Fun Facts zum ISS-Betrieb

Wussten Sie, dass ...?

29. September 2021, 7:52 Uhr | dpa ha

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Wie man im Weltall ertrinkt - und woran Sie einen Astronauten erkennen

Wussten Sie, dass schon mal fast ein Mensch im Weltall ertrunken ist? Bei einem Außeneinsatz des Italieners Luca Parmitano sammelte sich 2013 immer mehr Wasser in seinem Helm. Er konnte kaum noch sehen und hören, schaffte es aber noch knapp in die Station zurück.

Alte Hasen schweben vertikal, Neulinge horizontal

Wussten Sie, dass Astronauten anders als in vielen Filmen oft nicht waagerecht durch die Raumstation schweben, sondern meist senkrecht? Seitlich durch die Station zu schweben sei viel angenehmer als mit dem Kopf voraus, erklärte der Astronaut Alexander Gerst. Die Erfahrung eines Astronauten könne man an seiner Bewegung ablesen. »Alte Hasen schweben vertikal, Neulinge horizontal.«

16.300 km in 35 Minuten auf dem Laufband

Wussten Sie, dass ein Astronaut beim Trainieren auf dem Laufband gern mal mehrere Zehntausend Kilometer vorankommt? Schließlich ist die ISS mit einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h unterwegs. »Gerade eben 16.300 km auf dem Laufband gelaufen (35 Min mit 28.000 km/h)«, twittere der Astronaut Alexander Gerst im Oktober 2014 über das Training auf der ISS.

Eine Unterhose alle drei Tage

Wussten Sie, dass Astronauten nur alle zwei bis drei Tage eine neue Unterhose anziehen? Socken, Hosen und T-Shirts werden noch viel länger getragen. Es gibt keine Weltraumwaschmaschine, ohnehin ist jeder Tropfen Wasser auf der ISS kostbar. Jedes Teil kann also nur einmal getragen werden – deshalb ist Sparsamkeit beim Klamottenwechsel Pflicht.

Schlüpfer und anderes zu Sternschnuppen

- Wussten Sie, dass verglühende Schlüpfer als Sternschnuppe am Nachthimmel zu sehen sein können? Sämtliche gebrauchte Wäsche wird zusammen mit anderem Müll sowie vakuumgetrockneten Fäkalien regelmäßig in Kapseln verfrachtet, die zum Absturz gebracht werden und dabei verglühen. »Nicht jede Sternschnuppe ist romantisch«, kommentierte Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) einmal.

- auch volle Windeln Teil einer solchen Sternschnuppe sein können? Bei Weltraum-Ausflügen ziehen Astronauten sich unter den Raumanzug eine besonders saugstarke Windel an – bei den oft viele Stunden dauernden Einsätzen ist ein Gang aufs Klo ausgeschlossen. Auch beim Flug zur ISS mit der Sojus tragen Astro- und Kosmonauten eine Windel unterm Raumanzug, unter anderem wegen der Druckbelastung beim Start.

- die Nasa keine Bilder von den Unterhosen und BHs herausgibt, die Astronauten und Astronautinnen tragen? »Das ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich«, hieß es von der Nasa auf eine entsprechende Anfrage.

Kaffeemaschine für mehre Millionen Dollar

Wussten Sie, dass die wohl teuerste Kaffee-Portion der Welt auf der ISS serviert wurde? ISSpresso heißt das Gerät, das die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti aufstellte und testete. Eigens entwickelt wurde auch das Tässchen dafür. »Die Maschine hat mehr als eine Million Dollar verschlungen, die Zertifizierung für die Flugtauglichkeit und die Transportkosten eingerechnet; wir haben aber nur zehn Päckchen Espresso an Bord, so dass Samanthas Getränk eine äußerst teure Tasse Kaffee ist – durchaus einer historischen Erwähnung wert«, schreibt der frühere US-Astronaut Scott Kelly in seinem Buch »Endurance«.

2 Stunden: die Backzeit für einen Keks

Wussten Sie, dass auf der ISS schon Kekse gebacken wurden? Die Schokoladenkekse im ISS-Backofen brauchten deutlich länger als auf der Erde – erst nach mehr als zwei Stunden entstand bei den Tests ein durchgebackener Keks. Es duftete wohl wunderbar, zum Essen waren die ersten fünf Kekse der ISS aber nicht gedacht – an ihnen wurde auf der Erde weiter geforscht.

Eine Arbeitsstunde: 30.000 Euro

Wussten Sie, dass Astronauten die wohl bestbezahlten Putzfrauen der Welt sind? Die Arbeitsstunde eines ISS-Astronauten kostet laut Raumfahrtagentur Esa rund 30.000 Euro - und es wird sehr viel geputzt auf der ISS mit ihren rund 1200 Kubikmetern Rauminhalt. In der Schwerelosigkeit sammeln sich rasch Staub, Krümel, Hautschuppen und Feuchtigkeit – ein idealer Nährboden für Mikroorganismen. Die russische Raumstation Mir musste einst auch wegen des massiven Befalls mit Mikroben, die Kabel, Stecker und selbst Apparaturen aus Metall anfraßen, zum Absturz gebracht werden. »Raumstationen sind wie große, komplizierte Gebäude, die ständige Pflege und Aufmerksamkeit erfordern. Sehr viel Zeit wird daher auf Routineaufgaben wie Reinigungs- und Reparaturarbeiten verwendet«, heißt es von der Esa.

Im Dauerfieber

Wussten Sie, dass jedes ISS-Crewmitglied nicht nur Versuche durchführt, sondern auch selbst Versuchskaninchen ist? Forschende wollen erkunden, welche gesundheitlichen Probleme bei Reisen in den Weltraum auftreten und wie sie zu behandeln sind. Typisch sind etwa Muskelschwund, Augenschäden und verringerte Knochendichte. Zudem haben ISS-Astronauten eine Körpertemperatur von etwa 38 Grad, also eine Art Dauerfieber. Bei sportlicher Aktivität steigt die Temperatur sogar häufig auf mehr als 40 Grad, weil der Körper überschüssige Hitze in der Schwerelosigkeit kaum loswerden kann.

Woran Sie einen Astronauten erkennen

Wussten Sie, dass Astronauten nach der Rückkehr auf die Erde nicht aus Gewohnheit Gläser in die Luft stellen? Raumfahrer platzierten Dinge nicht in die vermeintliche Schwerelosigkeit, sondern klammerten sich im Gegenteil besonders stark an allem fest, erklärte der Astronaut Alexander Gerst einmal. Auf der ISS schwebe sonst alles weg. »Wenn man einen Stift in der Hand hat, eine Schere und ein Tape, dann steckt man sich die zwischen die Finger – und daran gewöhnt man sich.« Diese Gewohnheit sitze auch nach der Rückkehr noch eine Weile. »Daran kann man Astronauten erkennen: Sie sitzen da mit zwei Stiften, einem Löffel und dem Kaffeebecher in der Hand, weil sie nicht gewohnt sind, dass sie etwas mal hinstellen können. So rum ist das.«


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