Geoff Lees, NXP Semiconductors »In derselben Liga wie Snapdragon, AMD und Nvidia«

Geoff Lees, NXP Semiconductors
Geoff Lees, NXP Semiconductors: »Entwickeln wir für die verschiedenen Business-Units eine gemeinsame Plattform, sind die Entwicklungskosten für die Plattform zwar hoch, aber die Entwicklungskosten für die verschiedenen Derivate niedrig und damit für die einzelnen Business-Units machbar, selbst wenn wir von kleinsten Prozessgeometrien sprechen.«

Der Qualcomm-Deal ist geplatzt. Aber Geoff Lees, General Manager für Microcontroller bei NXP Semiconductors, ist überzeugt, dass es NXP Semiconductors aus eigenen Kräften schafft, SoCs zu entwickeln, die sich mit den Besten der Branche messen können.

Markt&Technik: Als wir uns vor einiger Zeit über die NXP-Übernahme durch Qualcomm unterhielten, standen Sie dem Deal überaus positiv gegenüber. Der Deal ist geplatzt. Und jetzt?

Geoff Lees: Aus meiner Sicht sprachen zwei Punkte für eine Übernahme durch Qualcomm: Connectivity und die fortschrittlichen Processing-SoCs. Das Connectivity-Problem haben wir durch einen Zukauf gelöst und bezüglich der SoCs bin ich mittlerweile überzeugt, dass wir dank neuer Schlüsseltalente in derselben Liga wie Qualcomm spielen und in ausgewählten Märkten mit Unternehmen wie AMD, Qualcomm oder Nvidia konkurrieren können.

Was hat sich geändert?

Als es noch um die Qualcomm-Übernahme ging, habe ich eine ganze Weile mit Kevork Kechichian, damals Senior Vice President Engineering bei Qualcomm, diskutiert, wie die MCU-Group von NXP in Qualcomm integriert werden kann. Wir haben damals einen detaillierten Plan dazu entwickelt. Seit dem Frühjahr dieses Jahres arbeitet Kechichian für NXP. Jetzt bauen wir gemeinsam eine Hardware SoC Engineering Group auf. Die Idee dahinter: ähnlich große Ressourcen in die SoC-Entwicklung zu stecken wie Qualcomm.

Was heißt das genau?

Kechichian hatte früher bei Qualcomm rund 6500 Leute, dann mussten Stellen abgebaut werden, zum Schluss blieben noch rund 4800. NXP verfügt über 2500 Leute, wenn man alle Ingenieure aus den drei großen Business-Groups zusammenaddiert, die in der Hardware-Entwicklung arbeiten, plus den Ingenieuren aus den zentralen R&D-Teams, die auch an SoCs arbeiten. Schaut man sich NXP heute an, ist gar nicht klar, dass wir über so große Ressourcen verfügen, weil sie in unterschiedlichen Gruppen arbeiten. Aber mit 2500 Leuten sind wir überzeugt, dass wir auch im Vergleich zu Qualcomm eine durchaus glaubwürdige Größe repräsentieren.

Heißt das, dass NXP jetzt in der Lage ist, vergleichbare Produkte selbst zu entwickeln?

Was das heißt, zeigt NXP mit i.MX 10; damit spielen wir in derselben Liga wie Snapdragon, AMD oder Nvidia, anstatt länger ein Second-Tier-Hardware-Supplier zu sein. Aber dafür braucht man die Erfahrung und Kompetenz von Leuten wie Kevork Kechichian und die Art von Team, die solche Aufgaben auch stemmen können. Aus meiner Sicht ist das Hardware-Engineering-Team von Layerscape eines der besten Engineering-Teams von NXP. Mein eigenes i.MX-Engineering-Team ist ebenfalls sehr gut; beide zusammengefasst sind aber noch viel leistungsfähiger. Kommt dann noch das Prozessor-Engineering-Team für den Automotive-Bereich dazu, wird es noch einmal besser.

Also kombinieren wir diese Gruppen. Ich bin weiterhin für Budget und Roadmap zuständig, Kechichian wiederum für die Leitung des Engineering-Teams. Er kann entscheiden, ob er die Anzahl an Ingenieuren, die an einem Projekt arbeiten, für die Projektzeit verdoppelt. Und wenn beispielsweise meine Gruppe keine neue spezifische Plattform entwickelt, dann arbeiten sie eben an einem Projekt.

Ich habe nur ein paar Architekten behalten, weil sie sehr vertikal orientiert arbeiten. Damit soll sichergestellt werden, dass wir dort, wo es sinnvoll ist, allgemeingültige Architekturen entwickeln, und wenn es um besonders Applikations-Know-how geht, getrennte Architekturen nutzen.

Ich denke, dass für Kechichian in den nächsten Wochen oder Monaten die größte Herausforderung darin besteht, ein Team aufzubauen, das mit dem Rest der Industrie konkurrieren kann.