ABB Formel E zeigt E-Mobilität gibt’s nur mit Infrastruktur

Tarak Mehta, ABB: »Wir haben jetzt bereits über 6.000 Schnellladestationen in 56 Länder weltweit ausgeliefert. Das Interesse ist sehr groß, denn die lange Ladezeit ist bisher ein Haupthindernis dafür, dass sich Elektroautos auf breiter Front durchsetzen.«
Tarak Mehta,President Electrification Products von ABB: »Wir haben jetzt bereits über 6.000 Schnellladestationen in 56 Länder weltweit ausgeliefert. Das Interesse ist sehr groß, denn die lange Ladezeit ist bisher ein Haupthindernis dafür, dass sich Elektroautos auf breiter Front durchsetzen.«

ABB sponsert die FIA Formel E als Titelpartner, »denn für die die E-Mobility kommt es auf die Infrastruktur wie Schnelladestationen an«, sagt Tarak Mehta von ABB im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Warum sind Sie die ungewöhnliche Partnerschaft mit der Formel E eingegangen?

Tarak Mehta, President Electrification Products von ABB: Wir haben festgestellt, dass wir dieselben Ziele verfolgen und ganz ähnliche Visionen und Werte teilen. Deshalb sind wir die Partnerschaft eingegangen und die Rennserie heißt ab jetzt »ABB FIA Formula E Championship« - zunächst für sieben Jahre.

Sie hatten den Eindruck, dass der Bekanntheitsgrad von ABB in der breiten Öffentlichkeit deutlich erhöht werden müsste?

Wir decken mit unseren Produkten die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung des elektrischen Stroms, der Übertragung und Verteilung bis zur Steckdose im Haus ab, einschließlich der Sicherungen. Außerdem sind wir in der Automatisierung – sowohl für die Industrie als auch für Gebäude– und Robotertechnik führend. Sogar die Leistungshalbleiter, ohne die viele der Geräte für die Strominfrastruktur nicht arbeiten können, entwickeln und fertigen wir selbst. Dass alles wächst jetzt in der Elektromobilität zusammen. Die Elektromobilität aber geht die ganze Gesellschaft an und deshalb wollen wir über die Kooperation mit der Formel E auch den Nichtexperten in der Infrastrukturtechnik für Elektrizität klar machen, dass wir zu den führenden Firmen zählen, die die Elektrifizierung des Verkehrs möglich machen und entscheidend vorantreiben.

Wo führt denn ABB in der Elektromobilität?

Auf dem Gebiet der DC-Schnellladestationen sind wir führend – über 6.000 haben wir bereits in 56 Ländern installiert. Wir sind 2011 über den Kauf der niederländischen Epyon in den Markt für Ladestationen eingestiegen. Heute bieten wir Ladestationen an, die weltweit die verschiedenen mechanischen und elektrischen Standards der unterschiedlichen Länder erfüllen, angefangen von den Steckverbindern, AC-Ladestationen, DC-Schnellader, Ultraschnellader und Ladesysteme für Elektrobusse. Wir sind sogar an der Entwicklung der Batterien beteiligt. So haben wir beispielsweise spezifische Batterien für bestimmte Anwendungsfälle entwickelt und ein Partner fertigt sie. Deshalb konnten wir ein optimal auf die Batterien abgestimmtes Batterie-Management-System zuschneiden.

Gibt es dabei auch Synergien zur Automatisierung und Robotik?

Gute Beispiele dafür sind Schnelladesysteme bei elektrischen Bussen wie Opportunity Charging oder Flashcharging: sobald der Bus an einer entsprechenden Haltestelle stoppt, bewegt sich ein automatisch gesteuerter Roboterarm und stellt die Verbindung zwischen Bus und Infrastruktur innerhalb einer Sekunde her. Auch im Bereich von Elektroautos gibt es ein paar vielversprechende Ansätze für künftige autonome Fahrzeuge, die mittels Robotertechnik geladen werden können.

Muss dafür nicht das Netz ertüchtigt werden?

Es muss auf jeden Fall smarter werden. Wir helfen den Versorgern, die nötigen Infrastrukturmaßnahmen zu treffen, weil wir die Komponenten entwickeln, die für den Aufbau eines Smart Grid erforderlich sind. Mit unserem Wissen auf dem Sektor der Automatisierung sorgen wir zusätzlich dafür, dass alle Geräte miteinander kommunizieren. Schließlich dürfen nicht zu viele Stationen gleichzeitig laden. Denn um die Autobatterien zu aktiven Elementen im Smart Grid zu machen, kommt es auf die Vernetzung und die Kommunikation an. In der Elektromobilität geht es also nicht nur darum, die Autos zu elektrifizieren, sondern es kommt wesentlich auf den Aufbau der Infrastruktur an. Auch um dieses Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu wecken und zu zeigen, dass wir führend daran arbeiten, haben wir die Partnerschaft mit der Formel E geschlossen.