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VDE FNN forciert

Übergang zu SF6-freien Schaltanlagen

31. Mai 2021, 07:46 Uhr   |  Heinz Arnold

Übergang zu SF6-freien Schaltanlagen
© VDE FNN

Energietechnik und Klimaschutz: VDE FNN forciert den klimaschonenden Stromtransport und empfiehlt einen differenzierten Übergang zu SF6-freien Technologien in elektrischen Betriebsmitteln.

Differenzierte Übergangsfristen ermöglichen die praxisgerechte Einführung von SF6-freien Technologien in elektrischen Betriebsmitteln.

Weil SF6 zwar hervorragende elektrische Eigenschaften hat, aber ein 23.000 Mal höheres Treibhauspotenzial als Kohlendioxid besitzt, will der der VDE FNN dazu betragen, SF6 zu ersetzen.

Die Stromerzeugung trägt mit erneuerbaren Energien zunehmend dazu bei, dass Deutschland und die Europäische Union 2050 klimaneutral werden können. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) unterstützt diesen Weg und forciert auch die klimaschonende Übertragung und Verteilung von Strom. Dazu empfiehlt VDE FNN, schrittweise Schwefelhexafluorid-freie Technologien in Schaltanlagen und Transformatorenstationen einzuführen.

Abhängig von Anwendung und Spannungsebene werden Übergangszeiten vorgeschlagen. Die von VDE FNN erarbeitete und gemeinsam von den vertretenen Herstellern und Anwendern von gasisolierten elektrischen Betriebsmitteln abgestimmte Empfehlung unterstützt die Europäische Kommission bei der Novellierung der F-Gas-Verordnung. Die EU-Kommission plant, F-Gase mit hohem Treibhauspotenzial wie Schwefelhexafluorid (SF6) schrittweise durch klimaschonende Alternativen zu ersetzen. Die neue Verordnung wird bis Ende 2022 erwartet.

Synergien bei Herstellern und Anwendern

Sofern die neue europäischen Verordnung ab 2023 in Kraft tritt, sind erhebliche Herausforderungen bei der Einführung der Alternativen zu erwarten. Zusammen mit Herstellern und Anwendern schlägt VDE FNN darum differenzierte und praxisgerechte Übergangsfristen vor. Heike Kerber, Geschäftsführerin von VDE FNN, erklärt: »Ziel ist es, die Übergangszeiten auf ein Minimum zu begrenzen. SF6-freie Alternativen sollen in allen neuen Betriebsmitteln mit Isoliergas in fünf bis neun Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung eingeführt werden. Das müssen wir im Sinne des Klimaschutzes sowie der Transparenz und Akzeptanz für klimaschonende Technologien erreichen. Die Schritte bei Herstellern und Anwendern sind eng verzahnt – so lassen sich von der Entwicklung über die Serienproduktion bis hin zur Einführung, Inbetriebnahme und Betrieb von Anlagen Synergien beim Übergang zu SF6-freien Technogien nutzen. Der sichere Netzbetrieb steht jederzeit im Mittelpunkt. Ebenso wichtig sind die stets ausreichenden Lieferkapazitäten von mehreren Herstellern, damit der Netzausbau und die Integration von erneuerbaren Energien voranschreiten können.«

VDE FNN unterscheidet die Übergangszeiten für Anlagen in der Mittelspannung nach Anwendungen für Innen- und Außenräume sowie Spezialanwendungen, wie Generatorschalter. Für Anlagen in Innenräumen mit einer Betriebsspannung bis zu 24 kV beispielsweise sind fünf Jahre vorgesehen, so dass hier ab 2028 nur noch SF6-freie Technologien eingesetzt werden. In der Hoch- und Höchstspannung wird nach Standard- und Spezialanwendungen differenziert. Für Erweiterungen und Reparaturen bestehender Anlagen der oberen Spannungsebenen sind weiterhin SF6-Technologien notwendig.

Schwefelhexafluorid

Schwefelhexafluorid wird seit Jahrzehnten aufgrund seiner hervorragenden elektrischen Eigenschaften als Isolier- und Löschgas in gasisolierten Schaltanlagen sowie Leistungsschaltern und Wandlern in geschlossenen Systemen eingesetzt und am Ende der Lebensdauer wieder zurückgewonnen. Verstärkt rückt aber das Treibhauspotenzial des fluorierten Gases in den Fokus: Gelangt das Gas, beispielsweise infolge von Störungen, in die Atmosphäre, verbleibt es dort für mehrere tausend Jahre. Der Anteil von SF6 aus elektrischen Betriebsmitteln an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland ist sehr gering. Zwar ist der Treibhauseffekt von SF6 23.000 Mal höher als der von einer gleichen Menge Kohlendioxid, hat aber trotzdem nur einen Anteil von rund 0,03 Prozent am Effekt der Emissionen insgesamt. Die EU-Kommission strebt an, sämtliche F-Gas-Emissionen bis 2030 auf ein Drittel der von 2014 zu reduzieren. SF6 fällt als fluoriertes Gas unter die EU-F-Gase-Verordnung.

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