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Verdienstausfall wegen Corona

Tarifexperte: Nur bei wenigen Kurzarbeitern wird aufgestockt

18. März 2020, 09:05 Uhr   |  dpa

Tarifexperte: Nur bei wenigen Kurzarbeitern wird aufgestockt
© zest_marina/stock.adobe.com

Im Fall von Kurzarbeit können bislang nur wenige Arbeitnehmer darauf vertrauen, dass ihre Verdienstausfälle ausgeglichen werden. Nur eine Minderheit der Tarifbeschäftigten würde eine bereits vertraglich vereinbarte Aufstockung zusätzlich zum Kurzarbeitergeld erhalten.

Das erklärte der Leiter des gewerkschaftlichen WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten, am Mittwoch in Düsseldorf. Die Sozialleistung Kurzarbeitergeld beträgt 60 Prozent des Netto-Entgelts beziehungsweise 67 Prozent für Beschäftigte mit Kindern.

Am besten gestellt sind nach einer Auflistung des Archivs die Mitarbeiter der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie, deren Gehälter laut Tarif auf 80,5 bis 97 Prozent des vorherigen Nettos aufgestockt werden.

Auch bei Volkswagen gibt es im Fall von Kurzarbeit Zuzahlungen auf 78 bis 95 Prozent. Weitere Bereiche mit Zuzahlungsvereinbarungen sind die Chemie, das bayerische Kfz-Handwerk oder die früheren Staatsbetriebe Deutsche Bahn und Deutsche Telekom.

Schulten schlägt eine generelle Aufstockung für die Zeit der Coronavirus-Krise vor. «Gerade Beschäftigte mit geringem Einkommen können bei einem Nettoeinkommensverlust von 40 Prozent nicht lange über die Runden kommen.» Vorbild könne das gestufte Kurzarbeitergeld in Österreich sein, das die prozentual höchsten Zahlungen für die geringsten Bruttogehälter vorsieht.

Heil: Lohnausfälle durch Kurzarbeitergeld möglichst gering halten

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Lohnausfälle durch Kurzarbeitergeld in der Coronavirus-Krise möglichst gering halten und sieht dabei auch die Wirtschaft in der Mitverantwortung. «Es ist so, dass die Arbeitgeber durchaus auch mehr zahlen können», sagte Heil am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin». Es werde daher in Gesprächen mit der Wirtschaft auch darum gehen «wie wir Lohnlücken schließen, um Kaufkraft zu sichern, gerade auch für Einkommensschwache.»

Angesichts der hohen Belastung bei den Arbeitsagenturen sagte Heil, niemand müsse sich Sorgen machen, ob das Geld auch wirklich fließe, wenn es auch ein paar Tage dauern möge und Telefonleitungen vorübergehend dicht blieben.

Mit Blick auf die Lage von kleinen Selbstständigen wie Ein-Frau-Betrieben will Heil einen Nothilfefonds. Und: «Ich werde auch dafür sorgen, dass die, die jetzt existenziell gefährdet sind und nicht mehr über die Runden kommen, einfacher ein soziales Sicherungsnetz in Anspruch nehmen können.» Auch Kleinstselbstständige sollten demnach unbürokratisch Leistungen bekommen.

Bei einem Spitzentreffen im Arbeitsministerium am Mittwoch in Berlin soll es unter anderem auch um Hilfen für Eltern gehen, die wegen der Coronakrise ihre Kinder betreuen müssen und vielleicht nicht arbeiten können. Mit dabei sein werden Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften sowie neben Heil Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. hält von solchen Forderungen nichts und lehnt die Forderung nach Zuzahlungen im Fall von Kurzarbeit ab.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw: »Es geht jetzt um die Existenzsicherung der Unternehmen. Wenn man die soziale Schieflage durch die Corona-Krise verhindern und die Unternehmen bei der Bewältigung der Krise unterstützen will, kann das nur über die Kurzarbeit erfolgen, die die Liquidität der Unternehmen absichert. Die Unternehmen brauchen dabei die Entlastung von den Sozialversicherungsbeiträgen, um zu überleben. Das ist die beste soziale Sicherung, die aktuell zur Verfügung steht. Forderungen nach Zuzahlungen verkennen die extrem angespannte Lage der Unternehmen. Das ist eine falsche Forderung zur falschen Zeit.«

 

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