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Quantencomputing

Qubits über topologische Isolatoren

31. Mai 2021, 11:50 Uhr   |  Heinz Arnold

Qubits über topologische Isolatoren
© Johannes Baumann / Universität Würzburg

Forschende aus Jülich und Würzburg untersuchen gemeinsam neue, exotische Quantenzustände, die sich an Grenzflächen zwischen Supraleitern und topologischen Materialien ausbilden. Das Bild zeigt eine an der JMU konstruierte Quantenpunkt-Kontaktstruktur aus dem topologischen Isolator Quecksilbertellurid (blau), der mit supraleitenden Elektroden (grün) kontaktiert wird. Mit Hilfe eines elektrostatischen Gates (gelb) wird die Stromleitung über die Engstelle gesteuert. Ähnliche Strukturen sollen künftig verwendet werden, um fundamentale Eigenschaften von topologischen Qubits zu untersuchen.

Die Forschungsstandorte Jülich und Würzburg werden gemeinsam Quanten-Phänomene topologischer Materialien und deren Chancen für das Quantencomputing erkunden.

An der Entwicklung von Quantencomputern arbeiten weltweit viele Forschungsgruppen. Wenn derartige Computer einmal praxistauglich sind, hätte das viele Vorteile: Sie würden nur wenig Energie verbrauchen und mit einer extrem schnellen Rechenleistung und einer hohen Datensicherheit aufwarten.

Auf dem Weg dorthin stehen aber noch einige technische Hürden. Um hier weitere Fortschritte zu erreichen, intensivieren das Forschungszentrum Jülich und die Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg ihre langjährige Kooperation auf diesem Gebiet.

Die Partner setzen auf die Materialklasse der topologischen Isolatoren. Gemeinsam wollen sie topologische Materialsysteme erforschen und entwickeln, die sich als Bauelemente für Quantencomputer eignen.

Jülich und JMU: Zwei starke Partner vereint

Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, und der damalige JMU-Präsident Alfred Forchel, hatten den entsprechenden Kooperationsvertrag im März 2021 unterzeichnet.

»Die Kooperation mit Jülich bietet der JMU eine große Chance«, so Alfred Forchel. »Auf den Gebieten Festkörperphysik, Halbleiterphysik und topologische Materialien sind wir in Würzburg schon jetzt hervorragend aufgestellt. Mit Jülich haben wir einen starken Partner, dessen Expertise die unsere sehr gut ergänzt. Gemeinsam können wir eine führende Position im topologischen Quantencomputing einnehmen.«

Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, ergänzt: »Die Entwicklung von so hochkomplexen Technologien, wie sie für das Quantencomputing gebraucht werden, ist nur durch die Bündelung von Expertisen und die Kooperation starker Partner erfolgreich zu meistern. Diese Kooperation ist ein wichtiger Grundstein, um die komplementären Kompetenzen der JMU und des Forschungszentrums Jülich in gemeinsamen Anstrengungen zu bündeln, mit dem Ziel, die Möglichkeiten topologischer Materialien für robuste Quantencomputer zu eruieren, und so eine Keimzelle für neue, festkörperbasierte Quanten-Innovationen zu schaffen.«

Vier Forschungsgruppen beteiligt

Die Fördermittel sollen in vier Forschungsgruppen fließen. Sie werden unter anderem dazu verwendet, um an den beiden Standorten vier Nachwuchsgruppen zu etablieren.

Von der JMU sind die Teams der Professoren Laurens Molenkamp (Experimentalphysik) und Björn Trauzettel (Theoretische Physik) an der Kooperation beteiligt. Beide Teams wollen junge Forschende aus Jülich aufnehmen, die hier ihre eigenen Nachwuchsgruppen aufbauen können. Die Idee dahinter: »Die jungen Leute sollen als eine Art 'menschliche Brücken' die Jülicher Expertisen nach Würzburg tragen und umgekehrt«, erklärt Björn Trauzettel.

In Jülich sind die Peter Grünberg Institute in der experimentellen Festkörperphysik und der theoretischen Physik involviert, die von den Professoren Detlev Grützmacher (PGI-9), Stefan Tautz (PGI-3), Stefan Blügel (PGI-1) und David DiVincenzo (PGI-2) geleitet werden. »In einer Fortführung des virtuellen Instituts für topologische Isolatoren, das von der Helmholtz-Gemeinschaft gefördert wird, sollen nun in enger wissenschaftliche Kooperation Synergien in der Erforschung topologischer Isolatoren genutzt werden, um diesen Weg für das Quantencomputing zu ebnen«, beschreibt Detlev Grützmacher die großen Hoffnungen, die in dieses Projekt gesetzt werden.  

Bayern als Förderer

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert das Projekt „Bausteine für das Quantencomputing auf Basis topologischer Materialien mit experimentellen und theoretischen Ansätzen“ mit rund 13 Mio. Euro. Ministerpräsident Markus Söder hatte diese Investition Ende 2019 als Teil der Hightech Agenda Bayern angekündigt.

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