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Verteiltes Computing für I40

100 Laser automatisch über die Cloud kontrollieren

Die Kubernetes-Software kommt z. B. bei der Steuerung von Ultrakurzpulslaser-Anlagen zum Einsatz. Derzeit forschen die Wissenschaftler an der automatischen Auswertung von Messdaten.
Die Kubernetes-Software kommt z. B. bei der Steuerung von Ultrakurzpulslaser-Anlagen zum Einsatz. Derzeit forschen die Wissenschaftler an der automatischen Auswertung von Messdaten.
© Fraunhofer ILT

Wissenschaftler der RWTH Aachen und des Fraunhofer ILT haben ein Datencenter zur Steuerung und Kontrolle industrieller Prozesse aufgebaut. Die Aufgabe: Komplexe Lasersysteme effizient einrichten und die Software für neue Laser innerhalb weniger Minuten aus der Ferne automatisch installieren.

Ein Ultrakurzpuls(UKP)-Laser ist ein komplexes System, mit dem sich mikrometergenau nahezu beliebige Materialien abtragen lassen. Zahlreiche Sensoren kontrollieren dabei die Maschine und den Laserprozess. Entsprechend vielfältig ist die Software, die die Komponenten steuert und die Daten der Sensoren ausliest. In der industriellen Fertigung werden oft viele solcher Systeme parallel eingesetzt, 50 Stück nebeneinander sind hier nicht ungewöhnlich. Doch wie lassen diese sich effizient installieren? Und wie kann man sie zentral steuern?

»Mit den gängigen speicherprogrammierbaren Steuerungen kann man ein Gerät ganz gut beherrschen, aber kaum ein Dutzend oder gar 100 gleichzeitig«, verdeutlicht Moritz Kröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Lasertechnik LLT der RWTH Aachen. Für die Perspektive, 50 bis 100 Laser zu steuern, neue Software für diese Systeme zu installieren und Sensordaten in Echtzeit auszuwerten, würden herkömmliche Konzepte absehbar nicht ausreichen.

Die Lösung? »Wir haben die Maschinensteuerung komplett neu programmiert«, berichtet Kröger. »So konnten wir von Beginn an auf erprobte Open-Source-Software setzen, die uns viel mehr Kompatibilität und Entwicklungsmöglichkeiten für verteilte Systeme bietet.« Damit lassen sich Laserbearbeitungsprozesse, bei denen z. B. Daten der Scanner-Steuerungen, Sensordaten aus unterschiedlichen Quellen und Analysedaten im laufenden Prozess berücksichtigt werden müssen, steuern und optimieren.

Im Kern des Datencenters läuft Kubernetes, eine Open-Source-Software, die automatisch Anwendungsprogramme auf verteilten Computersystemen aufspielen, skalieren und warten kann. Kubernetes wurde ursprünglich von Google entworfen und wird von Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure, IBM Cloud, Red Hat OpenShift, Amazon EKS, Google Kubernetes Engine und Oracle OCI unterstützt.

An der RWTH Aachen hat man das Potential erkannt. Schon 2019 wurde das Konzept des Fraunhofer ILT für ein Datencenter der Universität übernommen. Im Exzellenzcluster »Internet of Production« wird dort an der Digitalisierung von Fertigungstechnik gearbeitet. Ziele sind hier eine verstärkte und vereinfachte domänenübergreifende Zusammenarbeit sowie die echtzeitfähige und sichere Bündelung aller relevanter Daten aus vielen verschiedenen Quellen vor dem Hintergrund von cyber-physischen Systemen und Industrie 4.0.

Sowohl im Datencenter der RWTH Aachen als auch am Fraunhofer ILT sind die Systeme im Einsatz. Die automatisierte Verteilung von Software und die Analyse der Applikationen in den UKP-Laseranlagen funktioniert zuverlässig. »In fünf Minuten können wir die Soft- und Hardwareanbindung für einen neuen Laser einrichten, inklusive Einbindung in die cloudbasierte Umgebung«, erklärt Moritz Kröger den aktuellen Stand. Geforscht wird derzeit an der automatischen Auswertung von Messdaten. Das Ziel ist, Daten von einer möglichst großen Zahl von Systemen zusammenzuführen und für Nutzer grafisch aufbereiten zu lassen. In Zukunft soll aus den Daten im Bereich der künstlichen Intelligenz über maschinelles Lernen der Prozess an den Lasersystemen optimiert werden.

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