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Plötzlich Homeoffice

»Ohne eine gute Kommunikation gerät alles andere ins Wanken«

16. März 2020, 10:05 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

»Ohne eine gute Kommunikation gerät alles andere ins Wanken«
© GitLab

Darren Murph, Head of Remote bei GitLab: »Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Produktivität zunächst bis zu einem gewissen Grad abrutschen wird.«

»Remote Work« ist bei GitLab der Normalfall, 1200 Mitarbeiter arbeiten aus mehr als 65 Ländern mobil. Darren Murph, Head of Remote, gibt Tipps, wie die virtuelle Zusammenarbeit funktioniert.

Markt&Technik: Herr Murph, GitLab hat u.a. ein »Notfall-Toolkit für Führungskräfte und Manager« sowie einen Leitfaden mit Tipps veröffentlicht. Was ist das Wichtigste aus Ihrer Sicht?
Darren Murph: Wichtig ist es, einen klaren Kommunikationsplan aufzustellen, der unternehmensweit verbreitet wird. Wenn alle Mitarbeiter auf einer Linie sind, d.h. auf der gleichen Grundlage miteinander sprechen sowie über Arbeit und Updates kommunizieren, dann ist das der Weg zum Erfolg. Ohne eine gute Kommunikation gerät alles andere ins Wanken.

Welche Collaboration- Tools empfehlen Sie Unternehmen, die wegen des Coronavirus zum ersten Mal auf Arbeiten außerhalb der Firma setzen?  
Zoom ist das zuverlässigste und stabilste Tool für Videokonferenzen, das ohne Verzögerungen funktioniert. Wenn also diese Möglichkeit besteht, dann sollte das genutzt werden. Für den Team-Chat empfehle ich angesichts der Vielzahl von Plug-Ins Slack. Yac ist zum Beispiel ein Plug-in für Slack, mit dem asynchrone Videos versendet werden können. Damit lässt sich die Kommunikation auch persönlicher gestalten, was durchaus hilft, die  informelle, persönliche Kommunikation vor Ort zu ersetzen.

Was müssen Führungskräfte besonders beachten?
Manager müssen überaus sensibel für Feedback sein. Idealerweise wird ein offenes Forum für Mitarbeiter geschaffen, in dem sie sich zu Herausforderungen und Bedenken äußern können. Dies ist der einzige Mechanismus zum Verständnis von Kommunikationslücken und wunden Punkten. Zudem ist es die Pflicht des Managers, diese Punkte zu sichten, zu priorisieren und dann festzulegen, welche Korrekturen zuerst behoben werden. Dabei sollte immer bedacht werden, dass der Übergang zu Remote Work kein binäres Ereignis ist - es ist vielmehr ein Prozess, der durch Wiederholung täglich einen besseren Schliff erhält.

Und Angestellte?
Die Mitarbeiter müssen bewusst eine Trennung zwischen Arbeit und Leben schaffen. Wenn es kein physisches Büro gibt, das man verlassen kann, ist es verlockend, länger zu arbeiten als erwartet (oder mehr als gesund ist). Wenn es sinnvoll ist, sollten Arbeitsbeginn und Arbeitsende konkret festgelegt und Aktivitäten im Voraus geplant werden, um die Zeitlücke zu füllen, die einst für das Pendeln zur Arbeit nötig war. Eine proaktive Planung dieser früheren Pendelzeit ist der Schlüssel für den Beginn und das Ende eines Arbeitstages.

Wie vermeidet man Produktivitätsverluste?
Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Produktivität bis zu einem gewissen Grad abrutschen wird. Der erste Schritt besteht zunächst darin, das realistisch zu betrachten: Unternehmen zwingen die Arbeitnehmer effektiv von einem Büro in ein anderes, das möglicherweise noch nicht eingerichtet oder vorbereitet ist. Dieser Wechsel wird durchaus als tiefgreifend empfunden. Deshalb ist es am besten, den Arbeitnehmern eine Übergangsfrist für diesen Arbeitsplatzwechsel zu gewähren, in der sie sich ausprobieren, und die Ausstattung für ein gesundes und ergonomisches Arbeitsumfeld beschaffen und Rückmeldungen geben, welche Maßnahmen in Bereichen wie Kommunikation und Arbeitsabläufen ergriffen werden müssen.
Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass ein Unternehmen die Dokumentation sämtlicher Vorgänge verinnerlicht. Wenn man jemandem nicht physisch an die Schulter tippen kann, um eine Antwort zu erbitten, dann brauchen Mitarbeiter eine zentrale digitale Bibliothek, nämlich ein Unternehmenshandbuch oder FAQ -, um eine Anleitung zu finden.

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