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Interview

Welche Bedeutung hat der neue Standard für M12-Steckverbinder?

04. August 2020, 09:08 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

Welche Bedeutung hat der neue Standard für M12-Steckverbinder?
© Yamaichi Electronics Deutschland

Manuela Gutmann, Yamaichi Electronics Deutschland: »Wie viele der heutigen M12-Schraubanwendungen auf Push-Pull umgestellt werden, muss sich natürlich noch zeigen. Das branchenübergreifende Interesse ist jedoch enorm groß.«

Standardisierung kann auch schnell gehen! Der M12-Push-Pull-Steckverbinder von Yamaichi Electronics gilt seit kurzem als internationaler Standard. Manuela Gutmann, Division Managerin Connector Solutions, spricht über den Erfolg, die Konkurrenz und das große Marktpotenzial des neuen Steckers.

Markt&Technik: Was gab für Ihr Unternehmen den Ausschlag, einen M12-Steckverbinder mit Push-Pull-Verriegelung zu entwickeln?

Manuela Gutmann: Wir beschäftigen uns bereits seit einigen Jahren mit dem Schnellverriegelungssystem „Push-Pull“, das wir in unseren Rundsteckverbindern der Serie „Y-Circ P“ einsetzen. Im Zuge unserer internen Entwicklungsarbeit hatten wir dann die Idee, dieses Push-Pull-System mit seinen Vorteilen in Hinblick auf Handling, schneller Verriegelung und geringem Platzbedarf auch in einen M12-Steckverbinder zu integrieren. Wir haben diese Idee anschließend ersten Kunden vorgestellt, die das neue Design mit großer Begeisterung aufgenommen haben.

Was ist das Besondere am M12-Push-Pull-Steckverbinder?

Der größte Vorteil gegenüber dem M12 mit Schraubverriegelung ist natürlich die hohe Zeitersparnis beim Verriegeln von bis zu 80 Prozent und dass die Überprüfung des Anzugdrehmoments mittels Drehmomentschlüssel entfällt. Trotzdem bleibt das System rückwärtskompatibel.Grundsätzlich sprechen wir bei unserem System von einem sogenannten „Inner Push-Pull“. Inner Push-Pull bietet die Möglichkeit, dass die Gerätebuchse in das Gerät vollständig integriert und bündig versenkt werden kann.

M12-Push-Pull-Steckverbinder
© Yamaichi Electronics

Der offizielle Start der Normierung für IEC 61076-2-012 erfolgte im Dezember 2018. Vor einigen Tagen hat die IEC CO (International Electrotechnical Commission) den internationalen Standard IEC 61076-2-012: 2020 veröffentlicht.

Ein wichtiges Merkmal bei unserem Design ist, dass die drei Rasthaken des Kabelsteckers besonders tief im Inneren der Buchse verriegeln. Das M12-Gewinde der Buchse ist dazu an drei Stellen segmentiert, sodass die Rasthaken sicher geführt eintauchen und dann verriegeln können. Diese tiefe Verankerung macht das System sehr stabil, besonders im Hinblick auf Torsions- und Rotationsbelastung. Die Kontakte bleiben dabei weitestgehend kraftfrei und geschützt. Dies ist vor allem bei gewinkelten Steckern wichtig oder weil Anwender es zum Teil gewöhnt sind, an M12-Steckverbindern zu schrauben und somit Drehmoment aufzubringen.

Sie haben sich recht schnell dazu entschlossen, diesen Steckverbinder in die Normung zu führen. Warum halten Sie diesen Schritt für richtig und wichtig?

Bei den weit verbreiteten M12-Steckverbindern handelt es sich ja generell um eine Erfolgsgeschichte. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich, dass das System international standardisiert ist – und damit für die Anwender herstellerübergreifend kompatibel und weltweit verfügbar ist. Deshalb war für uns schnell klar, dass auch die Push-Pull-Lösung standardisiert werden muss, um sie am breiten Markt zu etablieren. Dies wurde uns auch von unseren Kunden klar signalisiert.

Um eine schnelle Marktakzeptanz zu erreichen, hat Ihr Unternehmen auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem viel größeren Unternehmen TE Connectivity geschlossen.

Wir wollten das Thema Push-Pull voranbringen. Für die Marktakzeptanz ist es wichtig, zügig ein gewisses Portfolio aufzubauen, das man den Anwendern zur Verfügung stellen kann. In einer Zweier-Kooperation kann man an dieser Stelle sehr schnell und flexibel agieren, da die Abstimmungen sehr effizient verlaufen können. TE und Yamaichi kennen sich bereits aus früheren Gesprächen – somit lag es nahe, hier den Kontakt zu forcieren und dann auch zu einer Kooperation zu kommen.

Im Sommer ist nun der entscheidende Schritt bei der Normung erfolgt. Haben Anbieter und Kunden jetzt bereits Planungssicherheit?

Ja, das von uns eingebrachte System ist unter der IEC 61076-2-012 standardisiert. Alle Standardisierungsaktivitäten zum „Inner Push-Pull“ sind abgeschlossen. Und vor einigen Tagen hat die IEC CO (International Electrotechnical Commission) den internationalen Standard IEC 61076-2-012: 2020 veröffentlicht. Der Anwender hat also jetzt die endgültige Sicherheit für die Implementierung des Systems.

Grundsätzlich verläuft eine internationale Standardisierung in mehreren Stufen. In allen vorgelagerten Stufen, zum Beispiel CD-V (Commission Draft for Voting), wird über entsprechende Kommentierungen der Normvorschlag sukzessive ausdetailliert und international abgestimmt. Über diese Kommentierungen werden auch technische Änderungen eingebracht – in diesen Phasen sind die technischen Details noch nicht fixiert.

Betrachten Sie die Standardisierung – vor allem auch in dieser Geschwindigkeit – als Erfolgsgeschichte? Oftmals vergehen ja einige Jahre, bevor eine Norm verabschiedet ist.

Unser offizieller Start der Normierung für die IEC 61076-2-012 war im Dezember 2018. Jetzt, im Sommer 2020, haben wir bereits den finalen Standard vorliegen – mit dieser schnellen Durchlaufzeit sind wir jedenfalls sehr zufrieden.

Vor Kurzem haben die Firmen Harting, Phoenix Contact, Molex, Murrelektronik, Binder, Conec, Escha und Weidmüller bekannt gegeben, dass sie sich zusammenschließen, um gemeinsam einen M12-Push-Pull-Standard zu unterstützen, allerdings den Vorschlag IEC 61076-2-010. Steht dieser in direkter Konkurrenz zu Ihrem Standard?

Nur zum Teil. Die von Ihnen angesprochene IEC 61076-2-010 ist seit mehreren Jahren in Arbeit. Der eigentliche Fokus war damals der sogenannte „Outer Push-Pull“, also das System, bei dem die Kabelseite außen über die Geräteseite verrastet. Hier gibt es seit Jahren verschiedene Systeme, die nicht kompatibel zueinander sind und letztendlich in einer Norm zusammengefasst werden sollen. Dieser Normvorschlag befindet sich aktuell in der Phase CD-V. Er wurde dann kurzfristig erweitert und umfasst nun auch ein „Inner Push-Pull“-System – dieses steht in der Tat in direkter Konkurrenz zu unserem System.

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1. Welche Bedeutung hat der neue Standard für M12-Steckverbinder?
2. Interview-Fortsetzung: Marktpotenzial und Applikationen

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