Softwarequalität

Mit KI und Automatisierung

14. November 2022, 6:00 Uhr | Von Matt Klassen
Qualität lässt sich nicht nachrüsten. Auch bei Software muss sie im Entwicklungsprozess von Anfang an integriert werden. Dabei helfen Tools, die den kompletten Entwicklungsprozess abdecken
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Qualität lässt sich nicht nachrüsten. Auch bei Software muss sie im Entwicklungsprozess von Anfang an in die Arbeit integriert werden. Dabei können Tools helfen, die den kompletten Entwicklungsprozess abdecken – und dank KI und Automatisierung Softwareentwickler und -Tester entlasten.

Daten von Enterprise Management Associates zeigen, dass 20–30 % der Unternehmen in den Kategorien digitale Transformation, DevOps und Softwarequalität als führend gelten können. Zudem werden 25–45 % als Mainstream angesehen. Dann gibt es 35–40 % der Unternehmen, die als Nachzügler betrachtet werden können. Die gute Nachricht ist: Der Reifegrad in diesen Bereichen nimmt schnell zu. Die schlechte Nachricht ist: 60–80 % der Unternehmen müssen noch erhebliche Verbesserungen vornehmen. Die treibende Kraft für diesen Wandel heißt Wachstum: 70 % der Unternehmen gehen davon aus, dass die Anwendungsentwicklung zweistellige oder sogar dreistellige Wachstumsraten ermöglicht.

Drei wichtige Aspekte der Softwareentwicklung wirken sich auf den Fortschritt der digitalen Transformation aus:

  • Software und Softwareentwicklung sind entscheidend für die digitale Transformation. Das Kriterium für den Erfolg sind die Verbesserung der Softwarequalität bei gleichzeitiger Erfüllung der Kundenanforderungen und -erwartungen.
  • Die Art und Weise, wie wir Qualität definieren, ändert sich – oder besser gesagt, die Aspekte der Qualität, die wir für wichtiger halten. Steht das Kundenerlebnis im Vordergrund, reicht eine rein funktionale Anwendung nicht mehr aus. Dies zwingt Unternehmen zum Überdenken ihrer Definition von Qualität – und das müssen sie auch. Ein Lippenbekenntnis zur Benutzerfreundlichkeit ist nicht mehr akzeptabel.
  • Treiber für die digitale Transformation ist die Notwendigkeit, die Effizienz zu steigern und Produkte schneller und in besserer Qualität auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen muss in allen Aspekten der Software »schneller« werden – wodurch der Automatisierung von Tests und Qualitätsmaßnahmen eine tragende Rolle zukommt.

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Softwarequalität als Hürde

Die Kosten für Softwarefehler erhöhen sich, je weiter der SDLC (Software Development Life Cycle) fortschreitet
Bild 1. Die Kosten für Softwarefehler erhöhen sich, je weiter der SDLC (Software Development Life Cycle) fortschreitet.
© Parasoft

Nach wie vor stellt die Softwarequalität eine große Barriere für die digitale Trans- formation dar. Weder Automatisierung noch Prozessänderungen sind ohne Qualitätsverbesserung erfolgreich. Je später im Entwicklungsprozess (SDLC, Software Development Life Cycle) die Qualität zum Thema wird, desto höher ist das Risiko für die ausgelieferte Software (Bild 1).

Softwaretests sind ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung, aber es ist unmöglich, einem Produkt Qualität »einzutesten«. Das Testen legt nur die Qualität der Software offen. Erfolgt das Testen erst am Ende der Produktentwicklung oder am Ende eines CI/CD-Prozesses, dann ist es einfach zu spät, um die Qualität ohne Verzögerungen und zusätzliche Kosten wesentlich zu beeinflussen. Darum müssen Softwaretests in den gesamten Lebenszyklus von Software integriert werden.

Testautomatisierung und Softwarequalität

Für führende Unternehmen bei der digitalen Transformation beinhaltet Softwarequalität mehr als für die Nachzügler. Ihnen ist klar, dass Qualität mehr ist als die Überprüfung, ob eine neue Funktion funktioniert. Sie haben erkannt, dass Sicherheit, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Leistung wichtige Aspekte der Qualität sind. Als Folge planen sie Qualität und bauen sie in ihre Software ein. Ebenso wichtig ist es, dass führende Softwareentwickler sich immer damit beschäftigen, wie sie die Praktiken und für sie geeigneten Tools skalieren und optimieren können. Sie sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, manuelle Prozesse zu automatisieren und um ihre Entwicklungskultur um erlernte Best Practices zu erweitern.

Je weiter Unternehmen auf ihrem Weg zur Qualitätsverbesserung voranschreiten, desto klarer erkennen sie, dass die Verwaltung eines einzelnen Tools für jede Stelle der Automatisierung zu aufwendig ist. Sie interessieren sich für Tools, die verschiedene Praktiken über den Lebenszyklus von Software hinweg abdecken. Für die Testautomatisierung suchen sie nach Tools, die beispielsweise Unit-, API- und UI-Tests umfassen. Zudem halten sie Ausblick nach Integrationen mit DevOps-Orchestrierungstools und Feature-/Issue-Tracking-Systemen.

Tools und Automatisierung schaffen eine Fülle von Daten, und ein Plattformansatz ermöglicht eine besser integrierte Datenerfassung und -analyse. Einblicke in den Prozess und den Fortschritt bilden den Schlüssel zur Verwaltung einer DevOps-Pipeline. Softwareentwicklung ist ein komplexer Teamsport, der sich ohne datengestützte Entscheidungen nur schwer steuern lässt.

»Shift Left« braucht mehr als nur Tools

Das Ziel der meisten Entwicklungsgruppen ist es, Praktiken wie das Testen früher in den Softwareentwicklungszyklus zu integrieren. Allerdings gibt es Grenzen dafür, wie viel zusätzliche Arbeit und Verantwortung auf die Entwickler geschoben werden kann. Die Vorverlegung (Shift Left) verlangt nach einfachen, integrierten und automatisierten Tools, die als natürliche Erweiterung der normalen Arbeitsabläufe den Entwicklern die Arbeit erleichtern. Ebenso wichtig für die Shift-Left-Umsetzung ist eine auf Qualität ausgerichtete Firmenkultur. Die Transformation muss aus der Perspektive der Unternehmenskultur betrachtet werden.

Bei der Softwareentwicklung handelt es sich um eine teambasierte Tätigkeit, und jeder im Team muss sich die Qualität zu eigen machen. Allerdings reicht das im Allgemeinen nicht aus, um die nächste Ebene der Softwareentwicklungsreife zu erreichen. Führende Unternehmen der Branche integrieren einen anderen Mix an Fachgebieten in ihr Entwicklungsteam, damit diesem die richtigen Experten angehören, deren Schwerpunkt auf Qualität und Tests liegt. Die Zeiten, in denen die Entwickler die Software dem QS-Team überlassen haben, sind längst vorbei. Um voranzukommen, müssen Softwareteams heute Spezialgebiete wie Testen, Sicherheit und Benutzererfahrung in ein integriertes Team einbringen.


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