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Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics

»Japanisches Unternehmen mit deutscher Ingenieurs-DNA«

25. September 2020, 09:44 Uhr   |  Engelbert Hopf

»Japanisches Unternehmen mit deutscher Ingenieurs-DNA«
© WEKA FACHMEDIEN

Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics (links im Bild): »Für uns ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem großen Partner wie TE Connectivity der beste Weg, um neue Steckerverbinder-Standards am Markt zu etablieren.«

Yamaichi Electronics erweitert mit der neuen Fertigungsstätte nicht nur seine Produktionskapazitäten in Frankfurt/Oder auf 7500 m2. Helge Puhlmann, European President von Yamaichi Electronics, sieht das Unternehmen auch bestens für neue Marktchancen bei E-Mobility und autonomem Fahren gerüstet.

Markt&Technik: Herr Puhlmann, Covid-19 beeinträchtigt seit Februar das globale Wirtschaftsgeschehen. Wie sehr hat die Pandemie bislang auf Ihre Geschäftsentwicklung im Bereich Verbindungstechnik Einfluss genommen?

Helge Puhlmann: Unser Geschäftsjahr beginnt ja im April. Die Phase des Lockdowns im April, Mai war für die Geschäftsentwicklung katastrophal. Trotzdem haben wir keine Kurzarbeit angemeldet. Wir sind sozusagen mit einem blauen Auge davongekommen! Das liegt auch daran, dass die Geschäftsentwicklung im Maschinenbau schon 2019 verhalten war. So wurden etwa wenige Zerspanungsmaschinen verkauft. Andererseits verkaufte beispielsweise einer unserer größten Kunden schlüsselfertige Batteriefertigungsanlagen. Aus diesem Grund lag unser Rückgang gegenüber dem Vorjahr seit April im einstelligen Bereich.

Wie sehen nach den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie in diesem Jahr Ihre wirtschaftlichen Erwartungen für 2021 aus? Rechnen Sie mit Nachholeffekten?

Ich bin da ganz positiv gestimmt, auch wenn ich nicht unbedingt an Nachholeffekte glaube. Aus unserer Sicht entwickelt sich die Medizintechnik sehr gut. Auch das Thema Automobil sehe ich für die Zukunft weiterhin positiv. In der Premiumklasse laufen in Deutschland fast 70 Prozent aller Fahrzeuge von Audi, BMW oder Mercedes über Leasing. Läuft der Leasing-Vertrag aus, werden neue Fahrzeuge geordert, daran dürfte sich nichts ändern.

Yamaichi Electronics ist mit seinen verbindungstechnischen Lösungen in wichtigen Bereichen der Elektronikindustrie präsent. Nehmen Sie, bedingt durch die Corona-Pandemie, Verzögerungen bei geplanten Neuentwicklungen Ihrer Kunden wahr?

Das hängt vom jeweiligen Umgang mit der Situation ab und davon, was getan wird, um die Funktionalität eines Unternehmens weiter sicherzustellen. Ich registriere aber durchaus, dass die Dynamik vielerorts nachgelassen hat. Abstimmungsprozesse sind wesentlich aufwändiger geworden, wenn sich große Teile der Beschäftigten im Homeoffice befinden. Das lässt sich sicher für einen absehbaren Zeitraum überbrücken, aber je länger es dauert, desto deutlicher treten dann auch die Nachteile zutage. Gleichzeitig hat die Pandemie aber auch ganz neue arbeitsorganisatorische Entwicklungen angestoßen. In Japan gab es beispielsweise bis April dieses Jahres kein Homeoffice. Anfang September hatten wir nun unser erstes virtuelles, weltweites Management Meeting. Die Dinge ändern sich also.

Durch den Lockdown, aber auch durch strukturelle Probleme kam die deutsche Automobilindustrie im 2. Quartal massiv unter Druck. Wie haben Sie diese Situation wahrgenommen?

In diesem Zusammenhang stellt Corona für mich nur einen temporären Effekt dar. Die Automobilbranche leidet vor allem unter dem sich vollziehenden Systemwandel. Am Übergang vom klassischen Verbrennungsmotor zur Elektromobilität vollzieht die Branche derzeit einen Schwenk, ohne genau zu wissen, wo es hingeht. Es gibt ja durchaus Alternativen zu rein batteriegetriebenen Fahrzeugen. Dieser Systemwechsel hat die Unternehmen schlicht überrannt. Im Gegensatz zu Newcomern decken sie die gesamte Produktpalette ab und bieten nicht nur ein, zwei Fahrzeugtypen an. Wenn einige der deutschen Hersteller nun sagen, sie wollen in wenigen Jahren 50 Prozent ihres Umsatzes mit Hybrid-Fahrzeugen erzielen, ist das für mich schon eine sehr engagierte Aussage.

Sie haben in der Vergangenheit immer wieder den ausgedünnten deutschen Fachkräftemarkt thematisiert. Hat sich hier aus Ihrer Sicht zuletzt etwas verändert?

Unsere Situation hat sich da in den letzten Jahren verbessert, das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir selbst verstärkt in das Thema Ausbildung eingestiegen sind. So bilden wir inzwischen pro Jahr drei bis vier Produktdesigner aus. Wir haben auch unser Engagement im Bereich duales Studium ausgebaut. Konkret haben wir unsere Bemühungen in diese Richtung seit 2016/17 spürbar verstärkt. Vor allem im Bereich Entwicklung und Labor hat sich das für uns ausgezahlt. Aktuell arbeiten in diesen beiden Bereichen für uns in Deutschland und Tunesien fast 100 Mitarbeiter.

Sie haben in der Vergangenheit erfolgreich auf Kooperationen gesetzt, wenn es um die Standardisierung neuer Steckverbinder-Typen ging. Setzen Sie auch in Zukunft auf diese Strategie?

Aus unserer Sicht hat das in der Vergangenheit gut beim Thema MicroTCA funktioniert, und es funktioniert aktuell gut beim Thema M12-Push-Pull-Steckverbinder. TE Connectivity ist dafür aus unserer Sicht der ideale Partner. Wir haben da volles Vertrauen. Auf der Entscheider-Ebene kennen wir uns persönlich seit vielen Jahren. Es ist eine klare Win-Win-Situation für beide Seiten, die beiden Unternehmen eine klar überschaubare Time to Market für ihre Produktpläne gewährleistet. Yamaichi Electronics ist im Vergleich zu TE Connectivity ein vergleichsweise kleines, sehr technologielastiges Unternehmen. Sollten sich in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen, würden wir wieder die Zusammenarbeit mit TE Connectivity suchen.

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