Arbeitsmarkt Embedded Systems

»Vakanzen bleiben immer häufiger unbesetzt«

28. Juni 2022, 10:02 Uhr | Corinne Schindlbeck
Hays
Markus Rosemeier, Head of Engineering und C&P, Hays. "In den letzten Jahren haben sich besonders die Startup-Cluster in Berlin und Leipzig hervorgetan."
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Markus Rosemeier ist Head of Engineering und C&P bei der Hays AG und verantwortet damit deutschlandweit den Bereich der Vermittlung von Fach- und Führungskräften, u. a. im Bereich Engineering. Wie beurteilt er den aktuellen Arbeitsmarkt für Embedded Systems?

Markt&Technik: Herr Rosemeier, welche Profile im Bereich Embedded Systems werden am häufigsten gesucht, wo gibt es die meisten offenen Stellen und in welcher Industriesparte? 
Markus Rosemeier: Die meisten Kundenanfragen in den vergangenen Jahren waren klassische Entwickler-Stellen im Bereich Firmwareentwicklung mit C/C++ sowie in der klassischen Hardwareentwicklung, analoge und digitale Schaltungsentwicklung. Mitunter haben wir aber auch Positionen in der Softwarearchitektur, Projekt- oder Teamleitung R&D vermittelt. Ein großer Teil der Anfragen kommt aus dem Automotive-Bereich. Hier haben sich die Anfragen insofern verändert, dass der Schwerpunkt immer stärker hin zur Elektromobilität und den angrenzenden Branchen geht. Also zum Beispiel von Herstellern von Batteriespeichern kommen.

Welche Profile verdienen am meisten, was zählen Berufserfahrung und Führungsverantwortung? Und lohnt ein Jobwechsel derzeit auch finanziell? 
Die höchsten Gehälter werden für die Positionen der Soft- und Hardwarearchitekten sowie für Team- und Projektleiter aufgerufen. Das Gehaltsgefüge hängt im Wesentlichen von den beiden Faktoren Region – Ost versus West – und Unternehmensgröße – also tarifgebunden oder nicht, Konzernzugehörigkeit etc. – ab.

Im Branchenvergleich verdienen Embedded-Software-Entwickler überdurchschnittlich gut. Das Gehalt variiert abhängig von Qualifikationen, Berufserfahrung und Größe des Unternehmens. Das Einstiegsgehalt für Entwickler liegt bei etwa 50.000 Euro brutto im Jahr. Bei Jobs mit mehr Verantwortung für die Softwareentwicklung kann es höher ausfallen. Im Schnitt verdienen Programmierer in Deutschland knapp 80.000 brutto im Jahr.

Erfahrene Senior-Embedded-Software-Entwickler erreichen ein Jahresbruttogehalt von bis zu 95.000 Euro. Und was das Gehalt bei Jobwechsel betrifft: Bei unseren bisherigen Vermittlungen waren Gehaltssteigerungen von 10 bis 15 Prozent üblich.

Gibt es »Embedded Cluster«, die besonders viele offene Stellen bieten?
Rund um die Automobilstandorte Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart, Leipzig und München gibt es einen höheren Bedarf. Darüber hinaus ist der Bedarf an Kandidaten aber bundesweit hoch. In den letzten Jahren haben sich besonders die Startup-Cluster in Berlin und Leipzig hervorgetan. 

Wo liegen die Honorare für selbstständige Embedded-Spezialisten? Und wann lohnt sich die Selbstständigkeit aus Ihrer Sicht? 
Die Honorare sind von mehreren Faktoren wie Know-how, Branche oder Einsatzort abhängig. Den Schritt in die Selbstständigkeit gehen besonders erfahrene Kandidaten mit mehrjähriger Berufserfahrung und dem Wunsch, eigener Unternehmer zu sein. Viele freiberufliche Kandidaten schätzen die Flexibilität der Arbeit eines Freiberuflers, aber auch die Möglichkeit, in viele unterschiedliche Projekte involviert zu sein.

Wie macht sich der Fachkräftemangel in diesem Bereich bei Ihren Kunden bemerkbar? Werden Abstriche bei der Qualifikation oder bei anderen Skills gemacht? 
Ausgeschriebene Vakanzen bleiben immer häufiger und auch lange unbesetzt. Kunden sind stellenweise nicht mehr in der Lage, diese unbesetzten Positionen zu kompensieren. Damit sind Unternehmen vermehrt die Hände gebunden, wenn es um die Annahme von neuen Aufträgen geht. Sie tun sich aber noch immer schwer damit, Abstriche bei den Qualifikationen hinzunehmen. Es findet hier erst langsam ein Sinneswandel statt, dass in die Ausbildung junger Kandidaten investiert werden muss.

Würden Sie von einem Fachkräftemangel im Bereich Embedded sprechen?
Ja, die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften im Bereich Embedded übersteigt schon länger das Angebot. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die aktuellen Krisen, die Kandidaten zögerlicher werden lassen, wenn es um einen Wechsel geht. Es muss daran gearbeitet werden, mehr Frauen für eine entsprechende Ausbildung oder Studium zu gewinnen, damit dem Markt ein größerer Teil potenzieller Absolventen zur Verfügung steht.

Bemerken Sie ein verstärktes Recruiting im Ausland? 
Für viele Unternehmen ist weniger das Herkunftsland interessant als die Sprachkenntnisse, die der Kandidat mitbringt. Deutschkenntnisse werden zumindest auf B2-Sprachniveau erwartet und sind größtenteils Voraussetzung, da die Unternehmenssprache zumeist deutsch ist. Eines der starken Herkunftsländer im Bereich Embedded ist Indien.

Welche Angebote macht Hays Berufseinsteigern im Embedded-Bereich, welche gibt es für Professionals?
Im Bereich Arbeitnehmerüberlassung bieten wir viele spannende Projekte bei interessanten Kunden an und eine gute Möglichkeit, sein Profil durch unterschiedliche Berufserfahrungen zu erweitern.
Für Professionals ist es wichtiger, dass der nächste Schritt in der Karriere auch wirklich passt. Durch eine genaue Bedürfnisanalyse der Kandidatenwünsche können wir Wechseloptionen anbieten, die bisher gar nicht im Fokus der Kandidaten lagen.

Wann raten Sie zu einem Karriereschritt? 
Wenn die interne Karriere ins Stocken geraten ist, kann ein Arbeitgeberwechsel leicht neue Karriereperspektive erschließen. Auch ein Branchenwechsel erschließt dabei neue Optionen. 
Zudem ist es sinnvoll, sich ein Netzwerk aufzubauen und zu pflegen, statt nur auf die Fachkenntnisse zu bauen. Lebenslanges Lernen halten wir für essenziell. Das betrifft Weiterbildung im Allgemeinen genauso wie die kontinuierliche Weiterentwicklung in den Programmiersprachen.

 


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