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Automatisiertes Fahren braucht auch Unfallforschung

Unfallforschung wird auch für das autonome Fahren eine wichtige Rolle spielen.
Unfallforschung wird auch für das autonome Fahren eine wichtige Rolle spielen.
© Benoist | Shutterstock

Während die Automobilindustrie mit Hochdruck am automatisiertem Fahren arbeitet, ist der Endverbraucher noch skeptisch und durch den tödlichen Unfall, der kürzlich durch ein Uber-Fahrzeug verursacht wurde, auch verunsichert. Daher ist die Unfallforschung äußerst wichtig, wie die crash.tech zeigte.

160 Experten aus Fahrzeugindustrie und Forschung, von Versicherungen und Behörden diskutierten auf der crash.tech zwei Tage lang über Wege zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. »Wir müssen den Endverbraucher schrittweise an das automatisierte Fahren heranführen«, erläuterte beispielsweise Udo Steininger von TÜV Süd. Nur dann werde die neue Technik akzeptiert und ließe sich ihr Sicherheitsgewinn realisieren. Er plädierte außerdem für intensives virtuelles Testen vor Einführung der Systeme und betonte: »Darüber hinaus müssen wir dem Gesetzgeber und der Öffentlichkeit zeigen, dass sich die erwarteten Sicherheitsgewinne in der Realität dann auch tatsächlich einstellen.«

Etliche Redner bedauerten, dass der Rückgang von Unfällen und Todesopfern im Verkehr in Europa stagniere, wie Prof. Dr. Lothar Wech von der Technischen Hochschule Ingolstadt, der andererseits auf das über den technischen Fortschritt Erreichte verwies. Eine weitere Verbesserung der Verkehrssicherheit brauche aber das assistierte und automatisierte Fahren. »Wichtig sind jedoch nicht nur technische Maßnahmen am Fahrzeug. Wir müssen den Menschen und die Infrastruktur einbeziehen«, sagte der Tagungsleiter. Ungeschützten Verkehrsteilnehmern gebührten wegen der relativ hohen Unfallzahlen erhöhte Anstrengungen. Bei weiteren Maßnahmen für mehr Fahrzeugsicherheit sei auch der demografische Wandel zu berücksichtigen.

Den besonderen Herausforderungen durch eine zunehmend älter werdende Bevölkerung widmeten sich auch andere Vorträge. Jeder dritte Unfalltote ist über 65 Jahre alt, wobei die Altersgruppe nur zehn Prozent des Verkehrsgeschehens bestreitet. Besonders besorgniserregend ist dabei der Anteil der über 75-jährigen unter den getöteten Nutzern von Pedelecs. Er lag 2017 in Deutschland bei 69 Prozent. Speziell an ältere Menschen angepasste Fahrerassistenz- und Rückhaltesysteme können nach Ansicht von Tagungsteilnehmern helfen, dem gestiegenen Gefahrenpotenzial zu begegnen.

Überhaupt sind noch viele technische Verbesserungen jenseits des automatisierten Fahrens möglich. So wurde das frühzeitige Zünden von Gurtstraffern und Airbags noch vor dem Aufprall gezeigt. Dieses System erkennt dazu zuverlässig, dass ein Unfall nicht mehr zu verhindern ist. Und der zunehmenden Schwere von Lkw-Unfällen könne mit verbesserten automatischen Notbremssystemen, Spurhalte- und Kreuzungsassistenten ebenso begegnet werden, wie mit einem optimierten Unterfahrschutz. Mehrere Referenten forderten zudem, dass die Abschaltung der automatischen Bremse durch die Fahrer nicht mehr möglich sein solle.

 


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