Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: die Rückkehrpflicht ins Büro geht mit geringerer Jobzufriedenheit und mehr Organisationsstress einher und gefährdet insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen.
34 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland, die mobil arbeiten können, berichten von Vorgaben ihrer Arbeitgeber, das Homeoffice einzuschränken. Im Durchschnitt sollen Beschäftigte an drei Tagen pro Woche im Betrieb präsent sein. Grundlage ist eine Auswertung der WSI-Erwerbspersonenbefragung mit rund 2600 Teilnehmenden aus November und Dezember 2025.
Rückkehrinitiativen sind dabei kein Einzelfall: 21 Prozent der Befragten nennen entsprechende Vorgaben innerhalb der letzten zwölf Monate, weitere 13 Prozent berichten von früheren Anordnungen.
Beschäftigte in Unternehmen mit „Return-to-Office“-Vorgaben bewerten ihre Jobzufriedenheit im Schnitt niedriger als Personen ohne solche Regelungen. Gleichzeitig steigt das Belastungsempfinden, insbesondere bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung.
Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt die Zufriedenheit mit den Maßnahmen bei durchschnittlich gut 4 Punkten. Ohne Begründung durch den Arbeitgeber fällt die Bewertung mit 3,7 Punkten deutlich schlechter aus als mit Begründung (4,6 Punkte).
Die Auswirkungen variieren je nach Lebenssituation und Position. Mütter bewerten die Rückkehr ins Büro mit durchschnittlich 3,6 Punkten am kritischsten, während Väter auf 4,8 Punkte kommen. Beschäftigte mit Leitungsfunktion zeigen sich insgesamt zufriedener als Mitarbeitende ohne Führungsaufgaben.
Auch beim Belastungsempfinden zeigen sich Unterschiede: Beschäftigte ohne Leitungsfunktion berichten bei Rückkehrvorgaben von einer um zehn Prozentpunkte höheren Belastung. Für Führungskräfte ergibt sich kein signifikanter Unterschied.
Nur etwa die Hälfte der Befragten erhielt eine offizielle Begründung für die Einschränkung des Homeoffice. Als häufigste Gründe nennen Arbeitgeber laut Beschäftigten die Förderung des kollegialen Austauschs (86 Prozent) und eine bessere Teamarbeit (76 Prozent).
Die Beschäftigten selbst vermuten andere Motive: 62 Prozent sehen verstärkte Kontrolle als Hauptgrund, 55 Prozent mangelndes Vertrauen. Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung, wenn keine Begründung kommuniziert wurde.
Ein Teil der Beschäftigten folgt den Vorgaben nicht. 21 Prozent geben an, ihre Präsenz nicht erhöht zu haben. Als Gründe nennen sie unter anderem:
Seit der Corona-Pandemie hat sich Homeoffice etabliert: Während vor 2020 weniger als 20 Prozent der Beschäftigten teilweise von zu Hause arbeiteten, liegt der Anteil seit Mitte 2022 stabil bei etwa einem Drittel. Häufig wechseln Beschäftigte tageweise zwischen Büro und Zuhause.
Viele haben ihren Alltag entsprechend organisiert, etwa durch reduzierte Pendelzeiten oder die Wahl weiter entfernter Arbeitsorte.
Die Studienautorinnen sehen einen Zusammenhang zwischen der Einschränkung von Homeoffice und aktuellen politischen Diskussionen, etwa zur Deregulierung des Arbeitszeitgesetzes oder zur Reduzierung von Teilzeitmöglichkeiten.
Sie warnen, dass erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben das Arbeitsvolumen senken könne. Wörtlich heißt es, dadurch würden „nicht nur Gesundheitsrisiken verschärft, sondern zusätzliche Barrieren für die Erwerbsbeteiligung von Frauen geschaffen“.
Eine verstärkte Präsenzpflicht kann laut Studie insbesondere für Beschäftigte mit Sorgeverantwortung (Kinder, Pflege...) organisatorische Probleme verursachen. Als mögliche Konsequenzen nennen die Autorinnen reduzierte Arbeitszeiten oder zeitweise Erwerbsunterbrechungen.
Auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive wird ein Risiko gesehen. „Einfach die Zügel anzuziehen, im Unternehmen wie auf politischer Ebene, könnte absolut kontraproduktiv wirken. Denn das erhöht die Hürden für Erwerbstätigkeit, insbesondere von Frauen“, sagt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch.