Rohm profitiert vom SiC-Boom

Viel Freude mit Leistungshalbleitern

18. Juli 2022, 9:27 Uhr | Heinz Arnold
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Alle Zeichen stehen auf Expansion: Der Bedarf an Leistungshalbleitern steigt rasant. Rohm hat schon früh auf die jetzt boomende SiC-Technik gesetzt.

Bei Rohm stehen alle Zeichen auf Expansion. Mit einem Umsatz von 452,1 Milliarden Yen (3,3 Milliarden Euro) konnte Rohm im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreichen – und die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum: Für dieses Jahr rechnet Isao Matsumoto, Präsident und CEO von Rohm, bereits mit einem Umsatz von 510 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro), bis 2025 soll er weiter auf 600 Milliarden Yen (4,2 Milliarden Euro) klettern, wobei die Marge bis dahin auf 20 Prozent gestiegen sein soll. Worüber sich Isao Matsumoto besonders freut: Im vergangenen Jahr ist es Rohm gelungen, den Anteil des Umsatzes mit Produkten für die Industrie- und Automotive-Märkte über die Schwelle von 50 Prozent zu heben, auf genau 52 Prozent. Zum Vergleich: Ende des Geschäftsjahres 2002/2003 hatte dieser Anteil noch bei 16 Prozent gelegen.

Warum die Freude groß ist? Das baut auf mehrere Gründe. Dazu zunächst ein Blick in die Vergangenheit: Die Rekordmarke, die deutlich zu überspringen Rohm 2021 gelungen ist, hatte das Unternehmen nämlich vor nicht weniger als 22 Jahren mit 409 Milliarden Yen (2,9 Milliarden Euro) gesetzt. Zwischen 2005 und 2020 kam der Umsatz zwar immer mal wieder relativ nah an diese Schwelle heran, übersprang sie aber nie. Diese Phase scheint nun überwunden – und zwar nachhaltig. Denn einerseits ist es Rohm gelungen, den Auslandsanteil seines Geschäfts kräftig zu steigern, insbesondere innerhalb der wachstumsträchtigen Märkte Industrie und Automotive. Andererseits wächst der Bedarf an energieeffizienten Leistungshalbleitern.

»Deshalb haben wir den mittelfristigen Management-Plan nach oben korrigiert und liegen damit vor dem ursprünglichen Zeitplan«, so Matsumoto. »Unsere Vision bis 2025 besteht darin, vor allem in den Automotive-Segmenten und in den Regionen außerhalb Japans kräftig zu wachsen«, erklärt Matsumoto. Besonders in Europa werde der Fokus auf diesem Sektor liegen. Die Leistungshalbleiter im Allgemeinen und die Automotive-ICs im Besonderen werden nach seinen Worten signifikant zum Wachstum beitragen. »Die Leistungskomponenten werden über die kommenden fünf Jahre zur stärksten Produktgruppe aufrücken«, so Matsumoto.

Und was passiert nach 2025? Dann sollen neue Produkte wie GaN- und Power-Module sowie Module, die autonomes Fahren unterstützen, zu den Treiben für weiteres Wachstum gehören.

Einen wichtigen Beitrag für den neuen Wachstumsschub haben und werden die SiC-Komponenten beitragen, auf die Rohm früh gesetzt hatte: Schon im Jahr 2000 hatte das Unternehmen eine erste R&D-Produktion von SiC-Komponenten gestartet, damals auf 2-Zoll-Wafern. 2009 übernahm Rohm den SiC-Wafer-Hersteller SiCrystal in Nürnberg, um die gesamte Wertschöpfungskette vom Wafer über den Chip und das Package bis zum Modul in eigener Kontrolle zu haben. Die weltweit ersten Full-SiC-Module folgten 2012. 2015 nahm Rohm die Massenfertigung der weltweit ersten Trench-SiC-MOSFETs auf. Weitere Meilensteine waren unter anderem die weltweit ersten AEC-Q101-Zertifizierungen für die SiC-Schottky-Barrier-Dioden für E-Autos im Jahr 2012 und für die SiC-Trench-MOSFETs im Jahr 2018.

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Isao Matsumoto, Präsident und CEO von Rohm: »Wir konnten im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz erzielen und erwarten auch für das laufende Geschäftsjahr eine starke Performance. Deshalb haben wir den mittelfristigen Management-Plan nach oben korrigiert und liegen damit vor dem Zeitplan.«
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Dr. Kazuhide Ino, Managing Executive Officer und CSO von Rohm: »Wegen der Elektrifizierung und der Energiewende wird die Nachfrage nach SiC-Komponenten weiter steigen, von 2024 auf 2025 sogar sprunghaft. Deshalb investieren wir weiter kräftig in den Ausbau der SiC-Kapazitäten.«
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Der Weg, den die SiC-Technologie seit 2012 genommen hat, ist in der Tat beeindruckend: Konnte Rohm schon in der dritten Generation den Einschaltwiderstand gegenüber der zweiten Generation um 50 Prozent reduzieren, so sinkt er in der 2021 erstmals vorgestellten vierten Generation noch einmal um 40 Prozent. Dr. Kazuhide Ino, Managing Executive Officer von Rohm, ist sich sicher, den Einschaltwiderstand der fünften Generation wiederum um 30 Prozent senken zu können. Der Start der Massenproduktion ist für 2025 geplant. 2028 werde dann bereits die sechste Generation in die Massenproduktion gehen, die den Einschaltwiderstand noch einmal um 30 Prozent senke. »Wegen der Elektrifizierung und der Energiewende wird die Nachfrage nach SiC weiter steigen, von 2024 auf 2025 sogar sprunghaft«, so Dr. Ino. »Deshalb investieren wir weiter kräftig in den Ausbau der SiC-Kapazitäten.«

Das Geld werde sowohl in die Entwicklung und den Ausbau der Produktion von SiC-Komponenten als auch in die erforderlichen peripheren Komponenten und den Kunden-Support fließen. Insgesamt will Rohm die Produktionskapazität für SiC-Komponenten bis 2025 gegenüber dem vergangenen Jahr versechsfachen. Erst kürzlich hatte Rohm den Bau eines neuen Gebäudes in seinem Apollo-Werk in Chikugo, Japan, abgeschlossen, um die Fertigungskapazität für SiC-Leistungshalbleiter zu erhöhen.

Denn der SiC-Markt wächst schnell: Im nächsten Jahr rechnet Rohm mit einem weltweiten Gesamtumsatz von knapp 200 Mrd. Yen (1,4 Milliarden Euro) in diesem Marktsektor. Bis 2025 soll der Markt auf über 300 Milliarden Yen (2,1 Milliarden Euro) zulegen, um 2030 auf über 700 Mrd. Yen (knapp 5 Milliarden Euro) zu kommen. In diesem Markt gehört Rohm zu den führenden globalen Herstellern: Laut den Marktforschern von Yole ist Rohm 2020 mit seinen SiC-Komponenten auf einen Weltmarktanteil von 14 Prozent gekommen.

Zudem sieht sich Rohm nicht nur als führender Hersteller von SiC-Komponenten, sondern auch als Spezialist für die Entwicklung und Fertigung von analogen Komponenten. Dazu gehören Gate Driver, LED-Treiber und PMICs (Power Management ICs). »Die isolierten Gate-Driver-MOSFETs, Dioden, PMICs beispielsweise ergänzen unsere SiC-Dioden und -Transistoren sowie IGBTs sehr gut, um komplette Inverter für Fahrzeuge aufzubauen«, sagt Dr. Ino. Allein auf dem Gebiet der nichtoptischen, isolierten Gate Driver halte Rohm einen Marktanteil von 60 Prozent weltweit. Insgesamt könne Rohm mit seinem Produktspektrum an Power-Komponenten, ICs sowie diskreten Komponenten wie Transistoren, Dioden und Widerständen komplette Subsysteme realisieren. Das passe sehr gut zur vollintegrierten Produktion vom Substrat bis zum Package und ergänze sich wechselseitig.


  1. Viel Freude mit Leistungshalbleitern
  2. Fokus auf Europa

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