Enormes Marktwachstum erwartet

Bosch gründet Start-up für Quantensensorik

17. Februar 2022, 10:18 Uhr | Nicole Wörner
Bosch
© Robert Bosch

Marktexperten sehen für die Quantensensorik ein Potenzial von bis zu sieben Milliarden US-Dollar in den kommenden Jahren. Daran will Bosch teilhaben und bündelt in einem internen Start-up die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre, um sie in kommerzielle Produkte zu überführen.

Der neue Produktbereich wird ab Frühjahr 2022 in den Gebäuden der Grow Platform GmbH in Ludwigsburg angesiedelt. Organisatorisch gehört das Start-up zum Bosch-Geschäftsbereich Automotive Electronics mit Sitz in Reutlingen.

Derzeit sind bereits 15 Mitarbeitende...

...im neuen Start-up tätig. Das Team soll in den kommenden Monaten auf mehr als 20 Mitarbeitende wachsen, gesucht werden insbesondere Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Geschäftsfeldentwicklerinnen und -entwickler.

CEO des neu gegründeten Start-ups...

...ist Dr. Katrin Kobe. Die promovierte Physikerin bringt mehr als 25 Jahre Managementerfahrung aus Tätigkeiten in unterschiedlichen Technologieunternehmen mit zu Bosch und hat dabei mehrfach neue Geschäftsfelder erschlossen.

»Die Quantentechnologie verschiebt die Grenzen...

...des Machbaren – sowohl im Bereich der Datenverarbeitung als auch der Sensoren«, erklärt Jens Fabrowsky, als Bereichsvorstand bei Bosch Automotive Electronics zuständig für das Halbleitergeschäft. »Vor allem geht es darum, den breiten praktischen Nutzen von Quanteneffekten zu erhöhen – von der Entwicklung CO2-neutraler Antriebe bis zur neurologischen Diagnostik. Bosch forscht seit Jahren intensiv im Bereich der Quantensensorik und wir sehen uns hier weltweit in einer führenden Position. Künftig möchten wir daraus auch Geschäftsmodelle entwickeln.«

Quantensensoren nutzen die einzelnen Atome...

...eines Gases oder Defekte in Festkörpern als atomare Messinstrumente. Durch deren gezielte Initialisierung vor der Messung und dem Auslesen individueller Quantenzustände nach der Messung erreichen Quantensensoren eine noch nie dagewesene Präzision.

Dank der Quantentechnologie wird es in absehbarer Zeit möglich sein,...

...in Größenordnungen um den Faktor 1 000 genauer zu messen als mit heutigen MEMS-Sensoren. Quantensensoren können beispielsweise helfen, neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson genauer und einfacher zu diagnostizieren. Außerdem können mit ihnen Nervenimpulse erfasst werden, um künftig zum Beispiel medizinische Prothesen anzusteuern. Auch die Detektion feinster Lageänderungen von Gegenständen wird mit solchen Sensoren möglich.

Bosch forscht bereits seit sieben Jahren...

...im Bereich Quantensensorik – voll funktionsfähige und leistungsstarke Demonstratoren eines Quanten-Magnetometers und eines Quanten-Gyrometers liegen vor. Mit Quanten-Magnetometern lassen sich beispielsweise winzige Magnetfelder physiologischer Prozesse detektieren, Quanten-Gyrometer erlauben die hochpräzise Erfassung von Rotationen für die Navigation autonomer Systeme.

Langfristiges Ziel...

...ist die weitere Miniaturisierung bis hin zur Integration auf einem Chip. Darüber hinaus arbeitet Bosch seit 2018 an acht öffentlich geförderten, teils internationalen Quantensensorik-Projekten aktiv mit. Mit dem neuen Produktbereich will Bosch dieses Feld nun auch strategisch für sich erschließen.

Marktexperten erwarten für Quantensensorik-Anwendungen...

...in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum. Im Jahr 2021 wurden weltweit 22 Milliarden US-Dollar in Quantentechnologie investiert. Laut McKinsey & Co. soll das Marktvolumen für Quantensensoren auf bis zu sieben Milliarden US-Dollar anwachsen.

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