Fachkräftemangel auch im Labor

Die Pandemie war kein Türöffner

23. Mai 2022, 13:50 Uhr | Corinne Schindlbeck
DNA-Molekül im Reagenzglas eines Bluttests (Symbolbild)
© AdobeStock/Connect world

Nicht nur die Elektronik, auch die Life-Science-Branche klagt über Bewerbermangel. Eine Untersuchung zeigt nun: ähnlich wie in der Elektronik auch dominieren Stereotype: Jugendliche wissen zu wenig über die potenziellen Berufe und Karrierechancen. 

Eine Umfrage des Hamburger Laborprodukteherstellers Starlab International unter 2.000 Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren aus Deutschland und Großbritannien zeigt: Zwar halten viele Jugendliche Laborjobs für sinnhaft, sicher und systemrelevant – allerdings fehlt den meisten eine genaue Vorstellung und der Zugang zu dem Thema. Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bleiben auf der Strecke, das ist auch für die Laborbranche ein Problem. 

So unterschiedlich und vielfältig Berufe im Labor sind, so sehr verbinden viele Jugendliche das Betätigungsfeld im Labor mit dem Job des medizinisch-technischen Laboratoriumsassistenten. An erster Stelle assoziieren sie mit der Laborarbeit die Analyse von Blut und Urin in einer Arztpraxis (58 Prozent), als Zweites den Nachweis von Mikroben im Trinkwasser (49 Prozent), gefolgt von der Erfindung des nächsten mRNA-Impfstoffs (37 Prozent). Am wenigsten dagegen verbinden sie mit der Arbeit die Heilung von Krebs (27 Prozent).

„Ein Grund des Nachwuchsmangels scheint, dass die Mehrheit mit der Arbeit im Labor nur ein stereotypes Berufsbild assoziiert. Es ist das Bild, das sie bei fast jedem Arztbesuch sehen können und aus dem Fernsehen kennen. Außerdem denken viele Jugendliche, dass die Arbeit im Labor nur mit sehr guten Noten erreichbar ist“, kommentiert Starlab-CEO Klaus Ambos. Die Umfrage zeigt: Knapp vier von zehn Jugendlichen (37,2 Prozent) machen eine berufliche Laufbahn im Labor von den Noten abhängig.

Die seit zwei Jahren andauernde Corona-Berichterstattung rund um PCR-Tests, Testmangel und überlastete Labore hat kaum dazu beigetragen, dass Schüler und Schulabgänger Labor- und Wissenschaftsberufe verstärkt auf dem Schirm haben oder attraktiver finden. Im Gegenteil: 22 Prozent der Befragten erklären, dass sie genauso viel über die Arbeit in den Laboren wissen wie vor Corona. Weitere 12 Prozent geben an, überhaupt kein Bild von der Arbeit in den Laboren zu haben. „Vom Zukunftsfeld Digitalisierung über die aus ökologischer und nun auch politischer Sicht unumgängliche Energiewende und Themen wie Klimawandel, Biodiversität oder Ressourcen- und Lebensmittelknappheit bis hin zu demografischen Herausforderungen: Vielen Jugendlichen ist gänzlich unbewusst, dass alle großen Zukunftsthemen naturwissenschaftlicher Lösungen bedürfen“, sagt Ambos. Ihm zufolge könnten die ungenutzten Chancen zur Rekrutierung von Fachkräften dem Forschungsstandort Deutschland – auch im internationalen Wettbewerb – auf lange Sicht zum Verhängnis werden.

Mehr Sinn, mehr Gemeinwohl, mehr Selbstbestimmung: Die Erfindung des mRNA-Impfstoffs könnte zwar als Inbegriff für die beruflichen Präferenzen der Generation Z gelten. 75,2 Prozent der Teens halten die Tätigkeiten im Labor für sinnhaft. Weitere 71,4 Prozent messen den Jobs viel Verantwortung zu. Das spiegelt sich aber nicht in den Bewerberzahlen wider. „Wir verzeichnen seit fünf Jahren rückläufige Bewerberzahlen“, sagt auch Dr. Oliver Zschenker, Schulleiter der School of Life Science Hamburg. Weder die Corona-Pandemie noch namhafte Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz für den Biontech-CEO Ugur Sahin haben daran etwas geändert. 
 


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