Gestaltung der zukünftigen, nachhaltigeren Energiewelt.«

Die Zentrale verlegt Siemens Energy nach Berlin, dort wo die Politik gemacht wird. Der Firmensitz bleibt in München, die Zentralfunktionen sitzen an verschiedenen Standorten.

»Wir müssen die öffentliche und politische Debatte um die Energiewende als Unternehmen aktiv und intensiver mitgestalten. Das hat dann auch den Ausschlag für die Standortentscheidung gegeben«, erklärte Christian Bruch, Vorstandvorsitzender von Siemens Energy, im Interview mit der F.A.Z.  Rund 150 Mitarbeiter werden in der neuen Zentrale beschäftigt sein. Das genügt, um die öffentliche und politische Debatte um die Energiewende intensiver mitgestalten zu können, so wie Bruch sich das wünscht und weshalb er selber nach Berlin ziehen wird.

Das soll auch ein Signal vor dem Börsengang von Siemens Energy am kommenden Montag geben, denn die Verlegung des Firmensitzes dürfte nicht einzige Veränderung sein, die bei dem Konzern ansteht. Die Energiewende muss bewältigt, die Chancen, die sich daraus ergeben, müssen genutzt werden, was nicht ohne einen Transformationsprozess ablaufen kann.

Vor allem die institutionellen Anleger, wollen wissen, wie die langfristige Strategie – auf die es im Energiesektor vor allen ankommt – von Siemens Energy angesichts der vielen derzeitigen Herausforderungen aussieht. Bruch will diese Fragen natürlich beantworten, aber mit Sorgfalt und er will nichts übers Knie brechen. Allerdings dürften die Anleger auch gespannt darauf sein, was der Plan über die nächsten Jahre angesichts von derzeit 1,5 Mrd. Euro Nettoverlust verspricht. Wohin der Weg in die Zukunft aus technischer Sicht geht, das zeigt die Verwendung der Investitionen, die in Forschung und Entwicklung fließen: Netzstabilität, Speichersysteme, Wasserstofftechnik und die Verknüpfung von Gastrubinen mit regenerativen Energien sind die Schwerpunkte.

Siemens Energy wird mit Zentralfunktionen an verschiedenen Standorten weiterhin dezentral organisiert sein, auch nach der Corona-Krise. So hat ein Mitglied des Vorstands, Jochen Eickholt, seinen Sitz am größten Standort in Erlangen, Tim Holt wird ein Büro in Orlando, Florida (USA), beibehalten. Der Standort Mülheim bleibt ein wichtiger Teil im Produktionsnetzwerk und der Verwaltungssitz ist nach wie vor in München angesiedelt, wo Siemens Energy im Handelsregister eingetragen ist.

»Für jeden der möglichen Standorte in Deutschland gab es gute Argumente. Mit der Wahl für Berlin verknüpfen wir die historischen Wurzeln von Siemens Energy mit der Gestaltung der zukünftigen, nachhaltigeren Energiewelt. Trotz der Wahl für Berlin werden wir auch zukünftig wichtige Funktionen an anderen Standorten in Deutschland haben«, fasst Christian Bruch zusammen.

Historisch ist der Standort Berlin für Siemens deshalb, weil hier Johann Georg Halske und Werner von Siemens 1847 das Unternehmen gegründet und 1866 mit der Erfindung des elektrodynamischen Prinzips einen Grundstein für den heutigen Siemens-Konzern gelegt hatten. In gewissem Sinne kehr Siemens Energy damit zu den Wurzeln zurück, was eher dem Zufall geschuldet ist.

Denn Berlin habe sich in den vergangenen Jahren zum wichtigen Standort für Innovation und Gründergeist entwickelt und überzeugt durch die Nähe zu politischen Gesprächspartnern, Verbänden und internationalen Einrichtungen, so Siemens in der Mitteilung zum Umzug der Firmenzentrale. Gleichzeitig ist Berlin einer der größten Standorte von Siemens Energy weltweit. Im Sinne einer guten Partnerschaft wollen das Land Berlin und Siemens Energy demnächst auch formell ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Ansiedlung des Headquarters unterzeichnen.

Noch ist offen, an welchem der Berliner Siemens-Energy-Standorte sich die Zentrale genau befinden wird. Hierfür wird in den nächsten Monaten ein detaillierteres Konzept erarbeitet. Mit dem Aufbau der Konzernleitung wird im Laufe des nächsten Geschäftsjahres (1. Oktober 2020 bis 30. September 2021) begonnen.
Siemens Energy beschäftigt weltweit 91.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, im Jahr 2019 wurde ein Umsatz von 28,8 Mrd. Euro erwirtschaftet.
 

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