Verschränkungen nachgewiesen

Das Gehirn – ein Quantencomputer?

26. Oktober 2022, 6:00 Uhr | Heinz Arnold
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Eigentlich wollten sie nachweisen, dass Quantengravitation existiert – jetzt zeigten die Forscher am Trinity College, Dublin, dass die Quantenmechanik im Gehirn eine Rolle spielen muss.

Dr. Christian Kerskens, Lead Physicist am Trinity College Institute of Neuroscience (TCIN) in Dublin und Co-Autor eines Artikels, der jetzt im Journal of Physics Communications erschien, erklärte, dass das Team bekannte Quantensysteme mit unbekannten interagieren lassen wollte, um Hinweise darauf zu finden, dass die Quantengravitation existiert. Ihr Ausgangspunkt: Wenn Sie messen, dass bekannte Quantensysteme sich mit unbekannten irgendwie gearteten Systemen verschränkt haben, dann muss es sich bei den unbekannten System ebenfalls um ein Quantensystem handeln. »Auf diese Weise können wir die Schwierigkeiten umgehen, etwas messen zu wollen, über das wir überhaupt nichts wissen«, sagt Christian Kerskens.

Ein Blick ins menschliche Hirn

Dieselben Methoden wandten sie dann an, um tiefer ins Gehirn zu schauen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass Quantenprozesse sowohl am Kurzzeitgedächtnis als auch an der bewussten Wahrnehmung beteiligt sein könnten.

Für ihre Experimente verwendeten die Wissenschaftler Gehirnflüssigkeit. Die Protonen-Spins des darin enthaltenen Wassers lassen sich mit Hilfe von Magnetic Resonance Imaging (MRI) feststellen, sie bilden das bekannte Quantensystem. »Dann suchen wir neuronale Ereignisse, die man sonst nicht mit Hilfe des MRI sieht, sondern zum Beispiel nur mit EEGs. Wenn man die Ereignisse normalerweise nicht mit MRI messen kann, sondern nur, wenn man eine Methode benutzt, die auch Verschränkungen messen kann, dann kann das MRI Signal nicht klassisch sein. Dazu muss man sagen, dass das MRI-Signal ein makroskopisches Signal ist und daher –  fast – immer klassisch ist«, erklärte Dr. Christian Kerskens gegenüber Markt&Technik. »Tatsächlich fanden wir mit Hilfe einer abgewandelten MRI-Maschine MRI-Signale, die vom Herzschlag hervorgerufenen Potenzialen entsprangen, eine Art von EEG-Signal. EEGs messen aber elektrische Hirnströme.«

Unser Gehirn - besser als ein Supercomputer?

Die Wissenschaftler um Christian Kerskens sind überzeugt, dass sie die Signale nur deshalb messen konnten, weil die Protonen im Gehirn verschränkt waren: »Falls das wirklich die einzige Erklärung ist, dann bedeutet dies, dass die die Prozesse im Gehirn mit den Spins interagiert haben müssen. Also müssen diese Interaktionen auf Basis der Quantenmechanik funktionieren.«

Seiner Meinung nach könnten Quantenprozesse im Gehirn auch erklären, warum wir viel besser als Supercomputer sind, wenn es darum geht, auf unvorhergesehen Umstände zu regieren, Entscheidungen zu treffen und Neues zu lernen. Vielleicht können wir in naher Zukunft gar Computer per Hirnströme steuern.


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