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Halbleitermarkt

Nach dem Boom folgt der Crash, Inflationsgefahr steigt

04. Juni 2021, 11:44 Uhr   |  Iris Stroh

Nach dem Boom folgt der Crash, Inflationsgefahr steigt
© m.mphoto / AdobeStock

Interact Analysis geht davon aus, dass sich die weltweite Wirtschaft langsamer als bisher erwartet erholen wird. Außerdem soll auf die derzeitige Halbleiterknappheit Ende 2023 oder Anfang 2024 ein Einbruch im Halbleitermarkt folgen und in einigen Regionen sei eine hohe Inflation kaum zu vermeiden.

Das geht aus dem neuesten vierteljährlichen Update des Manufacturing Industry Output Trackers (MIO) von Interact Analysis hervor. In diesem Bericht sind erstmals Daten aus drei neuen Schlüsselregionen aufgenommen: Malaysia, Indonesien und Vietnam. Aus der Sicht der Analysten erholt sich die weltweite Wirtschaft langsamer: Den guten Entwicklungen in den USA, Südkorea und China stehen Regionen wie Europa und Japan gegenüber, die noch mit der Pandemie zu kämpfen haben, wobei hier noch von einer schnellen Erholung in Zukunft ausgegangen wird. Indien und Brasilien schneiden ebenfalls schlecht ab und diese Länder werden sich voraussichtlich aber nur langsam erholen.

Die Erklärung liegt an der ungleichmäßigen Impfhäufigkeit gegen COVID-19, die dazu führt, dass sich einige Volkswirtschaften langsamer öffnen können als andere. Aus der Sicht der Analysten hat vor allem die EMEA-Region (Europa, der Nahe Osten und Afrika) relativ schlecht abgeschnitten. Während Großbritannien im Februar 2021 beispielsweise 89,8 Impfdosen pro 100 Personen registrierte, waren es in Deutschland nur 54,2. Frankreich und Italien kommen derzeit auf 48,6 bzw. 51,9 pro 100. EMEA erlebte 2020 mit einem Wachstumseinbruch von ca. -10 Prozent einen schweren Schlag für die Wirtschaft, und die langsame Impfrate wird das Wachstum 2021 auf 6 Prozent drücken. In den USA liegt die Impfquote derzeit bei etwa 85,4 Dosen pro 100 Personen, und die Wirtschaft sollte bis zum Sommer dieses Jahres vollständig geöffnet sein, was ein relativ bescheidenes negatives Produktionswachstum von -3,7 % im Jahr 2020 in ein positives Wachstum von 6,4 % im Jahr 2021 verwandelt. Die katastrophalen Nachrichten aus Indien wiederum haben zur Folge, dass die Erholung dort langsam ablaufen wird, ebenso wie in Brasilien. Beide Regionen stünden vor dem Problem, zweistellige Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2020 umzukehren (Indien: -12,6%; Brasilien: -15,8%) zu müssen. Für beide Länder wird für 2021 ein relativ bescheidenes Wachstum von rund 6 % im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. China ist das einzige Land, das 2020 ein positives Wachstum des verarbeitenden Gewerbes verzeichnete (1,9 %) und nun wieder ein normales Produktionsniveau erreicht hat, trotz einer begrenzten Einführung von Impfstoffen.

Halbleiterknappheit

Diverse Faktoren haben zu einer ernsthaften Verknappung von Halbleitern geführt, mit großen Auswirkungen auf die Elektronik- und Automobilbranche und einem daraus resultierenden Dominoeffekt für Unternehmen der industriellen Automatisierung. In der Studie heißt es, dass die Lücke zwischen Bestellung und Lieferung von Halbleiter für den Automobilmarkt derzeit bis zu 7 bis 8 Monate betragen kann. Die Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die erste Hälfte dieses Jahres 2021 die Situation nicht verbessern wird, erst in der zweiten Jahreshälfte wird mit einer Erholung gerechnet.

Die Knappheit hätte zu einem Preisanstieg in der Halbleiterindustrie geführt, was in diesem und nächsten Jahr zu hohen Umsätzen führen wird. Dazu käme noch die Tendenz der Kunden, Lagerbestände anzulegen und bei verschiedenen Anbietern zu bestellen, da sie nicht wissen, wer diese Komponenten zuerst liefern kann; einige Unternehmen hätten dreimal so viele Halbleiter bestellt, wie sie benötigen. Die hohen Auftragsvolumina führen dazu, dass die Halbleiterindustrie verstärkt in neue Produktionskapazitäten investiert. In Kombination mit den jetzt angelegten Lagerbeständen erwarten die Analysten Ende 2023, Anfang 2024 einen Crash im Halbleitermarkt.

Darüber hinaus warnen die Analysten vor einer steigenden Inflationsgefahr, zumindest in den Ländern, die ihre Wirtschaft während der Pandemie finanziell stark unterstützt haben. In diesem Zusammenhang verweisen die Analysten beispielsweise auf Deutschland, wo finanzielle Mittel in Höhe von 35,9 Prozent des BIPs zur Verfügung gestellt wurden, oder Japan mit 54,5 % des BIPs und USA mit 26,5 Prozent des BIPs. Adrian Lloyd, CEO von Interact Analysis, erklärt abschließend: »Eine ernsthafte Inflation ist in einigen Schlüsselregionen fast unvermeidlich. Die Auswirkungen von COVID werden also noch weit in die Zukunft reichen.«

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