vbw-Studie 'Arbeitslandschaft Bayern'

Zunehmender Mismatch

17. Januar 2022, 9:16 Uhr | Corinne Schindlbeck
vbw Managing Director Bertram Brossardt
vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt
© vbw

Die Fachkräftesicherung muss mehr Priorität bekommen, fordert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Denn das Arbeitskräfteangebot soll in Bayern bis 2035 um neun Prozent schrumpfen. Zudem gebe es einen 'Mismatch' zwischen Angebot und Nachfrage.

Wie dringend das Problem ist, soll die aktuelle vbw Studie `Arbeitslandschaft Bayern' zeigen, die der vbw soeben vorgestellt hat: Demnach geht das Arbeitskräfteangebot demografiebedingt in Bayern bis 2035 um neun Prozent bzw. rund 700.000 Personen zurück: von derzeit 6,5 Millionen auf 5,8 Millionen Personen. Damit verbunden sei ein immer deutlicheres Fachkräfte-Paradoxon: Arbeitskräfteknappheit in Teilbereichen der Wirtschaft bei gleichzeitigem Arbeitskräfteüberschuss in anderen. 

Das Ausmaß der „Mismatch“-Arbeitslosigkeit sei beachtlich: Bis zu 45 Prozent der gesamten Arbeitslosigkeit in Deutschland seien schon heute auf ein Missverhältnis zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zurückzuführen. Laut Studie wird sich diese Lage in Bayern bis 2035 Jahr für Jahr verschärfen. So zeigt sich 2035 in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen ein Engpass im Freistaat von 15.000 Erwerbstätigen. In den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen ist 2035 ebenfalls mit einem Arbeitskräftemangel von 15.000 Personen zu rechnen. Auch bei den gebäude- und versorgungstechnischen Berufen wird es einen erheblichen Engpass von 36.000 Arbeitskräften geben. Arbeitskräfteüberschüsse ergeben sich hingegen insbesondere bei den Lehr- und Forschungstätigkeiten an Hochschulen und bei der technischen Forschung und Entwicklung (jeweils rund 11.000).

„Per Saldo dominieren die Engpässe: 2035 zeigen sich in lediglich einem Drittel der Berufe Überschüsse, in zwei Dritteln aber droht Knappheit. Überschüsse gibt es tendenziell bei akademischen Tätigkeiten, Engpässe auf der Ebene der Fachkräfte mit berufsqualifizierendem Abschluss“, analysiert vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die Zahlen. Zur Linderung des Problems wirbt die vbw für verstärkte Qualifizierungen, eine breitere Erwerbsbeteiligung, vor allem von Frauen, eine Bildungsoffensive und die Zuwanderung qualifizierten Personals. „Außerdem wird die berufliche Flexibilität eine Rolle spielen, also die Frage, inwieweit der Einzelne bereit ist, den Beruf zu wechseln. Auch das kann die Mismatch-Arbeitslosigkeit verringern“, so Brossardt weiter.

Die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsels wird von der Studie höchst unterschiedlich bewertetet. Im Bereich der Informatik- und IKT-Berufe ist sie beispielsweise eher gering. Lediglich ein Drittel der Arbeitslosen aus diesem Bereich wird später in anderen Berufsgruppen tätig. Genau umgekehrt verhält es sich im Bereich der technischen Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung: Hier münden über 60 Prozent der Arbeitslosen in eine andere Berufsgruppe ein. Brossardt: „Neben der Qualifikation haben natürlich auch Gehalt und Arbeitsbedingungen Einfluss auf einen möglichen Quereinstieg in einen Engpass-Beruf. Um die Umbrüche am Arbeitsmarkt abzufedern, sind passgenaue Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen Voraussetzungen für einen leichteren Wechsel aus einem Überschuss- in einen Engpassberuf.“

 


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