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Brasilien statt China

Wie sich die Versorgung mit Seltenen Erden sichern lässt

01. August 2019, 13:36 Uhr   |  Heinz Arnold

Wie sich die Versorgung mit Seltenen Erden sichern lässt
© Fraunhofer IWKS

Jürgen Gassmann, Fraunhofer IWKS: »Es ist aber sehr wichtig, schon jetzt hierzulande das Know-how aufzubauen, wie sich Seltene Erden in Magnete verwandeln lassen, und das Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig diese Rohstoffe und ihre Weiterverarbeitung für unsere Industrie sind.«

Deutschland benötigt Seltene Erden, Brasilien hat sie. Da liegt eine Zusammenarbeit nahe. Genau dies geschieht im Rahmen der Projekte MoCa und REGINA. Längerfristig eröffnen solche Kooperationen den Weg, sich aus der Abhängigkeit von China zu befreien.

Denn China beherrscht derzeit den Markt für Seltene Erden; 71 Prozent der Selten-Erd-Oxide werden dort gefördert. Allerdings lagern „nur“ 40 Prozent der weltweiten Ressourcen dort, was rund 44 Mio. Tonnen entspricht. Deshalb ist China schon eifrig dabei, sich den Zugang zu Ressourcen in anderen Ländern zu sichern.
In der Rangfolge der Lagerstätten für Seltene Erden liegt Brasilien mit Reserven von rund 22 Mio. Tonnen auf Platz 2. Deshalb arbeitet Deutschland bei der Erschließung von kritischen Rohstoffen schon seit einigen Jahren mit Brasilien zusammen. Ziel der Kooperationen ist es, die Abhängigkeit der deutschen Industrie von einzelnen Produktionsländern zu verringern.

Seltene Erden wurden bis vor Kurzem nicht in großem Stil benötigt. Sie wurden eher unfreiwillig als Beifang mit den eigentlich begehrten Metallen – etwa Niob – aus Bergwerken an die Oberfläche befördert. Die Seltenen Erden aus den Abraumhalden derartiger Minen zu holen bietet sich also an. Kooperationspartner des MoCa-Projekts (Monazite Catalão) ist denn auch mit CMOC International der zweitgrößte Niob-Produzent Brasiliens.

Grundsätzlich wäre es zwar möglich, auch die Abraumhalden in Deutschland zu nutzen. In der Praxis ist das aber aus verschiedenen Gründen nicht realistisch, wie Philipp Büttner, Projektkoordinator am Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie, gegenüber Markt&Technik erklärte.

Das sei ein wichtiger Grund für die Kooperation mit Brasilien im Rahmen von MoCa mit Brasilien. »Was in den Abraumhalden sowieso schon an die Erdoberfläche befördert und zerkleinert worden ist, aufzubereiten ist zwar nicht ganz einfach, aber technisch auf jeden Fall machbar. Vor allem dürfte es auch wirtschaftlich sinnvoll sein und der Prozess kann in bestehende Anlagen vor Ort integriert werden. Daran arbeiten wir gerade gemeinsam mit unseren Partnern im Projekt«, so Philipp Büttner.
Denn grundsätzlich sind die Verfahren zwar bekannt, wie sich Seltene Erden trennen lassen. »Aber die Prozesse müssen auf jede Lagerstätte individuell angepasst werden«, erklärt Prof. Tobias Elwert, der das Projekt MoCa noch an der TU Clausthal mit initiiert hat. Inzwischen ist er Geschäftsführer des Batterie-Recycling-Spezialisten Duesenfeld, koordiniert MoCa aber weiter. »Die Chancen stehen gut, dass die Entwicklung in der Mine Catalão bis 2021 abgeschlossen ist.«

Von den Seltenen Erden zu den Magneten

Um Brasilien darin zu unterstützen, eine eigene Seltenerdindustrie aufzubauen – von der Förderung der Seltenerdoxiden bis zur Fertigung der Nd-Fe-B-Permanentmagneten (Neodym-Eisen-Bor) –, entsteht in Brasilien im Partnerprojekt REGINA eine kleine Pilot-Magnetfabrik.

Nach den Worten von Jürgen Gassmann, Abteilungsleiter Magnetwerkstoffe der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS, soll die Pilotfabrik zeitnah in Betrieb gehen.

Ziel ist es, eine komplette Wertschöpfungskette zur Herstellung und Vermarktung von Hochleistungspermanentmagneten aufzubauen und „grüne Magnete“ zu produzieren, was der entscheidende Differenzierungsfaktor zu anderen Herstellern wäre. »Es ist aber sehr wichtig, schon jetzt hierzulande das Know-how aufzubauen, wie sich Seltene Erden in Magnete verwandeln lassen, und das Bewusstsein dazu zu schaffen, wie wichtig diese Rohstoffe und ihre Weiterverarbeitung für unsere Industrie sind«, sagt Jürgen Gassmann.

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