ZVEI: Elektro- und Digitalindustrie

Gute Zahlen, aber viele Baustellen

24. Januar 2022, 12:53 Uhr | Iris Stroh
Produktionszahlen 2021
© ZVEI

Der ZVEI hat die Umsätze der Elektro- und Digitalindustrie vom letzten Jahr vorgelegt, seine Prognose für dieses Jahr abgegeben, aber auch angemahnt, dass diverse Baustellen endlich angegangen werden müssen.

Zunächst zu den erfreulichen Dingen: »Die Elektro- und Digitalindustrie hat die Verluste von 2020 im letzten Jahr mehr als wettgemacht«, erklärt ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel anlässlich der stattfindenden Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI. Ging der Umsatz im Jahr 2020 um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, konnte 2021 ein Plus von 9 Prozent erzielt werden, »damit sind wir erstmals untermittelbar vor der 200-Mrd.-Euro-Marke, diese dürfte in diesem Jahr überschritten werden«, so Kegel weiter. Er betont, dass die Entwicklung insofern sehr beachtlich sei, weil auch das letzte Jahr noch von Covid bestimmt wurde, allerdings dank besserem Management mit weniger Auswirkungen (z.B. keine geschlossenen Grenzen). Kegel ist überzeugt, dass die Entwicklungen im letzten Jahr gezeigt hätten, dass die Unternehmen keine Pandemiebeschleuniger sind, dementsprechend sei es richtig, sich über Quarantäneregelungen Gedanken zu machen und er betont auch: »Der wirkungsvollste Schutz ist die Impfung.«

Batteriesektor sprengt alle Grenzen

Laut seiner Aussage konnten alle Teilbereiche zulegen, manche besonders gut. Dazu zählt er beispielsweise den Batteriesektor mit einem Plus von über 40 Prozent – steigende E-Mobilität, einschließlich E-Bikes, sei Dank. Auch der Hausgerätesektor hat sich im letzten Jahr als ausgesprochen stabil auf sehr hohem Niveau gezeigt, Kegel hält in diesem Segment ein Plus von 7 Prozent für wahrscheinlich. Daneben laufe auch die Medizintechnik prächtig, nicht nur wegen Covid, sondern auch wegen anhaltender Digitalisierung, aber auch der demographischen Entwicklung. Dank der erfreulichen Wachstumsraten ist die Anzahl der Beschäftigten in der Elektro- und Digitalindustrie im letzten Jahr um 5000 auf 877.000 gestiegen, lediglich 15.000 waren noch in Kurzarbeit, »was aber häufig auf Versorgungsprobleme zurückzuführen war«, so Kegel weiter.

Ausfuhren

Im letzten Jahr lagen die Ausfuhren der Elektro- und Digitalindustrie geschätzt über 220 Mrd. Euro, was einem Plus von 10 Prozent gegenüber 2020 entspricht. Damit ist dieser Bereich die zweitstärkste Exportbranche im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland. Die Exporte nach China und in die USA um 8 bzw. 9 Prozent zu, Kegel weiter: »Europa ist weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für unsere Industrie, 2/3 der Exporte gehen nach Europa, und in diese Region ist der Umsatz sogar um 12 Prozent gewachsen.«

Globalisierung gefährdet

Auch wenn die Zahlen unbestritten sehr gut seien, dürfe man nicht blauäugig werden, mahnt Kegel. Im Gegenteil, denn die Globalisierung gerät immer stärker unter Druck. Es bestehe die Gefahr, dass der globale Welthandel in große Blöcke aufgeteilt wird, so dass freie Handelsräume immer seltener werden. Kegel mahnt außerdem, dass Europa sich wieder um Handelsabkommen bemühen müsste und verweist in diesem Zusammenhang auf RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), ein Freihandelsbündnis in Asien. Kegel erwartet zwar, dass Europa/Deutschland durchaus von diesem neuen Handelsraum profitieren wird, allerdings sollten auch die Europäer über Handelsabkommen nachdenken, allerdings dann nicht 20 Jahre brauchen, oder es komplett wieder aus den Augen verlieren.

2022 wird erneut ein Wachstumsjahr

Letztes Jahr hat die Automobilindustrie bekanntermaßen unter den Lieferschwierigkeiten auf der Halbleiterseite gelitten, laut Kegel hat es aber auch die Elektro- und Digitalindustrie hart getroffen: »Ohne die Lieferengpässe wäre das Wachstum noch deutlich größer ausgefallen.« Nachdem der Bedarf höher als die Produktionskapazitäten ist, entsteht ein Verteilungskampf, und hier wähnt Kegel die deutsche Elektro- und Digitalisierungsindustrie irgendwo in der Mitte. Die Knappheit wird weiter bestehen, Kegel rechnet nicht damit, dass es vor Jahresmitte überhaupt zu irgendeiner Entspannung kommt, er geht sogar davon aus, dass das gesamte Jahr noch vom Halbleitermangel beherrscht wird, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Kegel weiter: »Wir hoffen, dass 2023 wieder Normalität vorherrscht.« Dass dieses Jahr auf alle Fälle noch schwierig bleiben wird, liegt unter anderem daran, dass alles, was jetzt an Kapazitätsaufbau stattfindet, einfach dauert, bis diese greift. Es liegt aber auch daran, dass es einen enormen Auftragsbestand gibt, den es abzuarbeiten gilt.« Laut seiner Aussage beträgt der derzeitige Auftragsbestand 5 Monate, »weshalb wir davon ausgehen, dass unsere Industrie auch in diesem Jahr wachsen wird.« Ein Plus von 4 Prozent hält er für durchaus möglich, wenn nicht sogar noch mehr, wenn es der Industrie gelingen würde, die Auftragsbestände abzubauen.


  1. Gute Zahlen, aber viele Baustellen
  2. Probleme, die gelöst werden müssen

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