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Neue Geschäftsstrategie

AIoT treibt Edge-Computing voran

20. April 2020, 09:11 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

AIoT treibt Edge-Computing voran
© Tobias Schlichtmeier | WEKA Fachmedien

In der Firmenzentrale in Linkou, Taipeh, präsentierte Advantech seine neue Geschäftsstrategie.

Die Embedded-Branche setzt zunehmend auf hardwarenahe Dienstleistungen. Das zeigt sich in den Technologietrends für 2020. Auch Advantech, Spezialist für Industrie-PCs mit Sitz in Taiwan, investiert in den Umbruch.

Das Internet of Things (IoT) und künstliche Intelligenz (KI) – zwei Schlagwörter, die nicht nur in Asien angesagt sind. Immer mehr verschmelzen die Grenzen von Hardware und Software. Advantech, in der Vergangenheit vor allem als Anbieter von Industrie-PCs bekannt, setzt in Zukunft auf Komplettlösungen. IoT-Anwendungen werden immer intelligenter, das sogenannte AIoT (Artificial Internet of Things) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Was heißt das für einen Hardware-Hersteller wie Advantech? Firmengründer K.C. Liu und seine Mitarbeiter präsentierten die neue Strategie im Dezember auf dem Campus in Linkou, Taipeh, und erklärten was dahinter steckt.

Miller Chang
© Advantech

Bild 1. Embedded IoT President Miller Chang erläutert, wie Advantech seine Chancen bei der Digitalisierung nutzen will.

Chancen nutzen

Embedded-IoT President Miller Chang (Bild 1) sieht viele Chancen für sein Unternehmen in der digitalen Zukunft: von 5G über die Kombination aus KI- und IoT-Produkten über Abonnements von Cloud-Anwendungen. Als Herausforderungen bei der Transformation zum digitalisierten Unternehmen sieht Chang unter anderem geopolitische Risiken, Lieferkettenschwierigkeiten sowie den Wandel von Produktionsketten.

Der Fokus der Embedded-IoT-Sparte des Unternehmens liegt im Jahr 2020 bei Design-in-Services im Embedded-Bereich, KI-Anwendungen am Edge sowie auf Dienstleistungen für Embedded-Software. Im Em­bedded-Sektor setzt der  Hardwarehersteller auf neueste Schnittstellen-Standards wie COM-HPC, UTX, MI/O Extension sowie UIO-40 Express. Mit Wireless-Anwendungen will Advantech seinen Kunden außerdem verstärkt vernetzte Produkte liefern. Das kann zum Beispiel für die Bereiche Medizin, Transport­wesen, Brückenbau und Logistik sinnvoll sein.

Bei den Softwareservices setzt das Unternehmen aus Taiwan vor allem auf »WISE-Paas« (Platform as a Service). Laut Chang bietet die Plattform Kunden ein Rundumpaket für IoT-Anwendungen an, ab 2020 sogar auf eigenen Private oder Public Clouds. Für Kunden in der EU wird ein eigener Server für Cloud-Anwendungen eingerichtet. Ergänzend zu WISE-Paas entwickelt Advantech seine DeviceOn-Anwendung stetig weiter. Mit DeviceOn ermöglicht Advantech seinen Kunden ein umfassendes Geräte- und Datenmanagement. Die Anwendung läuft auf WISE-PaaS, Cloud-Plattformen von Drittanbietern oder alternativen Infrastrukturen wie On-Premise-Servern. Um kundenspezifische Projekte umzusetzen, setzt Advantech auf Entwicklungsteams in Nordamerika, Europa, China, Taiwan und Japan. Gerade in Europa wird weiter in den Ausbau der bestehenden Infrastruktur investiert.

Intelligenz am Edge stärken

Ein wichtiger Treiber ist das AIoT – dazu braucht es starke Edge-Computer. Advantech schätzt das Potenzial des Markts an intelligenten Edge-Geräten auf neun Millarden US-Dollar im Jahr 2024. Steen Graham, General Manager IoT Ecosystem & Channels bei Intel, sieht folgende Treiber für die Intelligenz am Netzwerkrand: geringe Latenzzeiten, Bandbreite, Datensicherheit sowie Vernetzung. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner werden im Jahr 2025 75 Prozent der Unternehmensdaten außerhalb eines zentralen Datenzentrums oder einer Cloud erzeugt. Außerdem sollen im Jahr 2023 gut 43 Prozent der KI-Aufgaben auf Edge-Geräten ausgeführt werden, so eine Studie von ABI Research. Das unterstreicht die Wichtigkeit von Edge-Computing für die Zukunft.

Steen Graham
© Tobias Schlichtmeier | WEKA Fachmedien

Steen Graham, General Manager IoT Ecosystem & Channels bei Intel, sieht einen hohen Stellenwert von Deep Learning am Edge.

Graham berichtet diesbezüglich vom Stellenwert von Deep Learning (DL) am Netzwerkrand (Bild 2). Intel stellt dafür in Zusammenarbeit mit den Taiwanern die DL-Toolbox OpenVino bereit. Mit ihr können Kunden ihre KI-Anwendungen programmieren. Einsatz findet die Toolbox mittlerweile zum Beispiel im Transportwesen, Smart Banking oder in der medizinischen Diagnose. Intel wird für die Anwendungen 2020 mit einer neuen Movidius Graphics Processing Unit (GPU) aufwarten. Sie soll unter anderem eine größere Speicher-Bandbreite bieten.

Neben der GPU von Intel bringt Advantech verschiedene Beschleunigerkarten der VEGA-Board-Serie sowie Edge-Computer wie die DIN-Rail-Serie AIR-101 oder die Rugged-Serie AIR-200 auf den Markt. Außerdem gibt es mit dem Release 3 der OpenVino-Software neue Funktionen für den Anwender. So wird ab 2020 zur automatischen Gesichtserkennung für OpenVino ebenso die sogenannte »FaceView I.App« zur Verfügung gestellt. Sie gewährleistet unter anderem eine Identifikation in Echtzeit sowie Analysen zu Kundengewohnheiten.

Ebenfalls seine Kompetenz in Gesichtserkennung stellt Cyberlink für Advantechs Produkte mit der »FaceMe«-Plattform unter Beweis. Dr. Jau Huang, Chairman und CEO von Cyberlink, erläutert die Einsatzbereiche: smarter Einzelhandel, Sicherheit und Überwachung, Zugangskontrollen sowie Point-of-Sales-Systeme (POS). Ebenso will Cyberlink in Zukunft smarte Kiosk­systeme mit FaceMe ausstatten. Mit FaceMe sollen personalisierte Angebote und Authentifizierungen ausführbar sein. Ein weiterer Anwendungsfall für die automatische Gesichtserkennung ist die Medikamentenausgabe in Apotheken, bei der Fingerabdrucksensoren nicht genügend Sicherheit gewährleisten.

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2. Aktuelle Technik kombiniert mit Software-Dienstleistungen

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