Socionext »Schon viele Durchbrüche im Netzwerkbereich«

Dirk Weinsziehr, Socionext: »5G wird eine entscheidende Rolle in der digitalen Transfomation spielen. Die neuen Herausforderungen, die diese Anwendungen mit sich bringen, verändern die Funkzugangstechnologien und hier werden ASICs eine bedeutende Rolle spielen.«

Socionext entwickelt von ASICs und digitalen SoCs unter anderem für Netzwerkanwendungen. Dirk Weinsziehr, Senior Vice President & Head of Network Solution Team von Socionext, ist überzeugt, dass das Unternehmen hier mit einer sehr guten Erfolgsbilanz punkten kann.

Markt&Technik: Welche Rolle spielt der Networking-Bereich für Socionext?

Dirk Weinsziehr: Für Socionext ist der Bereich Networking mit einem Anteil von über 15 Prozent am weltweiten Gesamtumsatz ein durchaus wichtiger Markt. Die Aktivitäten in diesem Sektor werden von Europa aus geleitet. Wir haben hier ein effizientes und erfahrenes Engineering-Team aufgebaut und sehen hier auch die stärksten Treiber für Innovationen.

Im Networking-Bereich gibt es eigentlich nur Standards. Wieso werden dann noch ASICs entwickelt und nicht ASSPs?

Es ist richtig, dass es im Networking-Bereich viele Standards gibt. Dies betrifft vor allen Dingen Protokolle und Schnittstellen, um Interoperabilität sicherzustellen. Allerdings gibt es auch Bereiche, die nicht standardisiert sind und in denen ein Standard auch nicht sinnvoll oder wünschenswert ist.

In der optischen Telekommunikation sind zum Beispiel für die Transceiver die elektrischen Schnittstellen standardisiert, beispielsweise über CEI-28G, CEI-56G oder CEI-112G. Dies ist auch wichtig und sinnvoll, um die Kommunikation mit nachfolgenden Bausteinen wie OTN-Framer oder Switch-ASICs sicherzustellen. Weitestgehend nicht standardisiert ist jedoch, wie genau das optische Signal aufgebaut ist. Das Modulationsformat, exakte Baudrate, Overhead für eine Kanalkodierung, beispielsweise für eine Forward-Error-Correction, oder auch Trainingssequenzen sind Parameter, die dem Designer obliegen und frei gewählt werden können. Die Applikation bestimmt, welche Optimierungen vorgenommen werden. Je nach Zielmarkt wird besonderer Wert auf eine besonders große Übertragungsreichweite, einen möglichst geringen Leistungsverbrauch, eine hohe Datenrate oder auch eine Kombination aus diesen Parametern gewünscht. Die optimierte Implementierung in ein ASIC erlaubt dabei eine Realisierung entsprechend der gewünschten Optimierungen und damit eine Abgrenzung gegen Mitbewerber.

Auch für Wireless-Applikationen sind ASICs attraktiv. Gerade mit der Einführung und den Anforderungen von 5G erwartet Socionext, dass ASICs noch an Attraktivität gewinnen. Dies ist begründet in den höheren Datenraten, deren Transport zwischen diskreten Baugruppen in konventionellen, nicht ASIC-basierten Lösungen zu einem stark erhöhten Leistungsverbrauch führt. Die Integration in ein ASIC bietet hier erhebliche Vorteile mit geringerer Leistungsaufnahme und kleinerem Platzverbrauch. Neue MIMO-, sprich: Multiple-Input-Multiple-Output-Antennen, mit denen Signale auf Endgeräte fokussiert werden können, sind gut mit einer großen Zahl von ADCs und DACs zu betreiben. Auch hier ist die Integration in einem ASIC im Vergleich zu einer konventionellen, aus diskreten Bausteinen bestehenden Lösung mit klaren Vorteilen verbunden. Höhere Trägerfrequenzen, breitbandigere Signale und Multiband-Unterstützung folgen auch dem Trend, die Digitalisierung möglichst nahe an den Antennen zu platzieren.

In der simpelsten Realisierung werden ADC und DAC direkt, in der Realität sicherlich noch mit Verstärkern, an die Antenne angeschlossen. Das Radiosignal der Antenne wird vollständig von 0 Hz bis zu einer im Empfangsfall durch den eingesetzten ADC gegebenen Frequenz digitalisiert. Socionext hat ADC- und DAC-Wandler mit bis zu 40 GHz Bandbreite im IP-Portfolio. Das digitalisierte Signal kann dann von einem Signalprozessor beliebig nach Frequenzbändern gefiltert, demoduliert und die Daten zur anschließenden Weiterverabeitung extrahiert werden. Für die Senderichtung gilt Entsprechendes. Damit sind dann analoge Antennen-Front-Ends möglich, die zum Beispiel ohne analogen Mischer und Zwischenfrequenzfilter/-verstärker auskommen. Geringere Leistungsaufnahme, kleinere Realisierung, simples Design mit weniger diskreten Bausteinen sind damit die Vorteile einer ASIC-basierten Lösung.

Zusammengefasst sind ASICs also durch die Möglichkeit der hohen Integration bei gleichzeitig geringer Leistungsaufnahme prädestiniert, Mobilfunkausstattern differenzierte Lösungen insbesondere für 5G-Anwendungen zu ermöglichen.

Die Anzahl der Kunden im Networking-Umfeld ist ziemlich überschaubar…

Stimmt, die Anzahl der größeren Hersteller von Netzwerk-Equipment, insbesondere im Bereich der optischen Telekommunikation, ist nicht sehr groß, wobei wir mit vielen der weltweit führenden Netzwerkausstatter Projekte durchführen. Nichtsdestotrotz baut Socionext Networking derzeit neben seinem Kerngeschäft, das bisher vornehmlich Applikationen in der optischen Telekommunikation adressiert hat, den Bereich Wireless/Mobilfunk aus.