Was tut sich bei DDS und RTI Connext?

»Verteilte Systeme als Einheit arbeiten lassen«

22. April 2022, 11:52 Uhr | Andreas Knoll

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"Spezialisten mit fachlicher Tiefe müssen ans Werk"

Inwieweit ist die industrielle Leichtbaurobotik für RTI ein Thema?

Was die Leichtbaurobotik anbelangt, haben wir unsere Produktimplementierung mit ROS 2, also dem Robot Operating System – in dieser Community sind wir aktiv.

Welche Bedeutung hat die Industrie für RTI derzeit insgesamt?

Hier muss man vor allem sehen, wie sich die Märkte entwickeln. Wir werden unsere Prioritäten danach setzen, wo wir die interessantesten Anwendungsfälle und das größte Kundeninteresse sehen. Generell steht die Industrie für RTI aber nicht mehr so sehr im Fokus wie noch vor vier, fünf Jahren, als IIoT und Industrie 4.0 jeden Tag in den Schlagzeilen war. So wie das nachgelassen hat, haben auch wir unseren Fokus dort zurückgenommen. Andere Marktsegmente entwickeln sich derzeit für uns wesentlich dynamischer.

Mit Industriepartnern kooperieren werden wir aber auf jeden Fall weiterhin. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise unsere Integration mit Bachmann-PLCs bekanntgegeben, eine Integration Out-of-the-Box, und ich erwarte, dass noch andere PLC-Anwender und -Hersteller diesem Beispiel folgen werden. Darüber hinaus sehen wir Interesse vor allem dann, wenn es sich um große, verteilte Systeme handelt: Kunden kommen auf uns zu, um einen Eindruck zu gewinnen, wie skalierbar ein System auf Basis von RTI Connext sein kann. Anscheinend haben diese Kunden Anwendungsfälle, die sie nicht ohne Weiteres mit OPC UA abdecken können.

Überhaupt stellt sich für uns ja auch die Frage: Wie sollen OPC UA und DDS interagieren? Wir sind im Moment mit solch interessanten Anwendungsfällen unterwegs, dass wir die in der Vergangenheit stark diskutierte Gegenüberstellung von OPC UA und DDS/RTI Connext derzeit nicht unbedingt als Priorität sehen. Da schauen wir einfach, wie sich der Markt weiterentwickelt.

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Gemeinsam unterstützen RTI und Bachmann Schiffsbetreiber bei der Realisierung sicherer, zuverlässiger und skalierbarer Remote-Operationen über verschiedene Plattformen hinweg.
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Welche Roadmap verfolgen Sie bezüglich des RTI Connext Frameworks?

Zum einen befindet sich das Framework natürlich in einer ständigen Evolution: Wir integrieren neue Technologien, erweitern die Entwicklungswerkzeuge und unterstützen neue Hardware-Plattformen, Betriebssystemvarianten oder Transport-Layer. Wichtig sind auch die Themen Debugging verteilter Systeme und Erkennung von Flaschenhälsen sowie Datensicherheit, Datendurchsatz und Echtzeitverhalten. Mit Connext Anywhere haben wir die Überwindung von Infrastrukturgrenzen implementiert: Wie stelle ich Verbindungen zwischen Geräten her, wenn ich durch die Cloud oder über ein 5G-Netz gehen muss?

Darüber hinaus haben wir, angetrieben durch die Pandemie, die RTI Academy als virtuelle Ausbildungs- und Trainingsplattform stark ausgebaut. Und wir haben im letzten Jahr unsere Customer-Success-Organisation errichtet, um die Kunden über ihre Projektlaufzeit mit Systemarchitektur-Beratung und gemeinschaftlichen Review Sessions zu begleiten.

Wie lautet die Roadmap beim unterhalb des RTI Connext Frameworks liegenden DDS-Standard?

Natürlich werden wir auch weiterhin den DDS-Standard vorantreiben. Aktuell befindet sich der Companion Standard DDS-zu-TSN in der Fertigstellung. Bereits etabliert ist DDS–OPC UA, ein gemeinsam von OPC Foundation und OMG akzeptierter Companion Standard. Er definiert die Funktionalität konfigurierbarer Software Gateways, die die Interoperabilität und den Datenaustausch zwischen OPC-UA-basierten und DDS-basierten Systemen ermöglichen.

Beim DDS-zu-TSN-Standard geht es darum, sicherzustellen, dass die Daten ausgetauscht werden, um ein Mapping auf Protokollebene und um weitere Funktionen. DDS ließe sich beispielsweise auch nutzen, um komplexe TSN-Netzwerke zu konfigurieren und zu verwalten.

Sie sehen: Auf der Roadmap von RTI Connext und DDS stehen immer wieder Funktionalitätserweiterungen, Cloud Connectivity, Skalierbarkeit, funktionale Sicherheit, Datensicherheit – und dann die Lösungen für vertikale Märkte und Branchen, etwa Connext Drive, wo sich künftig sicherlich noch mehr tun wird.

Sie sind jetzt im Ruhestand – wurde schon eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger bestimmt?

Ja, meine direkte Nachfolgerin hat das Ruder schon übernommen; sie ist aus meinem Team nachgewachsen. Ihre Rolle wird sich allerdings verändern, bedingt durch das Wachstum. Als ich vor sieben Jahren bei RTI begonnen habe, waren viele Unternehmensfunktionen in Europa noch nicht vertreten. Durch das Wachstum wurden sie nach und nach neu geschaffen. Das bedeutet, dass sich meine Rolle jetzt in die einzelnen Segmente aufspalten wird. Nicola Masters ist in England ansässig und wird das Vertriebsteam leiten. Für Marketing und Events wird eine Kollegin in Spanien zuständig sein. Und für technische Themen wird künftig je nach Marktsegment der entsprechende Director Market Development als Spezialist bereitstehen, beispielsweise für den Automobilbereich, für die Medizin, für die Industrieautomatisierung oder für Transportation – das wird sich auf mehrere Köpfe verteilen und nicht mehr im Allround-Modus angelegt sein.

Allround ist schön und gut, aber die Technologie und ihre Anwendungen werden immer komplexer, sodass hier Spezialisten mit großer fachlicher Tiefe ans Werk müssen.


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