Schwerpunkte

Seltene Erden

Diese zehn Länder produzieren am meisten

24. März 2021, 16:23 Uhr   |  Heinz Arnold

Diese zehn Länder produzieren am meisten
© Lynas

Die Advanced Materials Plant (LAMP) der Lynas Corporation in Gebeng, Malaysia. Dort bereitet das australische Unternehmen Seltene Erden auf.

Die Produktion an Seltenen Erden stieg 2020 auf 240.000 metrische Tonnen (MT), 2019 waren es 220.000 und 2018 190.000 MT.

Seltene Erden wie Neodym und Praseodym werden beispielsweise in Permanentmagneten gebraucht, die in Elektromotoren und Generatoren Einsatz finden. Deshalb spielen sie unrter anderem eine wichtige Rolle in der Elektromobilität und in Windrädern sowie im gesamten Umfeld der erneuerbaren Energien (siehe unten). Bei weitem der größte Hersteller von Seltenen Erden ist nach wie vor China, wie die Liste der Top-Ten-Länder in der neusten Studie »The Return of Rare Earths« von Investing News Network zeigt.

China hat 2020 die Produktion an Seltenen Erden von 132.000 MT auf 140.000 MT gesteigert. Die Hersteller in China müssen staatlich festgelegte Mengenziele erreichen: Für das erste Halbjahr 2021 der Staat die Menge für die Förderung aus Minen auf 84.000 t festgelegt, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 27,2 Prozent. Die Mengen für Schmelzen und Separierung wurden auf 81.000 t (plus 27,6 Prozent) festgelegt. Deshalb ist China zum weltweit größten Importeur von Seltenen Erden seit 2018 aufgestiegen. Das System der Quoten wurde eingeführt, um die illegale sowie die nicht umweltverträgliche Förderung von Seltenen Erden einzudämmen. Auch die Kontrolle über die Exporte sollte so verbessert werden.

Derzeit sind in China sechs staatliche Minenfirmen für die Produktion von Seltenen Erden verantwortlich. Dennoch bleibt die illegale Förderung laut Investing News Network ein Problem für China.

USA

Die USA kamen 2020 auf eine Menge von 38.000 MT. 2019 waren es noch 28.000 MT gewesen. Die einzige Mine für Seltene Erden in den USA ist Mountain Pass in Kalifornien, die im ersten Quartal 2018 die Produktion wieder aufgenommen hatte, nachdem sie Ende 2015 geschlossen worden war. Bis dahin hatte sie die bankrottgegangene Molycorp betrieben. Später kaufte MP Mine Operation die Mine.  

Die USA sind einer der großen Importeure von Seltenen Erden. 2020 wurden Seltene Erden im Wert von 110 Mio. Dollar eingeführt. 2019 waren es sogar noch 160 Mio. Dollar gewesen.

Myanmar

Myanmar hat 2020 30.000 MT an Seltenen Erden gefördert. Das Land versorgt China mit Seltenen Erden, 50 Prozent des Bedarfs Chinas an schweren und mittelschweren Seltene Erden sollen aus Myanmar stammen. Trotz des Militärputsches in Myanmar gab es offenbar keine Unterbrechungen in den Handelsbeziehungen.

Australien

Das Land hatte die Produktion an Seltenen Erden über die vergangenen Jahre kontinuierlich gesteigert, 2020 ging sie allerdings auf 17.000 MT zurück. 2019 waren es noch 20.000 MT gewesen.

In Australien befinden sich die sechs weltweit größten Vorkommen an Seltenen Erden. Die australische Lynas betreibt die Mount-Welt-Mine. Das Unternehmen hat angekündigt, die Produktion an Neodym und Paresiodym auf 10.500 t pro Jahr zu steigern. Northern Mineral betreibt die 2018 eröffnete erste Mine für schwere Seltene Erden. Dort wird Terbium und Disprosium gefördert, die in Permanentmagneten Einsatz finden.

Madagaskar

Der Inselstaat hat die Förderung an Seltene Erden 2020 auf 8.000 MT verdoppelt. Angeblich soll das Land auf einem Vorkommen von 562.000 t sitzen.

Indien

Seit 2014 arbeiten Indien Rare Earths und Toyota Tsusho Exploration an der Förderung von Seltenen Erden aus dem Meer. Wie sich das in der Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Allerdings hinkt die Förderung in Indien derzeit weit hinter dem Potenzial zurück, das das Land besitzt. Indien verfügt über 35 Prozent des auf der gesamten Erde vorkommenden Strandsandvorkommens. In dem Sand sind Seltene Erden in erheblichen Mengen vorhanden. Im vergangenen Jahr lag die Seltene-Erden-Produktion mit 3.000 MT auf dem Vorjahresniveau.

Russland

Hier wurden im vergangenen Jahr wie in den vorausgegangen zwei Jahren jeweils 2.700 MT produziert, was 1,3 Prozent der Weltproduktion entspricht. Die Regierung plant aber Maßnahmen, um die heimische Produktion anzukurbeln und hat bis 2030 das Ziel von 10 Prozent der Weltproduktion gesetzt.

Thailand

2020 stieg die Produktion in Thailand auf 2.000 MT gegenüber 1.900 MT 2019. In dem Land gibt es verschiedene Vorkommen, vor allem an der nordwestlichen Grenze zu China und entlang der östlichen Küstenlinie. Auch Vietnam plant die Produktion anzukurbeln.

Brasilien

2012 wurde in Brasilien ein Vorkommen an Seltenen Erden entdeckt, das auf einen Wert von 8,4 Mrd. Dollar geschätzt wird. Seitdem hat sich offenbar nicht viel getan: Das Land produzierte 2020 rund 1.000 MT und liegt mit Thailand gleichauf. Im vergangenen Jahr waren es 710 MT gewesen.

Wo Seltene Erden Einsatz finden:

  • Permanenterregte Synchronmotoren wie der Servomotor brauchen Neodym (Nd) für hochmagnetische Wirkung und gleichzeitig Dysprosium (Dy), damit die starke magnetische Wirkung auch bei Temperaturen oberhalb von 80 °C anhält. An den Magnetwerkstoffen dieser Motoren haben die Seltenen Erden einen Anteil von gut 30 Prozent.
  • Mikromotoren für Sensoren oder Festplatten arbeiten ebenfalls mit Neodym, Dysprosium sowie Terbium (Tb) und Praseodym (Pr).
  • Glasfaserkabel benötigen Yttrium (Y), Terbium (Tb), Erbium (Er) und Europium (Eu).
  • Flachbildschirme brauchen für brillante Farben Praseodym, Cerium (Ce), Europium und Gadolinium (Gd) sowie Yttrium und Terbium.
  • In der Automobiltechnik sind in Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie in den Start-Stopp-Automatiken Neodym und Praseodym sowie Dysprosium und Terbium zu finden. Dabei kommen etwa 1-2 kg Magnete pro Fahrzeug zum Einsatz.
  • Windenergieanlagen und Wasserkraftwerke benötigen ebenfalls Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet