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Ein gutes Geschäft für Softbank?

14. September 2020, 09:10 Uhr   |  Heinz Arnold

Ein gutes Geschäft für Softbank?
© WEKA Fachmedien

Ein gutes Geschäft dürfte der Verkauf von ARM an Nvidia nicht gerade sein – obwohl Softbank 9 Mrd. Dollar mehr als für den Kauf vor vier Jahren erhält.

Laut Masayoshi Son, Chairman und CEO von Softbank, entstünde nun ein Unternehmen, das im Feld der KI führend werde. Genau das ursprünglich die Intention von Softbank gewesen, allerdings in anderer Weise: Durch Übernahmen und Beteiligungen ein Umfeld zu schaffen, in dem Firmen aus IoT und KI und der darauf aufbauenden Geschäftsmodelle prosperieren können. Masayoshi Son war überzeugt, mit dieser Strategie global die vierte industrielle Revolution entscheidend vorantreiben und so am meisten von ihr profitieren zu können. Deshalb hatte er quer durch die Wertschöpfungskette investiert (übrigens auch in Nvidia): von Chipherstellern über Roboterhersteller und Unternehmen, die sich mit IoT und Industrie 4.0 beschäftigen, bis hin zu autonomen Fahren und Fahrdienstfirmen wie Uber sowie Essenslieferanten und Anbieter von Büroräumen sie WeWork.

Als Softbank sich ARM vor vier Jahren einverleibt hatte, sorgte dies für großes Aufsehen. Denn ARM sollte die Chips liefern, die die das Herz der Geräte bilden, die im IoT, IIoT- und KI-Umfeld arbeiten. Deshalb ließ sich Softbank die Übernahme eine Menge Geld kosten, doch Son war überzeugt, mit der Kontrolle über die Halbleiter ein unabdingbares Grundelement der neuen IoT-Welt in der Hand zu haben.

ARM Lizenziert die eigene Prozessortechnik an Unternehmen, die diese Cores als Kernelement für eigene Chips benutzt, die etwa in Smartphones arbeiten. Weil es gelungen ist, sie äußerst energieeffizient auszulegen, ist ARM außerordentlich erfolgreich gewesen und hat vom Aufschwung der Smartphones besonders profitieren können.

Auf dem Gebiet von IoT, IIoT und KI sind allerdings viele Firmen aktiv: Etablierte Halbleiterhersteller wie Intel und AMD wollen genauso von diesem Markt, dem schnelles Wachstum prognostiziert wird, genauso profitieren wie Start-ups. Besonderes Interesse haben auch chinesische Unternehmen gezeigt. Denn China glaubt, in diesem für alle neuen Umfeld besser Chancen zu haben, als in etablierten Felder, in denen IC-Hersteller aus den USA, Europa und dem übrigen Asien jahrzehntelange Erfahrungen gemacht haben und schwer einzuholen sein dürften.  Der Kirin-Prozessor der ARM-Tochter Huawei, die bisher TSMC gefertigt hatte (aber das ist eine andere Geschichte), ist nur ein Beispiel dafür.

ARM ist auch weiterhin erfolgreich, doch dass auf dem relativ neuen IoT-Märkten Newcomer ihre Chance ergreifen und den etablierten Schwierigkeiten bereiten könnten, hat sich nicht nur in China bestätigt. Nvidia, der Käufer von ARM, gehört dazu. 1993 gegründet, hatte sich Nvidia auf Grafikchips konzentriert, die vor allem für Computerspiele benötigt wurden. Dann hat sich herausgestellt, dass die Architektur der GPUs auch für neu entstehende Märkte geeignet ist, vor allem für KI. Das hat Nvidia eine Schub gegeben und das Unternehmen hat ihn genutzt, um die Technik weiter zu entwickeln und in neue Marktsektoren vorzustoßen, beispielsweise Automotive. Damit war Nvidia außerordentlich erfolgreich und hat gemessen am Börsenwert zuletzt sogar Intel überholt.

Ist der Verkauf von ARM also ein gutes Geschäft für Softbank? Es ist immerhin gelungen, aus 31 Mrd. Dollar in vier Jahren 40 Mrd. Dollar zu machen. Doch einen Teil der Übernahme bezahlt Nvidia in Aktien, Softbank steigt zu einem der größten Anteilseigener von Nvidia auf, zwischen 7 und 8 Prozent soll der Anteils von Softbank und dem Vision Fund betragen, wenn das Geschäft wie geplant über die Bühne geht. 25 Prozent der ARM-Anteile hält der berühmte Vision Fund von Son. Er ist in Schwierigkeiten und benötigt dringend Geld. Das deutet darauf hin, dass der Verkauf in dieser Weise doch nicht so geplant gewesen war. Der ursprünglichen Vision dürfte er wohl kaum entsprechen. Außerdem müssen Kombinationen, die auf dem Papier gut aussehen, nicht zum Erfolg in der Realität führen. Gerade die Halbleiterbranche ist dafür bekannt, dass die meisten großen Fusionen am Ende scheitern. Bei Nvidia und ARM liegt der Fall noch komplizierter, weil die Geschäftsmodelle recht unterschiedlich sind: Viele Kunden dürften nicht gerade begeistert drüber sein, dass der Lieferant eines ihrer wichtigsten Cores plötzlich zu einem Chiphersteller gehört, zu dem sie im Wettbewerb stehen. Doch zunächst bleibt abzuwarten, ob das Geschäft die formalen Hürden nehmen kann.

Das alles deutet darauf hin, dass ARM die Erwartungen von Softbank und dem Vision-Fund nicht erfüllt hat und dass Masayoshi Son die Chance sah, Geld frei zu machen. Eine Erfolgsstory ist das Investment in ARM für Son also nicht (wenn auch nicht vergleichbar mit dem WeWork-Debakel). Ob Nvidia und ARM die ideale Kombination sind, von der spricht? 2016 hatte er anlässlich der Übernahme von ARM gesagt, dass das Unternehmen wie eine Kristallkugel sei, aus der sich die Zukunft vorhersehen ließe. Zumindest das war – gelinde gesagt – eine Übertreibung. Bleibt für ARM und Nvidia zu hoffen, dass es diesmal anders kommt.  

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