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KI schlägt auf IC-Markt durch

MIPS landet bei Wave Computing

15. Juni 2018, 08:43 Uhr   |  Heinz Arnold

MIPS landet bei Wave Computing
© MIPS

Eine CPU von MIPS: Jetzt hat Wave Computing das Unternehmen gakauft.

Der KI-Hardware-Spezialist Wave Computing übernimmt MIPS. Ein weiteres Zeichen dafür, wie die KI den Halbleitermarkt verändert.

Denn MIPS ist eine altehrwürdige, 1984 gegründete Firma, die einmal zu Silicon Graphics gehört hatte und 1999 selbständig wurde. Sie hatte eine Prozessorarchitektur entwickelt, die auch heute noch verbreitet ist und ihre Anhänger hat, darunter Microchip, Mobileye, Mediatek und Denso. So hatte Denso vor einem Jahr die MIPS-CPUs und -GPUs von Imagination lizensiert. Doch MIPS hatte sich nicht auf breiter Basis gegen ARM durchsetzen können, was sicher nicht an der Technik der CPUs lag. ARM hatte den Sprung in die Handys geschafft, die Cortex-M-Serie tat ein Übriges, um in hohe Stückzahlen zu kommen und ein entsprechendes Ecosystem zu schaffen.  

Die zurückgefallene MIPS beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter. So viele wie die mittlerweile acht Jahre alte, sich immer noch als Start-up-Firma fühlende Wave Computing. Sie hat mit der Dataflow-Processing-Unit (DPU) einen speziell auf KI zugeschnittenen Chip entwickelt. Jede DPU enthält 16.000 Processing-Elemente und wird mit 6 GHz getaktet. Darauf aufbauend will das Unternehmen Systeme für das Training von KI-Systemen aufbauen. Eine entsprechende Workstation plant Wave Computing demnächst auf den Markt zu bringen. Mit der Übernahme von MIPS möchte Wave Computing KI-Chips auch in Edge-Geräte bringen.

Wave Computing und MIPS dürften sich nicht gerade unbekannt sein. Derek Meyer, CEO von Wave Computing, war früher bei MIPS als Vice President für Sales und Marketing verantwortlich, auch Mike Uhler, der einmal die Position des CTO bei MIPS bekleidet hatte, arbeitet nun bei Wave Computing. Firmengründer Dado Banatao ist – unter anderem – Chairman von Wave Computing und von MIPS. Es sollte also durchaus möglich sein, die Techniken beider Unternehmen schnell aufeinander abzustimmen.

Das dürfte auch erforderlich sein, denn es befinden sich schon einige KI-Chip-Hersteller auf der Startbahn. Graphcore in Großbritannien gehört dazu genauso wie die Silicon-Valley-Unternehmen Cerebras Systems und Groq. War es die Jahre zuvor eher ruhig um IC-Start-ups geworden, haben die Neugründungen, die sich mit KI-Chips befassen, offenbar keine Probleme, VC-Geld aufzutreiben.  

Dass ein neuer Wind im Bereich der KI-Chips weht, zeigt auch die chinesische Cambricon, die mit derzeit über 1 Mrd. Dollar  bewertet wird und damit das erste Chip-Unicorn Chinas ist. Die KI-Cores  des Unternehmens arbeiten bereits in den Kirin-Prozessoren von Hisilicon, die die Mutterfirma Huawei in Smartphones einsetzt.

Auf spezielle ASICs für den Einsatz in der KI setzt eSilicon. Das Unternehmen, das bisher vor allem als Spezialist für ASICs bekannt war, die im Network-Equipment Einsatz finden, hat sie ASIC-Technik mit 2.5D-Chip-in-Packaging kombiniert. Erste Chips befinden sich in der Produktqualifikation. Das Unternehmen hat kürzlich die »neuASIC«-Plattform für die Entwicklung von ASICs auf unterschiedliche Zielapplikationen vorgestellt. »Wir sehen einen riesigen Markt für die Beschleunigung von AI-Algorithmen. Die neuASIC-Plattform wird diesem Marksegment einen deutlichen Schub nach vorne geben«, erklärte Mike Gianfagna, Vice President Sales im Interview mit Markt&Technik.

Aber auch viele etablierte Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit KI-Chips. Dazu gehören Intel, AMD,  Google, Amazon, Microsoft, Apple, Samsung, Mediatek NVidea und Cadence, um nur einige zu nennen.

Und auch der alte MIPS-Rivale ARM arbeitet intensiv an einem KI-Core, den das Unternehmen demnächst vorstellen will.  

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