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Swissbit feiert 20 Jahre

Zum Geburtstag Aufbruch in neue Geschäftsfelder

Nach dem 20. Geburtstag Swissbit - in neue Geschäftsfelder vorzustoßen: die klassischen Speicherprodukte weiterzuentwickeln, den Security-Bereich auszubauen und Produkte ohne Speicher anzubieten
© Lukas Gojda | Shutterstock

Zum 20. Geburtstag hat sich Swissbit viel vorgenommen, um in neue Geschäftsfelder vorzustoßen: die klassischen Speicherprodukte weiterzuentwickeln, den Security-Bereich auszubauen und Produkte ohne Speicher anzubieten.

»Wir entwickeln unsere reinen Speicherprodukte fort, dringen daneben aber auch in ganz neue Gebiete vor, besonders dort, wo es um neue Sicherheitsanforderungen geht«, sagt Silvio Muschter, CEO von Swissbit. Die Grundlagen dafür hatte Swissbit schon 2013 gelegt: Damals wurde eine microSD-Karte entwickelt, die über Security-Funktionen in Hardware und Software verfügte. »Das war damals eine wichtige Neuerung, die sich inzwischen voll durchgesetzt hat«, erklärt Muschter. Um sich auf die jeweiligen Schwerpunkte besser fokussieren zu können, wurde Swissbit in die Divisionen »Memory Solutions« – die traditionellen Produkte – und »Embedded IoT Solutions« organisiert, in der Security die entscheidende Rolle spielt.

Ein Beispiel dafür, was Swissbit in dieser Division entwickelt, sind Licence-Protection-Produkte für die Automatisierungsbranche. So nutzt Phoenix Contact die Swissbit SD-Karte »PS-46 DP«, um damit Softwarelizenzen für seine Steuerungsplattform »PLCnext Control« sicher zu verteilen und auszurollen. Im konkreten Fall werden über die unveränderliche Identifikationsnummer der Karte, durch eine vom Anwender erzeugte Seriennummer sowie eine im Hidden Memory abgelegte Prüfsumme Lizenzen und SD-Karte fest miteinander verbunden. So bleiben die SD-Karte und damit auch die Softwarelizenz portabel. Das führt zu einem schnelleren Roll-out, denn die Lizenzen müssen weder vom Integrator noch vom Endkunden vor Ort einzeln über einen Computer aktiviert werden. Der Anwender kann so umgehend mit der Programmierung der SPS beginnen und sie entsprechend nach seinen Anforderungen konfigurieren. Im Betrieb arbeitet die PS-46 DP damit nicht nur als Speichermedium, sondern auch als Lizenz-Dongle. »Wir sind sehr stolz, dass die Nachfrage nach solchen Systemen nun kräftig steigt«, freut sich Muschter.

Relevante Anbieter

Einblick in die Fertigung mit umfangreichem Testprogramm
Einblick in die Fertigung mit umfangreichem Testprogramm.
© Swissbit

Auch in Richtung Cloud wird Swissbit diese Strategie fortführen und arbeitet bereits mit Partnern zusammen: »Wir dringen also auch hier in ganz neue Felder vor, um den Kunden eine Abkürzung zu bieten und ihnen zu ersparen, das Rad zum zweiten Mal erfinden zu müssen.« Zudem wird Swissbit künftig Produkte auf den Markt bringen, die keinen Speicher mehr enthalten. Das ist ebenfalls eng mit der Sicherheitsstrategie verbunden, genauso wie die eigene Fab in Berlin, wo Swissbit eine sichere Fertigungsumgebung sowie neue Advanced-Packaging-Techniken bietet.

Vor allem freut sich Silvio Muschter darüber, dass Swissbit nach einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Jahr 2020 auch für 2021 mit einem Rekordergebnis rechnen darf – und das passend zum zwanzigjährigen Geburtstag. »Im Juli 2001 wurde Swissbit aus dem Siemens-Halbleiterbereich in der Schweiz ausgegründet«, weiß Silvio Muschter noch genau, denn er war seit Tag eins dabei.

Dazu ein kleiner Rückblick: Die Idee hinter der Ausgründung war, fortan Speicherkarten für PCs im Alleingang zu liefern. Doch schon in den Jahren 2007/8 fand auf dem PC-Markt in Europa eine Konsolidierung statt. Für Swissbit stellte sich die Frage, wie es unter diesen Bedingungen weitergehen sollte. Damals traf das Management die Entscheidung, ausschließlich für den Industriemarkt zu fertigen, was sich wiederum als eine glückliche Wahl herausstellen sollte: »Sonst wären wir mit Qimonda gestorben«, so Muschter.

Einige Jahre darauf – 2013/14, als Swissbit die Grundlage für die Security-Strategie legte – kamen die SSDs auf. »Damals waren die größeren Formfaktoren in der Industrie nicht üblich – wir brachten sie erfolgreich in genau diesen Anwendungssektor«, erinnert sich Muschter

Security in der Praxis

Schon seit dem 1. Januar 2020 dürfen in Deutschland keine Kassen mehr in Betrieb genommen werden, bei denen nicht gewährleistet ist, dass diese bis zum 31. März 2021 gesetzeskonform mit einem zertifizierten TSE-System (Technische Sicherheits-einrichtung) ausgerüstet wurden. Darüber hinaus müssen bis spätestens Ende 2022 alle im Feld befindlichen Registrierkassen nachgerüstet sein. Swissbit hat schon früh eine solche TSE-Lösung entwickelt. Sie stellt sicher, dass die Daten im Speicher manipulationssicher sind, um Steuerbetrug zu verhindern. »Wir haben dies als eine Chance für unsere Security-Features gesehen und diese Nische relativ früh besetzt«, sagt Silvio Muschter, CEO von Swissbit. Das Fiskalisierungssystem ist steckbar und damit einfach zu integrieren. Der Anschluss erfolgt über die USB-, SD- oder microSD-Schnittstelle. Deshalb können sowohl Anbieter klassischer Kassensysteme als auch Hersteller von Kassensoftware die Swissbit-TSE in PCs und Tablets integrieren. Zudem eignet es sich, um bereits bestehende Kassensysteme kostengünstig nachzurüsten. Das Geschäft damit läuft gut, denn nach einigen Fristverlängerungen wird noch immer eifrig umgerüstet.

Doch dieser Ansatz lässt sich laut Muschter in viele verschiedene Anwendungsfälle bringen: »Auch Qualitätsdaten müssen sicher gespeichert werden. Wir müssen die jeweiligen Probleme zusammen mit den Kunden nur erkennen und gemeinsam lösen. Dieser Weg funktioniert immer besser, weil auch den Kunden die Problematik zunehmend klar wird.«

Ein Beispiel dafür ist ein Sicherheitssystem, das in Bodycams Einsatz findet, wie sie Polizisten oder Ärzte verwenden, oder in Dashcams. Die Daten seien dort sicher auf der Karte gespeichert – und zwar unabhängig von der Kamera. Außerdem kann das System so DSGVO-konform gemacht werden, indem beispielsweise Zugriffsrechte festgelegt werden.

 

2017 stand dann wieder eine grundlegende Entscheidung an: Weil es nicht mehr möglich war, sich auf dem Gebiet der DRAM-Karten grundlegend von den Wettbewerbern zu differenzieren, stieg Swissbit ganz aus diesem Sektor aus, um sich fortan auf Flash-Karten und Security-Systeme zu konzentrieren. »Inzwischen denken wir vor allem in Systemen und Security und kümmern uns darum, komplexe Systeme schnell auf den Markt zu bringen«, sagt Muschter. Parallel dazu ist es dem Unternehmen gelungen, die Flash-Produkte und die Security-Systeme an die Anforderungen der Automobilhersteller anzupassen und in den für Swissbit damals neuen Automotive-Sektor einzusteigen.

Silvio Muschter, CEO von Swissbit: »Inzwischen denken wir vor allem in Systemen und Security und kümmern uns darum, komplexe Systeme schnell auf den Markt zu bringen.«
Silvio Muschter, CEO von Swissbit: »Inzwischen denken wir vor allem in Systemen und Security und kümmern uns darum, komplexe Systeme schnell auf den Markt zu bringen.«
© Swissbit

Wie ernst Swissbit das Thema Security nimmt, zeigte die Übernahme des deutschen Flash-Controller-Spezialisten Hyperstone im Dezember vergangenen Jahres. »Jetzt haben wir die Chance, uns zusammen mit Hyperstone nicht nur über die Firmware, sondern auch über die Hardware auf Controller-Ebene differenzieren zu können«, so Muschter. Denn das IP auf Controller-Ebene ist entscheidend, zumal die 3D-NAND-Flash-ICs immer komplexer werden. Unter einem Dach kann es besser geschützt werden.

Denn meist kommen laut Muschter die Flash-Speicherhersteller an das Controller-IP nicht so ohne Weiteres heran. Durch die Übernahme erhält Swissbit Zugriff darauf und kann dann die eigenen Fortschritte auf diesem Gebiet dem Markt und anderen Flash-Speicherherstellern wieder zu Verfügung stellen: »Gemeinsam mit Hyperstone befinden wir uns in einer einzigartigen Position. Wir kontrollieren jetzt die gesamte Wertschöpfungskette von Design und Entwicklung der Systeme über Produkte, Module, Controller bis zu Firmware und Fertigung im eigenen modernen Werk in Berlin. Zusammen mit Hyperstone erreichen wir ein neues Qualitätslevel, um die Security-Strategie auf allen Ebenen voranzutreiben.«

Neue Fertigung von Swissbit in Berlin seit Ende 2019
Neue Fertigung von Swissbit in Berlin seit Ende 2019.
© Swissbit

Mit dem Werk in Berlin, dessen Erweiterung im Dezember 2019 in Betrieb genommen wurde, ist Swissbit eine der ganz wenigen Firmen, die in Europa Speicherkarten fertigen. 2019 wurde das Werk in Berlin kräftig erweitert. Das macht sich in Zeiten von Wirtschaftskrisen und Corona doppelt bezahlt. Vor allem aber kann Swissbit nun der Forderung der Kunden nach der »Trusted Supply Chain« effektiv nachkommen. »Dazu müssen die Entwicklungs- und Fertigungsprozesse selbst abgesichert sein«, erklärt Muschter. In Kombination mit den Hardwaresicherheitsankern und der Firmware von Hyperstone kann die vollständige Sicherheitskette realisiert werden. »Wir können die Sicherheit der Firmware und die Sicherheit jeder einzelnen Komponente innerhalb eines Gerätes nachweisen. Das ist der Trend, der sich bereits abzeichnet – wir sind darauf vorbereitet.« Die Schwierigkeit besteht darin, die dazu erforderliche Organisation zu etablieren. »Steht sie aber erst einmal, dann läuft alles ohne weiteren großen Aufwand ab. Auch aus diesem Aspekt war die Übernahme von Hyperstone so wichtig.« Grundsätzlich kann dies zwar auch mit anderen Controller-Herstellern realisiert werden. »Das wird dann aber komplexer.«

In diesem Zusammenhang kommt die eigene Fertigung mit dem Advanced Packaging ins Spiel: »Das ist nicht nur für die Speicher wichtig. Über das Packaging können wir Seitenangriffe und Reverse Engineering verhindern. Das wird immer notwendiger und ist ein weiterer Puzzlestein für ›Security by Design‹.« Entsprechende Controller sind derzeit in der Entwicklung.

Das heißt aber nicht, dass Swissbit den Bereich »Memory Solutions« vernachlässigen will, für den Security ebenfalls eine wichtige Rolle spielt: Security-Features sind in den Speichern oft einfacher zu integrieren als auf der CPU-Seite. »Im Feld lassen sie sich problemlos aktivieren, oft ‚nur‘ über Firmwarefunktionen, was zunächst nichts kostet.« Auf diesem Sektor hat sich Swissbit verschiedene Ziele gesetzt: Die Produkte auf Basis der 3D-NAND-Flash-ICs mit ihrer steigenden Anzahl an Layern industriesicher zu machen, die Einführung erweiterter Power Loss Protection (PLP) Features sowie die Trusted Supply Chain weiter zu stärken. Auch hier sind weitere Allianzen mit Halbleiterherstellern geplant.

Was bei aller Planung leider nicht vorhergesagt werden konnte, waren Corona und die Auswirkungen auf die globalen Lieferketten. Wie stark ist Swissbit von der Knappheit betroffen? Hier muss laut Muschter zwischen verschieden Sektoren unterschieden werden: Flash-Speicher-ICs, Controller, Substrate sowie Assembly und Test. Wegen der langjährigen guten Beziehungen zu den Flash-IC-Herstellern ist das laufende Geschäft von Swissbit wenig betroffen. Das gilt für das Ramp-up-Geschäft leider nicht. Allerdings geht Muschter davon aus, dass sich der Flash-IC-Markt relativ schnell entspannen wird, voraussichtlich bis Mitte 2022.

Dass besonders die Flash-Controller-ICs derzeit sehr knapp sind, ist kein Geheimnis. »Hier konnten wir von der Übernahme von Hyperstone natürlich profitieren, Hyperstone selbst lässt bei Globalfoundries fertigen und kann liefern.« Das Geschäft mit Karten, auf denen die Controller anderer Hersteller Einsatz finden, leidet dagegen. Vor allem Produktgruppen, die jetzt sehr schnell hochgefahren werden, sind schwierig zu bedienen. »Zu wachsen ist in dieser Phase nicht einfach«, sagt Muschter. Und er macht darauf aufmerksam, dass den Kunden eine weitere Gefahr durch die Allokation droht: »Einige Speicherkartenhersteller steigen zu früh auf Generationen um, die noch nicht ausgereift sind.«

Was aber die Substrate betrifft, so sitzt Europa vollkommen auf dem Trockenen: »Gerade bei spezifischen Dingen, wie beispielsweise den Substraten, ist die Abhängigkeit sehr stark«, erklärt Muschter. »Nächstes Jahr wird auf jeden Fall ein spannendes, geprägt von Knappheit auf verschiedenen Gebieten. Während sich die Situation für Flash-ICs voraussichtlich entspannt, werden die Flash-Controller im kommenden Jahr wohl noch knapp bleiben, vielleicht sogar darüber hinaus. Unter solchen Bedingungen zu wachsen ist eine Herausforderung.« Deshalb ist Swissbit dabei, mit verschiedenen Zulieferern ein ausgeklügeltes Ecosystem zu schaffen.

Außerdem konnte Swissbit wegen der eigenen Fertigung und der Hoheit über die gesamte Wertschöpfungskette in diesem Jahr den Produktmix schnell und flexibel hin zu höherwertigen Karten verschieben, wie Muschter erklärt: »Auch das zeigt uns, dass wir tatsächlich an den richtigen Stellen investiert haben.« Das ist ein guter Ausgangspunkt, um die Erfolgsgeschichte des Unternehmens trotz aller Schwierigkeiten durch Corona, der Störungen in der Lieferkette und der knappen ICs fortzusetzen. Dass Swissbit es versteht, sich auf immer wieder ändernde Bedingungen schnell einzustellen, hat das Unternehmen über die vergangenen 20 Jahre gezeigt. Kein Wunder, dass Silvio Muschter den kommenden Jahren mit Optimismus entgegenblickt und trotz aller Widrigkeiten mit weiterem Wachstum rechnet.

 


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