Analyse zum Infineon Jahresergebnis

»Konsolidieren statt konsolidiert zu werden!«

24. November 2016, 12:32 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Segmente im Detail

Zeit also, sich die Segmente näher anzuschauen, die Infineon als so entscheidend ansieht. Da wäre zunächst einmal „Automotive“. Darunter versteht Infineon Elektromobilität und autonomes Fahren. Um 13 Prozent auf 2,651 Mrd. Dollar ist der Umsatz in diesem Sektor in die Höhe bei einer leicht gestiegenen Segmentmarge von 14,9 (14,1) Prozent gesprungen – wie gesagt, in einem nicht gerade freundlichem Umfeld. Über 50 Prozent tragen Fahrerassistenzsysteme und Elektromobilität zu diesem erfreulichen Ergebnis bei. Und weil Ploss es liebt, in die Technik zu gehen: »Mit IGBTs haben wir einen Design-Win bei einem OEM erzielt, der uns über die nächsten  Jahre einen Umsatz in dreistelliger Millionen-Höhe bescheren wird. Wir sind der größte Zulieferer von Radar-Chips – gerade in der 77-GH-Klasse – in den USA und Asien. Wir haben mehr als 12 Mio. 77-GHz-Radars-Chips in 2016 verkauft, mehr als über die letzten sechs Jahre zusammen. Für 2017 erwarten wir 25 bis 30 Mio. Chips. Wir bauen deshalb die Fertigung in Regensburg aus, um den Bedarf erfüllen zu können. Und mit der niederländischen Innoluce haben wir einen Lidar-Spezialisten gekauft, der unser Radar-Chip-Programm ergänzt und nach diesem Muster einen neuen Markt für uns erschließen wird. Sensoren wie Radar, Lidar und Kamera-ICs sind für das autonome Fahren extrem wichtig«, so Ploss.  »Wir machen das autonome Fahren mit unseren Mikrocontrollern, Leistungshalbleitern, Sensoren und Sicherheitschips möglich: Wir bieten die Sicherheit eines Flugzeugs zu den Kosten eines Autos.«

Kommen wir also zum nächsten Geschäftsgebiet: „Industrial Power Control“. Es ist im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 1,073 Mrd. Euro gewachsen und es umfasst genau das, was man sich unter dem Namen vorstellt: ICs, die in Erneuerbaren Energien – vor allem Wind und Sonne – Anwendung finden. »Unsere Module sind langlebig und senken die Systemkosten. Deshalb werden sie in Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 23 GW eingesetzt – das entspricht 15 Kernkraftwerken«, so Ploss. Und noch eine Zahl nennt er: Die IGBT-Module wandern auch in chinesische Hybrid- und Elektrobusse. 45.000 fahren davon in China und Infineon macht einen Umsatz von 600 Euro pro Bus. »Die Beispiele zeigen: Infineon steigert den Umsatz, die Kunden erhalten dadurch enorme Vorteile – eine echte Win-Win-Situation«, so Ploss.   

Stark wächst auch der Bedarf nach Systemen für die Gleichstromwandlung, wodurch das Segment „Powermanagement & Multimarket“ einen Schub erhält: Um 14 Prozent auf 2,050 Mrd. Euro wächst dieser Bereich – wobei das Ergebnis von 323 auf 328 Millionen Euro nicht ganz mithalten kann und die Marge dementsprechend von 18 auf 16 Prozent fällt. Die Nachfrage an MOSFETs quer durch alle Spannungsebenen steigt, etwa weil der Einsatz von bürstenlosen Gleichstrommotoren rasant steigt. Auch die Nachfrage nach digital geregelten Stromversorgungen steigt, angetrieben unter anderem durch die vielen neuen Rechenzentren. Und die energieeffizienten MOSFETs der CoolMOS-Familie von Infineon finden nun auch in Ladesäulen Einsatz, wo sie die IGBTs verdrängen. »Dadurch reduziert sich der Aufwand für die Kühlung, die Anlagen werden kompakter«, freut sich Ploss. »Nicht umsonst sind wir auf diesem Gebiet die Nummer 1 in China.«

Auch das Segment „Chip Card & Security“ kann sich über ein Wachstum von 5 Prozent auf 698 Mio. Euro freuen. Die Profitabilität stieg leicht von 18,9 auf 19,3 Prozent, »die höchste Profitabilität seit der Gründung von Infineon«, so Ploss. 70 Prozent aller Ausweisprojekte in Europa gehen an Infineon, auch in Südamerika und in Asien entwickeln sich die Geschäfte gut. Auch kleinere Projekte wie das Sicherheitssysteme für Flughäfen in Korea. »Das ist auch ein Durchbruch für den offenen Sicherheitsstandard CIPURSE«, freut sich Ploss.

Für das kontaktlose Bezahlen entwickelt Infineon ebenfalls Systeme: Wer einen NFC-Ring mit OPTIGA-Chips trägt, braucht ihn nur in die Nähe eines Lesegeräts zu halten – das den Ring auch drahtlos mit Energie versorgt – das Bezahlen erfolgt automatisch. Jetzt unterstützt auch die Software-Plattform des amerikanischen Embedded-Spezialisten Mocana die OPTIGA-Chips. Jetzt können die Entwickler also schnell über die OPTIGA-Chips einen hardwarebasierten Schutz in ihre Geräte integrieren – für den Einsatz in intelligenten Fabriken in der Infrastruktur, in Autos und anderen IoT-Märkten. Ploss: »Das zeigt auch: Kooperationen mit anderen Unternehmen, hier einem integriertem Software-Hersteller, sind in der IoT-Welt essentiell.«

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