Gehälter

Warum Tech-Freelancerinnen weniger verdienen als Männer

9. März 2026, 11:53 Uhr | Corinne Schindlbeck
Für die bestehende Einkommenslücke machen Experten wie Thomas Maas, CEO von freelancermap, drei Hauptgründe aus.
© Andrey Popov/stock.adobe.com

Freelancerinnen in der IT entwickeln Cloud-Architekturen, beraten bei der digitalen Transformation und programmieren KI-Modelle. Aber verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen, zeigen neue Daten des Freelancer-Kompass. Woran liegt das?

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Zahlen aus dem aktuellen Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap zeigen: Im Durchschnitt liegt der Stundensatz von Freelancerinnen bei 100 Euro, während Männer 104 Euro abrechnen. Beim monatlichen Einkommen aus Projektarbeit beträgt der Unterschied sogar 42 Prozent: Frauen erzielen im Schnitt 4.116 Euro, Männer 7.169 Euro. Die Daten stammen aus einer branchenübergreifenden Befragung von mehr als 1.200 Freelancern, vorwiegend aus dem IT- und Technologieumfeld.

Verhandeln Frauen schlechter?

Nur 42 Prozent der Freelancerinnen sind mit ihrem Einkommen zufrieden, bei den Männern sind es 58 Prozent. Auch bei der Altersvorsorge zeigt sich eine deutliche Schieflage: Männer legen durchschnittlich 1.272 Euro pro Monat zurück, Frauen nur 613 Euro. 61 Prozent der Freelancerinnen sorgen sich um ihre finanzielle Situation im Ruhestand, bei den Männern sind es 55 Prozent.

Für die bestehende Einkommenslücke machen Experten wie Thomas Maas, CEO von freelancermap, drei Hauptgründe aus. Zum einen sind Frauen häufiger in Bereichen mit niedrigeren Stundensätzen tätig, etwa Design, Kommunikation oder Grafik. In gut vergüteten Segmenten wie Softwareentwicklung, IT-Architektur oder Management überwiegt der Männeranteil deutlich. Grundsätzlich ist der Gender Pay Gap in der IT-Branche laut einer Auswertung von Stepstone mit rund sechs Prozent geringer als der bundesdeutsche Durchschnitt von 16 Prozent. Dennoch verdienen Frauen auch in diesem Bereich systematisch weniger als ihre männlichen Kollegen.

Ein weiterer Grund: Freelancerinnen besetzen seltener leitende oder strategische Rollen, obwohl sie über vergleichbare Qualifikationen verfügen. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie des Bitkom. Nur neun Prozent der Unternehmen beschäftigen Frauen in Führungsrollen wie CIO oder CTO. 

Des Weiteren verhandeln Männer häufiger und lehnen Projekte mit zu niedrigen Stundensätzen eher ab, wie Zahlen aus dem Freelancer-Kompass aufzeigen. 72 Prozent der männlichen Freelancer geben an, ein Projekt abzulehnen, wenn der Preis nicht stimmt, bei den Frauen sind es 64 Prozent.

Fairness ungenügend

Die Einkommenslücke im Freelancing ist mehr als eine statistische Größe, sie zeigt, dass Gleichstellung auch in der freien Projektarbeit noch nicht erreicht ist. Unternehmen, die Freelancer beauftragen, sollten Projektbesetzungen konsequent an Qualifikation ausrichten und Honorarstrukturen transparent gestalten: „Echte Fairness entsteht erst, wenn gleiche Arbeit auch gleich bezahlt wird“, so Thomas Maas, CEO von freelancermap. „Die Einkommenslücke zeigt, dass die Branche noch immer Potenzial verschenkt."

 

 


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