Tektronix setzt auf Anwender-Feedback

Was Kunden von ihrem Oszilloskop wirklich erwarten

8. Juli 2022, 14:00 Uhr | Nicole Wörner
Im Dialog mit Kunden kristallisieren sich die wichtigsten Anforderungen an ein Oszilloskop heraus.
Im Dialog mit Kunden kristallisieren sich die wichtigsten Anforderungen an ein Oszilloskop heraus.
© Tektronix / WEKA Fachmedien

Oszilloskope sind die „Brot-und-Butter“-Messgeräte jedes Entwicklers. Damit Hersteller ihre Scopes nicht an den Bedürfnissen der Anwender vorbei entwickeln, setzen sie auf den Dialog mit den Kunden. Tektronix fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Von Lee Morgan, Senior Technical Marketing Manager EMEA von Tektronix

Die Anforderungen bei der Entwicklung eines neuen Oszilloskops sind vielseitig – und auch ein wenig zweischneidig. Auf der einen Seite müssen die Geräte oft anspruchsvollste Messaufgaben erfüllen, auf der anderen Seite sind sie für viele Einsteiger aber teils komplizierte Geräte, die man erst einmal verstehen und bedienen lernen muss. Wie also geht ein Hersteller an diese Herausforderung heran? Nun, er spricht mit seinen Kunden.

Diese Gespräche liefern Erkenntnisse, die in einem herkömmlichen Produktentwicklungsprozess nicht möglich wären. Egal, ob sie im Labor oder vor Ort ihr Feedback gaben, es wurde deutlich, dass Ingenieure in der Lage sein wollen, zu messen, was immer sie wollen, wo immer sie wollen, ohne Kompromisse zwischen Leistung und Tragbarkeit eingehen zu müssen.

Einige der wichtigsten Erkenntnisse, die wir durch das Feedback unserer Kunden aus unterschiedlichsten Branchen gewonnen haben, sind die folgenden.  

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Tasten, Knöpfe, Displays

Als erstes zeigte die Untersuchung, dass sich Oszilloskop-Einsteiger von der Vielzahl der Tasten und Knöpfe herkömmlicher Oszilloskope eingeschüchtert fühlen. Ein hochauflösendes 10“-Touchscreen-Display ist zwar eine attraktive Alternative für Einsteiger, doch es wurde klar, dass für präzise Messungen immer noch einige Tasten und Knöpfe nötig sind.

Einheitlichere Benutzeroberflächen

Ein weiterer Grund für die Frustration von Einsteigern sind die Benutzeroberflächen (UI) der Oszilloskope, die sich von Marke zu Marke unterscheiden und oft innerhalb der Produktfamilie einer Marke stark variieren. Wenn sie einmal gelernt hatten, wie man ein Oszilloskop der Einstiegsklasse benutzt, mussten sie die Bedienung beim nächsten Oszilloskop, mit dem sie arbeiteten, neu erlernen. Dieses Oszilloskop hatte nämlich meist eine andere Benutzeroberfläche, auch wenn es vom gleichen Anbieter stammte. Die meisten Benutzer gaben an, dass sie mit einem Produkt viel zufriedener wären, wenn die Benutzeroberfläche bei einem Aufstieg in der Produktpalette gleichbliebe. Eine gemeinsame Benutzeroberfläche für alle Plattformen würde die Integration durch die Bank und für alle Arbeitsabläufe erleichtern.

Portabilität ohne Kompromisse bei der Funktionalität

Anwender wollen messen, was immer sie wollen, wo immer sie wollen, ohne Kompromisse zwischen Leistung und Tragbarkeit eingehen zu müssen.
Anwender wollen messen, was immer sie wollen, wo immer sie wollen, ohne Kompromisse zwischen Leistung und Tragbarkeit eingehen zu müssen.
© Tektronix

Die meisten Befragten gaben an, dass ihre Oszilloskope portabel sein sollten, aber ohne Abstriche bei der Funktionalität. Dies folgt aus dem Wunsch der Anwender, überall testen und messen zu können, was immer sie wollen, und eine Wellenformanalyse praktisch von überall aus durchführen zu können.

Weil Techniker nicht nur im Labor, sondern auch im Feld messen müssen, würden sie normalerweise mindestens zwei verschiedene, nicht miteinander kompatible Oszilloskope mit unterschiedlichen Funktionen verwenden. Abhilfe könnte ein leichtes und tragbares Oszilloskop schaffen, das man zwischen Labor und Feld hin- und herbewegen kann, das denselben Funktionsumfang bietet, aber z. B. in eine Laptoptasche passt. Gespräche mit Anwendern ergaben, dass ein batteriebetriebenes Oszilloskop mit einem Gewicht von ca. 3,6 kg (mit Batterie) und 1,81 kg (ohne Batterie) und einem flachen Design von nicht mehr als 38 mm (1,5 Zoll) ideal wäre. Ein derartig kleiner Formfaktor wäre nicht nur leicht zu transportieren, sondern würde auch weniger Platz auf einem Arbeitstisch beanspruchen.

Batteriebetrieb und Vielseitigkeit

Auch wenn nicht alle Anwender ihre Oszilloskope mit Batterien betreiben, so erklärten sie doch, dass Batteriebetrieb für den Einsatz vor Ort von entscheidender Bedeutung ist. Um ein Oszilloskop wirklich vielseitig einsetzen zu können, wäre es hilfreich, wenn es ein abnehmbares externes Batteriepack hätte, das man je nach Bedarf verwenden könnte. Das Akkupack sollte idealerweise über zwei Steckplätze verfügen, wobei sich die Akkus im laufenden Betrieb austauschen lassen und eine Gesamtbetriebszeit von acht Stunden mit zwei Akkus ermöglichen sollten.

Flexibilität und Vielseitigkeit bei der Positionierung eines Oszilloskops sind für die Nutzer ebenfalls entscheidend. Kundenorientierte Untersuchungen mit Hilfe von Kartons und dreidimensionalen Prototypen ergaben, dass ein Oszilloskop am häufigsten auf seinen beiden "Füßen" stehend genutzt wird. Allerdings wünschten sich viele Anwender die Möglichkeit, ihr Oszilloskop an einem Fahrzeug zu befestigen, es in ein Rack zu integrieren oder es an einem beweglichen Arm zu montieren. Ideal wäre ein Oszilloskop, das man im Sitzen, im Stehen oder kniend auf dem Boden benutzen kann, mit einem optionalen Klappständer zum einfachen Aufstellen und Tragen.

Einfacher Datenaustausch

Eine weitere Forderung der Anwender war, Daten austauschen und gemeinsam arbeiten zu können. Daher sollte ein modernes Oszilloskop Daten in einem Netzwerk oder in der Cloud speichern und darauf zugreifen können, und dabei integrierte Software und ein drahtloses Netzwerk für die nahtlose gemeinsame Nutzung von Dateien nutzen - ohne Einsatz eines USB-Sticks.

Fernbetrieb (mit Steuerung über PC, Tablet oder Smartphone), Teamarbeit, Dateifreigabe und vieles mehr sind Anforderungen an jedes Oszilloskop der Einstiegsklasse, das idealerweise über einen integrierten VNC-Server verfügen sollte. Auch Funktionen wie ein vorderer und seitlicher E/A würden Zugänglichkeit und Konnektivität erleichtern.  

Kanalzahl, Bandbreite, Display

Ein Oszilloskop auf dem neuesten Stand der Technik, das sich in den verschiedensten Branchen und Umgebungen einsetzen lässt, sollte bis zu vier analoge Kanäle mit Bandbreiten zwischen 70 und 500 MHz bieten. Außerdem sollte es über 16 digitale Kanäle, ein Einkanal-AFG mit 50 MHz und einen 4-Bit-Pattern-Generator für die manuelle und dateibasierte Patterngenerierung verfügen.

Weitere wichtige Merkmale wären ein berührungsempfindliches Farbdisplay und leicht verständliche farbige LED-Ringlichter um die Knöpfe, die die Triggerquelle, die aktive Quelle und die Einstellparameter anzeigen (mit Lichtern darunter zur Statusanzeige). Während ein flaches Layout dem Anwender einen einfachen Zugang zu allen wichtigen Bedienelementen bietet, ermöglicht eine Anzeige mit gestapelten Displayfenstern eine viel umfassendere und komplexere Analyse. Für eine einfache Bedienung sollte das Display Wellenform- oder bildschirmgestützte Cursor-Messungen anzeigen können, dabei sollten bis zu 36 automatische und unbegrenzte Messungen möglich sein.

Tastköpfe und Triggerfunktionen

Das Oszilloskop sollte auch mit hochwertigsten Tastköpfen für alle Arten von Signalen wie etwa mit Spannungstastköpfen, Stromtastköpfen, Hochspannungs-Single-Ended-Tastköpfen und Hochspannungs-Differenzialtastköpfen arbeiten können.

Die Umfrage ergab auch, dass zu den weiteren als unverzichtbar erachteten Merkmalen ein vollständiger Satz modernster Trigger gehört, die auch schwer fassbare Ereignisse aufspüren können, sowie Dekodierfunktionen für gängige Busprotokolle.

Reaktionsfähigkeit, Konfigurierbarkeit

Nicht zuletzt ist klar, dass Anwender von ihren Oszilloskopen Reaktionsfähigkeit und Konfigurierbarkeit erwarten. Früher hatten sie mit Geräten zu kämpfen, die nur langsam reagierten und schwer (wenn nicht gar unmöglich) zu konfigurieren waren. Heute erwarten Ingenieure von ihrem Gerät ein ähnliches Benutzererlebnis wie von ihrem Smartphone, d. h. es muss sehr schnell auf Berührungen reagieren und einfach zu konfigurieren sein. Es geht dabei nicht nur um Reaktionsgeschwindigkeit, sondern auch um konfigurierbare Elemente wie die Möglichkeit, Schriftgrößen, Farben und Anzeigeformate zu ändern, so dass der Bediener die volle Kontrolle hat.

Gespräche mit Endanwendern von Oszilloskopen zeigten: Die einzige Möglichkeit für Anbieter von Prüf- und Messgeräten, passende Produkte genau für die Bedürfnisse der Kunden zu entwickeln, besteht in einer engen Zusammenarbeit mit ihnen, viele Fragen zu stellen und ihnen zuzuhören. Nur so kann man herausfinden, wo die Probleme liegen, vor denen sie stehen. Letztendlich geht es darum, genau die Lösungen anzubieten, die der Kunde wirklich will und braucht, um seine spezifischen Ziele zu erreichen.


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