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New Work nach Corona

»Wir wollen und müssen reagieren«

Inno
Tanja Friederichs, Vice President Human Resources bei Puls.
© Markt&Technik

Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf bzw. ins Homeoffice gestellt. Glaubt man Personalern, dann ist die „Büro – wie oft?“-Frage im Vorstellungsgespräch inzwischen genauso entscheidend wie das Gehalt, ob man zueinander findet. Unternehmen und Anbieter arbeiten an Hybrid-Lösungen.

Erst 2017 hatte die Puls GmbH eine – unter Mitsprache der Mitarbeitenden – völlig neu konzipierte Arbeitswelt nach Vorbild eines „gallischen Dorfes“ eingeweiht (Markt&Technik berichtete) – nun muss das Konzept deutlich weiterentwickelt werden.

»Die Corona-Krise hat unsere Art zu arbeiten und die Bedürfnisse der Mitarbeiter verändert – darauf wollen und müssen wir reagieren«, berichtet Personalleiterin Tanja Friederichs.

Eine Projektgruppe erarbeitet gerade Vorschläge, wie eine Post-Corona-Arbeitswelt aussehen könnte; im Moment arbeiten die Puls-Teams noch unter strengen Hygiene-Auflagen. In neuen, zusätzlich angemieteten Räumen im Münchner Arabellapark werden gerade Entwürfe diskutiert: Wie können Mitarbeiter möglichst flexibel und mobil arbeiten und trotzdem bei Bedarf auf einen ruhigen und modernen Arbeitsplatz vor Ort zurückgreifen? Wie könnte ein digitales Buchungssystem dazu aussehen? Wie und wo lassen sich persönliche Unterlagen am besten aufbewahren, wo es ein festes Büro nicht mehr gibt? Und wo bleiben feste Arbeitsplätze bestehen? Wann lohnt es sich eigentlich, ins Büro zu kommen?

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Tanja Friederichs, Personalleiterin bei Puls: »Die Corona-Krise hat unsere Art zu arbeiten und die Bedürfnisse der Mitarbeiter verändert – darauf wollen und müssen wir reagieren«.
© WEKA FACHMEDIEN

»All das diskutieren wir derzeit«, so Friederichs. So modern und neu die neue Arbeitsumgebung noch vor ein paar Jahren gewesen sei – sie beruhte auf der Annahme, dass sich der Großteil der Mitarbeiter vor allem im Büro aufhält. Unter strikten Hygieneauflagen ist das ja auch längst in einem gewissen Umfang auch wieder möglich – doch die neue Flexibilität wollen die Mitarbeiter eben auch in einer Post-Corona-Zeit nicht wieder missen. Und so arbeitet Puls gerade an der Weiterentwicklung seines Arbeitskonzeptes – ausruhen könne man sich als Arbeitgeber schließlich nie, das zeige schon die Konkurrenzsituation um Ingenieure am Standort München, erzählt Friederichs.

So wie Puls geht es derzeit vielen Unternehmen. Das zeigt eine Studie des Hamburger Marktforschungs- und Beratungshauses SoftSelect. HR sei auf dem Weg zur Neuerfindung, und schuld daran sei die Pandemie: Laut einer Befragung des Bayerischen Forschungsinstitutes für Digitale Transformation (bidt) im Jahr 2020 unter 1500 Berufstätigen wünschen sich rund 70 % derjenigen, bei denen eine Remote-Tätigkeit möglich ist, auch nach der Corona-Krise häufiger im Homeoffice zu arbeiten als zuvor. Die Befürchtung, der Arbeitgeber könne nach der Krise die geschaffenen Möglichkeiten der Homeoffice-Nutzung wieder auf das Vorkrisenniveau zurückfahren, ist weit verbreitet (55 Prozent). Einer aktuellen, repräsentativen Studie von Accenture zufolge favorisieren zudem 83 Prozent der mehr als 9300 befragten Beschäftigten ein hybrides Arbeitsmodell mit Präsenz- und Homeoffice-Anteilen.

Bessere Voraussetzungen für hybride Arbeitswelten schaffen

Für Arbeitgeber wächst damit die Herausforderung, die Bedürfnisse der Mitarbeiter nach flexibleren Arbeitsmodellen mit den Zielen des Unternehmens und der Personalpolitik in Einklang zu bringen. Die zentrale Frage laute somit nicht mehr, wo man künftig arbeite, sondern vielmehr, was das volle Potenzial der Beschäftigten freisetze und ihnen ermögliche, überall nachhaltig produktiv zu arbeiten, so SoftSelect-Geschäftsführer Michael Gottwald. »Für HR und Personalverantwortliche bedeutet dies vor allem, geeignete Rahmenbedingungen für hybride Arbeitsmodelle zu schaffen, um produktive Arbeitsumgebungen für geeignete Rollenprofile unabhängig des jeweiligen Standortes bereitzustellen«, sagt er. »Auf mittlere bis lange Sicht dürften sich so flexible und insbesondere auch hybride Arbeitsmodelle immer mehr etablieren, die die Vorteile beider Welten (Präsenz- und Remote-Arbeit) optimal vereinen – unter Berücksichtigung individueller Faktoren.«


  1. »Wir wollen und müssen reagieren«
  2. Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

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