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Abschiedsinterview mit Rahman Jamal, NI

»Ich möchte die Zeit nicht missen«

13. März 2020, 09:20 Uhr   |  Nicole Wörner

»Ich möchte die Zeit nicht missen«
© Rahman Jamal

Rahman Jamal: "All meine Erfahrungen und Entscheidungen - richtig oder falsch - waren wichtig für meine persönliche Entwicklung und haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Nach über 30 Jahren verlässt Rahman Jamal National Instruments und zieht sich aus der Messtechnik-Branche zurück. Im Gespräch mit Markt&Technik wirft er einen sehr persönlichen Blick zurück und gibt einen Ausblick auf das, was kommen könnte.

Markt&Technik: Nach über 30 Jahren bei National Instruments in München verlassen Sie das Unternehmen und kehren in Ihre „Heimat“ Paderborn zurück. Was hat Sie dazu bewogen?

Rahman Jamal: Den Plan, nach Paderborn zurückzukehren hatte ich schon immer, denn ich wollte mich irgendwann für die guten Dinge, die mir dort widerfahren sind, revanchieren. Ursprünglich komme ich nämlich aus Burma, dem heutigen Myanmar – also einem Entwicklungsland – und kam erst mit zehn Jahren nach Deutschland, sprich Paderborn. Ich sprach zwar kein Wort Deutsch, hatte aber ein sehr gutes Startkapital, das für mich das Wichtigste in meinem Leben war und ist: meine Eltern und ihren Willen, in der neuen Umgebung auf jeden Fall zurechtzukommen. Schon damals war mir bewusst, welch ein Privileg es ist, Zugang zu Bildung zu haben.

Die Schule und mein Universitätsstudium in Paderborn haben mich zu dem werden lassen, der ich heute bin. Der Stadt Paderborn verdanke also letztlich meine gesamte Laufbahn. Daher ist es für mich nur selbstverständlich, dass ich mich nun dort wieder engagiere, um der Gesellschaft etwas von dem zurückzugeben, was man mir angedeihen ließ.

Und was National Instruments betrifft: Nach 30 Jahren bei derselben Firma war für mich jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen, ein neues Kapitel meines Lebens und meiner Karriere aufzuschlagen und zu meinen Wurzeln zurückzukehren.

Andeutungen, dass Sie in gewissen – sagen wir mal – Denkprozessen stecken, haben Sie bereits auf dem Markt&Technik-Spitzentreffen 2017 gemacht, als Sie die Dankesrede auf die Auszeichnung des NI-Gründers Dr. Truchard für sein Lebenswerk gehalten haben. Haben Sie da schon mit sich gerungen, wie es in Ihrem Leben weitergehen soll?

Rahman Jamal: Nun, gerungen ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, ich würde eher von „Überdenken“ sprechen. In dieser Rede hatte ich drei Szenarien angesprochen, mit denen alle Unternehmen – und somit die Angestellten – früher oder später konfrontiert sind: Im ersten Fall hat der Firmengründer noch die Zügel in der Hand. Im zweiten ist er zwar auch noch da, ist aber nur noch bis zu einem gewissen Grad aktiv, beispielsweise als Aufsichtsratsmitglied. Beim dritten Szenario befindet sich der Firmengründer komplett im Ruhestand, wirkt also nicht mehr aktiv mit und überlässt der zweiten Generation die Nachfolge. Zum Zeitpunkt der erwähnten Rede saß unser Firmengründer Dr. Truchard, der mich damals sogar selbst eingestellt hatte, noch im Aufsichtsrat, hatte sich aber bereits aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen.

Wenn eine solche Ära zu Ende geht, ist es schlichtweg ein guter Zeitpunkt, innezuhalten, denn mit dem Firmengründer geht meines Erachtens immer auch ein Teil seiner Vision. Diese Vision eines großartigen Denkers und Lenkers hatte ich mit meinem Arbeitsvertrag ja quasi mitunterzeichnet, daher lag es für mich zum Zeitpunkt der Dankesrede nahe, meinen eigenen Standpunkt neu zu überdenken.

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1. »Ich möchte die Zeit nicht missen«
2. Hatten Sie nie das Bedürfnis nach Veränderung?
3. Highlights und Meilensteine aus 30 Jahren Messtechnik
4. Der Messtechnikmarkt im Wandel
5. Was kommt nun? Was bringt der neue Lebensabschnitt?

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