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STMicroelectronics übertrifft Prognose

»Das Automotive-Segment hat uns wirklich überrascht«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

GaN auch im Automotive-Segment?

Diese Effekte und die damit verbundene Nachfrage dürften in diesem Jahr befriedigt worden sein. Wenn die Pandemie im nächsten Jahr weiter wütet, kann man davon ausgehen, dass der Halbleitermarkt dann wieder stärker mit dem GDP korreliert und dementsprechend im nächsten Jahr ebenfalls unter Druck gerät?

Gute Frage – das weltweite GDP soll in diesem Jahr um 5 Prozent schrumpfen, der Halbleitermarkt soll um 2 bis 3 Prozent wachsen. Also sind die Entwicklungen in diesem Jahr aufgrund der eben beschriebenen Effekte voneinander entkoppelt. Die entscheidende Frage ist, wann sich die Entwicklungen wieder koppeln werden.

Heißt das, dass es derzeit noch überhaupt nicht klar ist, wie sich der Halbleitermarkt im nächsten Jahr entwickeln wird?

Wir haben eine gute Vorstellung von der nahen Zukunft. Für das gesamte Jahr? Wir treffen Entscheidungen, wir treiben das Unternehmen auf der Grundlage eines Plans voran, und wenn Anpassungen erforderlich sind, werden wir uns je nach Marktbedingungen anpassen. Wenn wir uns das nächste Mal sprechen, wissen wir, wie es wirklich weitergelaufen ist.

Die operative Marge der ADG beträgt weniger als ein Drittel der anderen Business Units, durchaus bedenklich …

Der Grund ist klar: Diese Gruppe war von der Pandemie am stärksten betroffen. Dafür gibt es mehrere Faktoren. Dazu zählt beispielsweise die Schließung unserer Fabrik in Shenzhen von Ende Januar bis Mitte Februar und die schrittweise Erholung ab Ende März. Darüber hinaus gab es Einschränkungen und geringere Aktivitäten in unseren Back-End-Werken in Malaysia und Marokko. Im zweiten Quartal kam dann noch ein Rückgang auf der Nachfrageseite bei unseren Automotive-Kunden hinzu. Das heißt, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt keine Waferfabs schließen mussten, hatten wir aber aufgrund von Unterauslastung und den damit verbundenen Ineffizienzen hohe Kosten.

Rechnet man dann noch den hohen Preisdruck auf Legacy-Produkte dazu, wird schnell klar, warum die ADG deutlich stärker von der Corona-Pandemie betroffen war als unsere anderen Business Units, AMS und MDG. In diesen Business Units zeigen sich im Gegensatz zur ADG der Boost-Effekt durch die hohe Nachfrage nach Elektronikgeräten für den persönlichen Gebrauch und der Boost-Effekt durch China.

Das schlechte Abschneiden der ADG hat also definitiv nichts damit zu tun, dass ST in dieser Business-Gruppe die meisten Produkte selbst fertigt?

Nein, absolut nicht. Ab einer „normalen“ Kapazitätsauslastung von 90 Prozent sind wir mit der Größe unserer Fabriken absolut konkurrenzfähig. Die Dynamiken der operativen Marge haben also definitiv nichts damit zu tun, ob wir Produkte intern fertigen oder extern fertigen lassen. Ganz ehrlich: Als CEO heutzutage bin ich wirklich froh darüber, dass wir über interne Fertigungskapazitäten verfügen.

Sie hatten vor Corona sehr ambitionierte Ziele im Bereich SiC geäußert. Hat sich daran durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie etwas geändert?

Nein. Wir sind in der Massenproduktion mit SiC-MOSFETs. Unser Umsatzziel für 2025 bei SiC liegt weiterhin bei 1 Mrd. Dollar. Wir gehen davon aus, dass das zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Prozent des Weltmarkts entsprechen wird. Wir sind da absolut in der Spur. Neben Tesla treiben wir insgesamt 68 Kundenprogramme im SiC-Bereich für Automotive und Industrieapplikationen voran. Wir diskutieren, was der Kunde für seine Applikation wirklich benötigt, danach finden wir die passende Lösung.

ST hat vor Kurzem mit der MasterGaN-Plattform GaN-FETs mit integriertem Treiber vorgestellt. Werden Sie GaN auch im Automotive-Segment anbieten?

Zuerst einmal verkürzt die MasterGaN-Plattform mit ihren integrierten Treibern die Time to Market für neue GaN-Entwicklungen deutlich. Für den Entwicklungsingenieur wird der Einsatz dieses Wide-Bandgap-Materials deutlich einfacher. Wir werden hier ein komplettes Spektrum an 650-V-GaN-FETs ausrollen, das aber vorerst Consumer- und Personal-Electronics-Anwendungen adressiert. Wir arbeiten aber bereits an einer Lösung für den Automotive-Bereich. Ich gehe davon aus, dass wir damit 2022 auf den Markt kommen werden.

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