Interdisziplinäre Praxis-Forschung

Helmholtz startet nationale Initiative für Biomedizintechnik

10. Februar 2026, 9:49 Uhr | Ute Häußler
Die interdisziplinäre Initiative der Helmholzt-Gemeinschaft soll von der Frühdiagnostik bis zur personalisierten Therapie neue Ansätze liefern.
© Helmholtz / KI

Die Helmholtz-Gemeinschaft investiert 36 Millionen Euro in eine Biomedizintechnik-Offensive. Zehn Forschungszentren entwickeln gemeinsam und interdisziplinär – von miniaturisierten Sensoren über Mikroroboter bis zu Organ-on-Chip-Systemen. Das soll den Medizintechnik-Standort Deutschland stärken.

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Die Helmholtz-Gemeinschaft will die Entwicklung medizintechnischer Innovationen in Deutschland voranbringen und hat dafür eine bundesweite Biomedical Engineering-Initiative gestartet. Mit Mitteln aus einem 36-Millionen-Euro-Paket für Zukunftstechnologien werden über drei Jahre zentrenübergreifende Projekte gefördert, die vielversprechende Ansätze aus der Forschung schneller in die Anwendung bringen sollen.

Von der Frühdiagnostik bis zur personalisierten Therapie

Zum Start wurden zehn Projekte ausgewählt, die entweder bereits mit Industriepartnern kooperieren oder das Potenzial für eine Ausgründung mitbringen. Die Bandbreite der Forschungsarbeiten ist dabei beachtlich: Es geht um miniaturisierte Sensoren, die Gesundheitsdaten kontinuierlich und ohne invasive Eingriffe erfassen können, um KI-gestützte Verfahren für die Früherkennung von Krankheiten und um mikrofluidische Plattformen, die helfen sollen, Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen.

Weitere Projekte entwickeln Mikroroboter für minimal-invasive Eingriffe, verkapselte Transportsysteme, die Wirkstoffe gezielt an ihren Bestimmungsort bringen, sowie maßgeschneiderte Peptide für personalisierte Krebstherapien. Auch Organ-on-Chip-Technologien, die als realistische Testsysteme dienen, gehören zum Portfolio.

»Durch die Integration fortschrittlicher Sensortechnologien, künstlicher Intelligenz und neuartiger therapeutischer Ansätze können wir Krankheiten früher erkennen und Behandlungen präziser anpassen«, erklärt Vasilis Ntziachristos, der am Helmholtz Munich das Bioengineering Center leitet.

Mehr als nur Forschung

Die Initiative versteht sich aber nicht nur als Forschungsprogramm. Ein wichtiger Aspekt ist der Aufbau einer lebendigen Bioengineering-Community in Deutschland. Die Helmholtz-Gemeinschaft will Lücken in der Ausbildung schließen, junge Talente fördern und den Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie und Start-ups intensivieren. Auch die Beteiligung an politischen Diskussionen auf nationaler und europäischer Ebene ist Teil der Strategie, um das Feld nachhaltig zu verankern.

Helmholtz Munich koordiniert neben der zentralen Initiative auch fünf der zehn Einzelprojekte. »Wir freuen uns, diese Initiative zu koordinieren und führende Labore innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft zusammenzubringen«, sagt Martin Hrabě de Angelis, kommissarischer Sprecher der Geschäftsführung bei Helmholtz Munich.

Interdisziplinäre über Zentren hinweg

Zehn Helmholtz-Zentren haben sich für die Initiative zusammengeschlossen, darunter das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY), das Forschungszentrum Jülich und Helmholtz Munich, das die Koordination übernommen hat. Die Beteiligten bringen dabei unterschiedliche Expertisen zusammen – von den Lebenswissenschaften über Ingenieurwesen und Datenwissenschaften bis zur klinischen Medizin.

Die Biomedical Engineering Initiative ist eine von drei übergreifenden Forschungskampagnen, die die Helmholtz-Gemeinschaft in diesem Jahr zur Förderung von Zukunftstechnologien aufgelegt hat. »Biomedical Engineering wird medizinische Herausforderungen lösen sowie wirksame Impulse für die Wirtschaft setzen«, sagt Helmholtz-Präsident Martin Keller. Die Initiative solle Deutschlands Position als Standort für biomedizintechnische Innovationen stärken und füge sich gut in die Hightech-Agenda der Bundesregierung ein. (uh)

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