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Kommentar: Zukunftsbranche Batterien

Investieren oder verlieren

Irina Hübner, Redakteurin
Irina Hübner, Elektronik-Redakteurin
© WEKA FACHMEDIEN

Bis 2025 könnte der europäische Batteriemarkt auf ein Volumen von 250 Mrd. Euro pro Jahr anwachsen. Davon geht zumindest die Europäische Kommission aus. Um auch nur den Eigenbedarf zu decken, bräuchte Europa dann 10 bis 20 Giga-Fertigungen.

Das Risiko, Überkapazitäten im Bereich Batteriezellenfertigungen aufzubauen, ist den Prognosen nach mehr als überschaubar. Die erforderlichen Investitionen für eine Batteriezellenfertigung sind allerdings gewaltig: Für den Aufbau einer Fab mit 10 GWh Batteriekapazität muss mit Kosten von etwa 1 Mrd. Euro gerechnet werden.

Kein Wunder also, dass die deutschen Firmen bisher davor zurückschrecken, ein solches Milliardenprojekt zu stemmen. Doch den Markt asiatischen Produzenten zu überlassen, würde gleichzeitig bedeuten, dass Europa sich in puncto Elektromobilität endgültig in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt.

Immerhin nehmen inzwischen Planungen für mehrere Batteriezellenfabriken in Deutschland Form an. So wurde Anfang Juli bekannt, dass der chinesische Batteriespezialist CATL in Erfurt ein Werk mit einer voraussichtlichen Jahreskapazität von 14 GWh errichten will. Bis 2022 will das Unternehmen dort rund 240 Mio. Euro investieren. Obwohl diese Fertigung auf deutschem Boden errichtet wird, befindet sie sich jedoch in chinesischer Hand.

Die erste „echte“ deutsche Giga­factory will Terra E, ein Konsortium verschiedener Firmen aus der hiesigen Batteriebranche, aufbauen. Im End­ausbau soll die Fertigung eine Gesamtkapazität von 34 GWh erreichen. Wie weit die Vorbereitungen für die Zellenfertigung bereits fortgeschritten sind, lesen Sie online im Elektronik-Beitrag „Endlich deutsche Lithium-Ionen-Zellen“.

Relevante Anbieter

Politik will eigene Batteriezellenfertigung

Nun pocht auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf eine eigene Batteriezellenfertigung in der EU – insbesondere, um die Voraussetzungen für einen wachsenden Elektromobilitätsmarkt zu schaffen. Noch in diesem Jahr will er ein Konsortium präsentieren, das sich mit einem konkreten Projekt zur Herstellung von Batteriezellen befasst.

Dazu plant Altmaier, im November alle wichtigen Markt-Player zusammenzubringen – Autohersteller ebenso wie Unternehmen aus der Chemie- und der Energie-Branche. Den Aufbau einer Fab beabsichtigt er mit staatlichem Geld zu fördern. Zwar braucht die Bundesregierung die Genehmigung der Europäischen Kommission, um in großem Stil finanzielle Unterstützung leisten zu dürfen. Doch da die EU selbst Interesse an europäischen Großfertigungen hat, sollte von dieser Seite kein Gegenwind zu erwarten sein.

Ob die derzeitigen Anstrengungen genügen, um wenigstens mittelfristig konkurrenzfähig zum asiatischen Wettbewerb zu sein, bleibt abzuwarten. Sicher scheint hingegen, dass die Produktionskapazität für Batteriezellen weltweit rasant ansteigen wird. Doch mit den wachsenden Fertigungsmöglichkeiten könnte sich eine neue Schwierigkeit ergeben: Lassen sich alle Rohstoffe in ausreichender Menge beschaffen? Um das zu gewährleisten, muss jedenfalls noch weiter an der Zusammensetzung der Batteriezellen gearbeitet werden.


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