Führung und Corona-Management 

»Und dann konnte der Austausch auch emotional werden«

23. Februar 2022, 14:18 Uhr | Jens Gieseler

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Auch Kritik am Führungsverhalten

Hays
Führung als Balanceakt zwischen Vertrauen und Kontrolle: Dirk Hahn, CEO Hays AG.
© Hays

Allerdings gibt es auch Kritik am Führungsverhalten. Das betrifft einerseits die engmaschige Kontrolle und andererseits fehlende Empathie. So beklagen 48 Prozent der Mitarbeiter den gestiegenen Druck, knappe zwei Fünftel registrieren Führung von oben herab und 36 Prozent, dass sie sehr genau kontrolliert werden, wann, wie viel und wie sie arbeiten. 45 Prozent fühlen sich stärker austauschbar und weniger wichtig und mehr als ein Drittel ist sogar nachhaltig enttäuscht von seinem Unternehmen. Führung sei ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Kontrolle, so Dirk Hahn. Der CEO der Mannheimer Hays AG weiter: „Die Aussagen zur zunehmenden digitalen Kontrolle und dem in der Realität nur teilweise umgesetzten partizipativen Führungsstil sollte Führungskräfte aufhorchen lassen. Hier zeigen sich wichtige Stellschrauben zur Mitarbeiterbindung, gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels“. 

Auf ersten Blick haben es Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken konnten viel leichter. Doch als es mit Corona losging, machte sich Andreas Nau, Geschäftsführer des Software-Entwicklers Easysoft unter anderem Gedanken, ob die Innovationsfähigkeit der Firma auf dem hohen Niveau bleibt. Der spontane Ideenaustausch und das schnelle Zusammenhocken auf den Schaukeln oder Kommunikationsinseln im Büro waren schließlich unmöglich geworden. Seine Mitarbeiter haben ihn in den vergangenen zwei Jahren immer wieder überrascht. Anfang des Jahres lief das gesamte Entwickler-Team in der Metzinger Niederlassung ein – freitags um 18 Uhr. „Wir kommen, wenn ihr weg seid“, so das Motto. Nach mehr als sechs Stunden Hackathon hatten die Programmierer eine neue Idee ausgetüftelt, um die Software für Personalentwicklung und Ausbildungsorganisation weiter zu optimieren. 

Auch dem Service und der Beratung fehlte zunächst der unmittelbare Kontakt. Denn: Viel Wissen wird auf dem kleinen Dienstweg vermittelt, weil man das Telefongespräch des Kollegen mithört, eine kurze Frage über den Schreibtisch hinweg stellt oder ad hoc gemeinsam überlegt, wie man mit einem speziellen Problem umgeht. „Wir haben unser internes Wiki drastisch ausgebaut“, erzählt Nau, vor allem sind wesentlich mehr kurze Tutorials und Videos zu finden und werden auch häufiger als früher genutzt. „Wenn die alten Wege nicht funktionieren, finden wir neue“, erklärt er lapidar. Sie hätten schlicht andere Vorteile und andere Nachteile: „Wenn wir mal wieder corona-unbelastet zusammensitzen, werden wir mehr Möglichkeiten haben. Radio, Kino, Fernsehen und Streamingdienste existieren auch parallel und werden von den meisten zu unterschiedlichen Zeiten genutzt.“ 

 


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  3. Spinner Automation ging es nie darum, Impfgegner in die Ecke zu stellen

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