Obsoleszenzmanagement

Die Digitalisierung dauert leider noch

10. Juni 2022, 13:59 Uhr | Heinz Arnold
IIOM
Wolfgang Heinbach, Präsident IIOM: »Obsolescence ist ein weltweites Problem, das haben wir alle über die vergangenen zwei Jahre auf die harte Tour gelernt!«
© IIOM

Mit PCNs auf Papier ist ein Obsoleszenzmanagement nicht sinnvoll zu betreiben. Doch es gibt noch mehr Ansätze bis hin zum digitalen Zwilling, um der Änderungsflut Herr zu werden, wie auf der IIOM-Konferenz zu erfahren war.

Obsoleszenzmanagement bedeutet vor allem: Wir müssen auf globaler Ebene miteinander sprechen und uns kontinuierlich austauschen, um voneinander lernen können. Deshalb brauchen wir einen Standard«, sagte Wolfgang Heinbach, Präsident des International Institute of Obsolescence Management (IIOM), zur Eröffnung der diesjährigen Konferenz in München – der ersten, die seit der Veranstaltung in London 2019 wieder stattfinden konnte. Das Schöne daran: »Einen solchen digitalen Standard haben wir bereits: smartPCN.«

Doch dazu später – zunächst einmal das Allerwichtigste: dass sich die Obsolescence-Management-Gemeinde endlich wieder persönlich zur Konferenz in München sehen und das so wichtige Networking auf globaler Ebene betreiben konnte. »Obsolescence ist ein weltweites Problem, das haben wir alle über die vergangenen zwei Jahre auf die harte Tour gelernt!«, so Heinbach. Die gute Nachricht: »Das IIOM ist der einzige Akteur, der das gesamte Obsolescence Management abdecken kann.« Und das wäre auch unbedingt nötig, denn wie TJ Zitkevitz von Lockheed Martin RMS Global Sustainment in seinem Vortrag eindeutig formulierte: »Obsolescence wird unweigerlich eintreten.« Technologie-Updates und Software-Wechsel müssten also ganz selbstverständlich eingeplant werden, nichts ginge mehr wie vor zwanzig Jahren.

Zunächst aber zählte vor allem aber eines: »Networking ist wieder möglich – und macht Spaß!« Denn der sollte schließlich nicht zu kurz kommen, um das große Ziel zu erreichen: dass alle Beteiligten quer durch die Lieferkette bis zum letzten Zulieferer der Zulieferer gemeinsame Methoden anwenden, die entsprechenden geprüften Prozesse und die Audits für die Verifizierung des Obsoleszenzmanagement durchführen können – und endlich zu einer gemeinsamen Sprache finden.

Steinleitner
Martin Steinleitner, Syliom Consulting: »Produktionsmaschinen können auch obsolet werden, das muss unbedingt abgebildet werden.«
© IIOM
Zitkevitz
© IIOM

»Diese Sprache muss digital sein!« – darüber waren sich die Teilnehmer der IIOM-Konferenz in München einig. Viel zu viele Unternehmen mühen sich immer noch damit ab, die PCNs und PDNs, die sie von Hunderten verschiedener Zulieferer und Distributoren bekommen, händisch in Excel-Tabellen einzutragen. Um aber das Ziel erreichen zu können, den technischen Lifecycle für Obsolescence und damit schlussendlich die Digital Gouvernance zu gewinnen, sind noch viel mehr Daten erforderlich. »Wir produzieren Berge von Papier mit Daten, aber was wollen wir mit ihnen und welche Probleme wollen wir lösen, und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes?«, fragte Dr. Detlev Richter, VP Global Head of Industrial & Energy Products von TÜV Süd.

Seine Idee für das Obsoleszenzmanagement über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts: Das anzuwenden, was auf Gebieten wie Industrie 4.0 und Advanced Robotics bekannt ist. Digital Twins, darauf sollte der Digital Lifecycle basieren. Das wird dort beispielsweise gemacht, um die Sicherheit der Systeme zu gewährleisten. Dieses Sicherheitskonzept beruht auf drei Säulen: gut ausgebildeten Mitarbeiter, dem vorgegebenen Entwicklungsprozess und den Anforderungen an das Produkt. Jetzt müsse noch eine vierte Säule hinzukommen, fordert Richter: »Sämtliche PCNs müssen berücksichtigt werden. Denn wenn sich die Maschine ändert, ändert sich auch die Safety. Das ist die vierte Säule, die Entwicklung des Lifecycle.«

Der digitale Zwilling spielt dabei eine wichtige Rolle: Er ist ein Modell für das Verhalten der Maschine – nicht die Daten im Datenblatt. Die Informationen aus ganz unterschiedlichen Quellen – dem ERP-System, Smart Maintance und aus den smartPCNs (standardisiert im VDMA-Einheitsblatt 24903) – müssen im digitalen Zwilling zusammenfließen. Dann kann eine Information von der Maschine in der realen Welt auf den digitalen Zwilling in der virtuellen Welt weitergegeben werden, dort wird eine Entscheidung getroffen und als Aktion wieder an die Maschine in der realen Welt zurückgegeben. Die Daten aus der smartPCN enthalten alle Informationen, die erforderlich sind, um die anstehenden Entscheidungen zu treffen, falls beispielsweise ein Controller obsolet wird.

Wesentlich dabei ist laut Richter: »Das alles muss Event-getriggert sein: Es genügt nicht, dass ein Hersteller meldet, dass ein bestimmtes Material nur noch schwer zu bekommen ist, diese Info muss im digitalen Zwilling landen. Dazu muss der Hersteller keinerlei Geheimnisse verraten – aber er würde damit erheblich zur Transparenz in der Supply Chain beitragen; jeder, der in der Supply Chain betroffen ist, wird dies dann auf dem Schirm haben und kann seinerseits reagieren.« Ganz wichtig ist, dass dies alles im Hintergrund läuft; Meldungen laufen erst dann, wenn sie als relevant erkannt wurden. »Auf PCNs zu warten, die per E-Mail in den unterschiedlichsten Formaten eingehen oder auch mal verloren gehen, um sie händisch einzugeben, kann nicht mehr funktionieren, das muss automatisiert und digitalisiert werden«, so Richter. Dass die Digitalisierung gut funktionieren kann, zeigt smartPCN.«


  1. Die Digitalisierung dauert leider noch
  2. Digitalisierung mit smartPCN
  3. Das war die fünfte internationale Obsoleszenz-Konferenz

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

FBDi Fachverband Bauelemente Distribution e.V.