Schwerpunkte

Stand der Mensch-Roboter-Kollaboration

MRK – noch in der Lernphase

21. September 2020, 09:29 Uhr   |  Andreas Knoll

MRK – noch in der Lernphase
© Kuka

Mensch und Maschine arbeiten zusammen: Jetzt muss MRK bei Neuanlagen schon in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Sieben Jahre ist es her, dass Kuka seinen ersten serienmäßigen sensitiven Leichtbauroboter – kurz: Cobot – präsentierte. Auf der Hannover Messe 2018 zeigte das Augsburger Unternehmen den Cobot-Prototypen »LBR iisy« als kleineren Bruder des »LBR iiwa«. Marktreife erlangte der LBR iisy noch nicht.

Der Markt für MRK-fähige Roboter (MRK: Mensch-Roboter-Kollaboration) befindet sich weiterhin in einer Aufbau- und Lernphase, ist sehr dynamisch und zeichnet sich durch eine hohe Fluktuation der Marktteilnehmer aus.

Roboterhersteller wie Kuka haben den Fokus bisher darauf gelegt, Mensch und Maschinen in Bestandsanlagen zusammenarbeiten zu lassen und so Vertrauen zu gewinnen. Jetzt aber ist es an der Zeit, die Mensch-Roboter-Kollaboration bei Neuanlagen schon in der Planungsphase zu berücksichtigen. »Prozesse müssen neu gedacht werden, wenn sich Roboter und Menschen einen Arbeitsraum teilen. Ein solches Umdenken war schon immer dann gefordert, wenn neue Technologien verfügbar waren«, sagt Elmar Schauppel, Business Development Manager Human Robot Collaboration bei Kuka. »Wenn es heutzutage um Cobots geht, ist das Thema Bedienbarkeit ein zentraler Faktor. Nur wenn Menschen Technologien problemlos anwenden können, wächst die Akzeptanz. Das schafft Vertrauen, und die Einsatzbereiche für die neuen Technologien wachsen.«

Hier schließt sich der Kreis zu neuen Cobot-Modellen wie dem LBR iisy. »Roboter sind Gesamtsysteme aus Hard- und Software. Bei kollaborativen Robotern spielt die Flexibilität eine noch größere Rolle als bei klassischen Industrierobotern«, erläutert Schauppel. Der Markt verlangt laut Kuka überzeugende „Easy to use“-Konzepte, die es jedem industriellen Anwender ermöglichen, zu automatisieren. Das sei auch der Grund, warum der vor zwei Jahren präsentierte Prototyp noch nicht bis zur Marktreife entwickelt wurde. »Wir verfolgen das Ziel, alle Kuka-Produkte mit der gleichen Bedienoberfläche auszustatten – sei es ein Cobot oder eine unserer mobilen Plattformen. Das geht nur, wenn Hardware und Software harmonieren und ein Gesamtsystem bilden«, sagt Michael Otto, Chief Sales Officer der Robotik-Sparte von Kuka und oberster Vertriebsverantwortlicher. »Unsere Erfahrung zeigt: Erst mit diesem Gesamtsystem hat ein breiter Marktansatz für kollaborative Roboter Sinn. Wir wollen unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre aus der Mensch-Roboter-Kollaboration und der Industrierobotik kombinieren.«
 

Kuka
© Kuka

Immer häufiger anzutreffen: MRK-fähige Roboter in der Automobilindustrie

Das Marktsegment ist noch nicht vollkommen entwickelt und etabliert. Um das gesamte Potenzial kollaborativer Roboter ausschöpfen und sie insofern sinnvoll und kostengünstig einsetzen zu können, gilt es, völlig neue Anwendungen und Arbeitsweisen zu kreieren. Der LBR iiwa kommt bisher vorwiegend in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern zum Einsatz. Eine der neuesten Lösungen auf Roboter-Basis: Der LBR iiwa misst mit seinen sensitiven Fähigkeiten Spaltmaße und Bündigkeit von Karosseriebauteilen wie beispielsweise zwischen Heckklappe und Seitenwand oder Frontscheinwerfer und Motorhaube. Zeitgleich führt der Werker weitere Qualitätstests an der Karosserie durch. Automatisierung in der Endmontage ist ein neues Feld. Bisher kommt es noch nicht oft vor, dass sich Mensch und Roboter einen Arbeitsplatz entlang der Fließmontage teilen.

Aber auch neue Märkte abseits der Autoindustrie öffnen sich. Und gerade sie verlangen einfach zu bedienende Technologien. »Essenziell für den Einsatz in neuen Märkten, die noch nicht hochautomatisiert sind, ist, dass der Anwender seine geplante Applikation so einfach wie möglich erstellen kann«, führt Schauppel aus. »Er soll sich so wenig wie möglich darum kümmern müssen, was unter der Oberfläche geschieht. MRK ist für uns einer von vielen Bausteinen, die eine einfache Bedienung des Roboters ermöglichen.« Das Thema Sicherheit wird nach wie vor sehr hoch gewichtet, wenn es um MRK geht. Eine enge Zusammenarbeit etwa mit Herstellern von Greifern trägt dazu bei, die Sicherheit für das Gesamtsystem zu gewährleisten. »Wir nutzen unser Systempartner-Netzwerk, gute Partnerschaften sind essenziell«, betont Otto. »Zudem engagieren wir uns in strategischen Allianzen wie der Open Industry 4.0 Alliance, um mit anderen Industrieunternehmen an einem Strang zu ziehen.«

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