Interview mit OSA Opto Light

»Wir fertigen das, was der Kunde braucht«

16. August 2019, 15:05 Uhr | Nicole Wörner

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Positionierung gegen "die Großen", Markttrends

Wo sitzen Ihre wichtigsten Kunden?

Der größte Teil ist in Deutschland ansässig, aber genauso wichtig sind UK und Frankreich. Generell sehen wir einen Trend, dass wieder verstärkt EMS-Fertigungen in Europa aufgebaut werden, etwa in Tschechien, Polen und Ungarn. Das unterstreichen auch die Bestellungen, die aus diesen Ländern kommen. Inwieweit wir diesen Markt in den USA sehen werden, können wir momentan noch nicht sagen. Die Zeichen sind derzeit widersprüchlich, denn es ist noch nicht klar, inwieweit sich die Fertigung für Geräte- und Anlagenbau oder Medizintechnik in den USA wieder etablieren wird. Dennoch: Es ist offensichtlich, dass die Fertigung längst nicht mehr nur ungebremst nach Fernost verlagert wird. Und das ist schon mal ein guter Trend.

Der LED-Markt ist hart umkämpft. Wie positionieren Sie sich gegen die Großen?

Es gibt weltweit kaum einen Hersteller, der so viele Wellenlängen anbieten kann wie wir – vielleicht zwei. Zudem sind die großen Anbieter in erster Linie auf die hohen Volumina aus. Das ist nicht unser Ansatz. Wir fertigen auftragsbezogen überwiegend kundenspezifische LED-Lösungen und können entsprechend auch kleine Serien anbieten. Das hängt damit zusammen, dass wir aufgrund unserer Technologie sehr flexibel sind. Und dass wir nicht auf Lager produzieren. Wir fertigen nur das, was der Kunde braucht – auftragsbezogen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir unsere Produkte grundsätzlich sehr lange unterstützen. Das ist für viele Kunden essenziell wichtig. Denn so können sie sicher sein, dass sie ihre Applikationen nicht redesignen müssen, nur weil wir unser Produkt verändert haben. Wir haben Projekte, die wir seit über 20 Jahren unverändert unterstützen, ohne etwas am Produkt geändert zu haben.

Wie zeitgemäß sind diese Produkte dann noch? In der Zwischenzeit hat sich technologisch ja viel verändert, beispielsweise in Sachen Energieeffizienz und Größe.

Wir selber würden an einigen Stellen sicher gerne etwas verbessern. Aber es ist der Wunsch des Kunden, mit den bestehenden Bauteilen weiterzuarbeiten, solange sich seine Anwendung nicht ändert. Würde er eine dafür freigegebene Komponente tauschen, müsste er aufwändige neue Freigabeverfahren durchlaufen. Denn die LED ist oft eine kritische Komponente – beispielsweise in systemrelevanten Anwendungen in der Medizintechnik. Diese Freigaben sind sehr teuer. Der Nutzer vermeidet dies, wenn es geht.

Für welche Kunden bzw. Industrien sind Sie der richtige Partner?

Unsere LEDs finden hauptsächlich dort Einsatz, wo spezifische Wellenlängen gebraucht werden. Das ist zum einen die Messtechnik, aber auch in der Industrieelektronik sowie im Medizin- und Automotive-Bereich werden Spezial-LEDs benötigt.

Von welchen Markttrends profitieren Sie derzeit am stärksten?

Die Medizintechnik bietet reichlich Innovationspotenzial – vor allem im Bereich der Fitness-Wearables. Für die Endkunden ist das ein reizvolles Tool: Ein Sensor, beispielsweise untergebracht in einer Uhr, wird einfach auf die Haut aufgelegt und erfasst dort diverse Daten vom Blutsauerstoff bis hin zum Restalkohol. Irgendwann wird man auch den Blutzucker von außen durch die Haut messen können. In all diesen Anwendungen werden Spezial-LEDs verwendet. Ein weiteres Wachstumsgebiet ist die Prozessüberwachung, beispielsweise in der Kunststoff- und Druckindustrie. Dort ist sehr viel Messtechnik nötig, daher erwarten wir hier einige neue Projekte.

Darüber hinaus arbeiten wir im Forschungskonsortium „Advanced UV for Life“ mit. Hier beschäftigen wir uns mit der Thematik von UV-LED-Licht für alle möglichen Anwendungen – von der Produktion von Kunststoffen über den Digitaldruck bis hin zur Wasserdesinfektion und Behandlung von Hautkrankheiten, wie auch Diagnoseverfahren aller Art. Auch hier werden eine ganze Reihe neuer Applikationen entstehen, in denen wir mit unseren Spezial-LEDs punkten können. Weitere interessante Märkte werden sich in der Bilderkennung und Sensorik erschließen.

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