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100 Tage erster Vorsitzender der SGET

»Ich möchte meine Ideen einbringen«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Herausforderungen für Entwickler

Die SGET kann nicht nur Hardware, so wurde ebenfalls der Software-Standard »Universal IoT Connector« (UIC) geschaffen. Mit ihm lassen sich Daten zwischen Embedded-Geräten und Clouds über MQTT oder XRCE austauschen. Wie funktioniert UIC und gibt es bald ein Update?

Mit UIC möchten wir zeigen, wie Dateninteroperabilität funktioniert. Er wurde auf einer breiten Basis aufgesetzt und ist der erste Software-Standard der SGET. Es gibt drei Parameter, die wir aneinanderbinden müssen: auf unterster Ebene die Hardware, ganz oben die Cloud und dazwischen die nötige Konfiguration, lokal oder per Remote-Zugriff. Das ist uns über das Embedded-Driver-Modul, den Abstraktionslayer und den Cloud-Konnektor gelungen – hiermit verbinden wir zwei Welten, stellen also eine klassische Middleware bereit.

Die Entwicklung von UIC begann im Jahr 2017, eine erste Version wurde schließlich auf der embedded world 2018 vorgestellt: Ausgangslage für UIC war die Erkenntnis von Mitgliedsfirmen, dass es einen offenen Standard braucht. Bis dato waren Embedded-Firmen massiv mit der Entwicklung eigener »Standards« beschäftigt, da bis zu dem Zeitpunkt jeder selbst für das Anbinden von beispielsweise Azure über MQTT an seine Hardware interessiert war – mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Und jedes Unternehmen wollte sein eigenes IoT-Modell durchboxen, der Austausch innerhalb der SDT war sehr intensiv. Umso schöner ist es, dass UIC im Jahr 2018 fertiggestellt wurde und mittlerweile eine Reife entwickelt hat, die erst einmal kein Update benötigt.

Welchen Herausforderungen müssen sich Entwickler derzeit stellen?

Ein großes Thema derzeit ist der Kostendruck – früher waren die Freiheitsgrade bei Weitem höher. So müssen Entwickler heute auf Building-Blocks zurückgreifen. Miniaturisierung ist ein weiteres wichtiges Thema sowie Maßnahmen zum Energiesparen – das sind drei Dinge, die Entwickler derzeit umtreibt. Graduell gibt es Unterschiede, die Punkte treffen nicht alle Entwickler gleichermaßen. Jedoch sind das drei Trends, die sich wie ein roter Faden durch die meisten Bereiche ziehen. Alle drei greifen wir mit unseren Standards auf: SMARC ist sehr energiesparend, Qseven sehr kostensparend und OSM vereint im Prinzip alle Vorteile.

Kann man diese drei Trends auf die gesamte Branche projizieren?

Verallgemeinern kann man die Trends nicht. Es gibt immer Applikationen, die sehr leistungsintensiv sind und entsprechend aufwendige Kühlung benötigen oder Branchen, in denen der Platzbedarf egal ist, zum Beispiel in Kraftwerken. Kostendruck ist ein Trend, den derzeit viele Unternehmen verspüren, Miniaturisierung hingegen benötigen nicht alle Branchen. Wenn es jedoch um die Entwicklung eines Automobils, eines E-Rollers oder von Wearables geht, dann spielen die Faktoren Miniaturisierung, Energieverbrauch und Kosten eine wesentliche Rolle.

Was halten Sie vom Trend-Thema »Nachhaltigkeit«?

Hier tut sich einiges – zum Beispiel gibt es schon seit längerem die RoHS-Richtlinien, die sich der Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten widmen. Und damit auch der Wiederverwertbarkeit bzw. Entsorgung. Das wird vor allem dann wichtig, wenn die Mengen steigen und noch mehr Elektronik zum Einsatz kommt. Hierauf haben wir mit unseren Standards nur begrenzt Einfluss. Ausschließlich in dem Maß, dem wir mit Modularität nachkommen. So wird nicht gleich ein ganzes Board vernichtet, sondern lediglich ein kleines Teil ausgetauscht. Hier schließt sich der Kreis der Standardisierung: So kann ich von Hersteller A auf Hersteller B wechseln, ganz ohne Nachteile. Eventuell ist die Software anzupassen, jedoch nicht das ganze Projekt neu aufzusetzen. Anders sieht es mit dem Energieverbrauch aus: Hier liefern SMARC, Qseven und OSM gute Beispiele für Low-Power SOMs. Insgesamt ist das Thema jedoch nichts, das eine Firma allein stemmen kann, sondern liegt in der Gesamtverantwortung aller – dem müssen wir uns alle jeden Tag bewusst sein.

Vielen Dank für das interessante Gespräch Herr Hein.

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