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IoT-Netz hilft beim Finden gestohlener Fahrzeuge

16. Juli 2021, 10:00 Uhr   |  Von Nicolas Andrieu

IoT-Netz hilft beim Finden gestohlener Fahrzeuge
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Gestohlene Autos wiederzufinden, ist mindestens langwierig. In den allermeisten Fällen geht die Suche sogar ins Leere. IoT-Netze wie das 0G-Netz von Sigfox verfügen über Eigenschaften, die die Wiederbeschaffung der Fahrzeuge aussichtsreicher machen.

Früher haben Diebe die Scheibe eingeschlagen, den Wagen kurzgeschlossen – und fuhren davon. Heute erfolgen 85 Prozent der Diebstähle über die Elektronik. Eine Methode ist das Mouse-Jacking, das nicht nur Zutritt zum Fahrzeug verschafft, sondern es den Kriminellen erlaubt, dieses ganz ohne sichtbare Einbruchsspuren zu stehlen. Auch ein Tracking der auf klassischem Mobilfunk basierten Einbruchmeldesystemen können Autodiebe mittlerweile verhindern.

Diese Systeme sind meistens direkt an die zentrale Steuerung der Fahrzeuge angebunden, um sie mit Strom zu versorgen, aber auch um sie beispielsweise für Telematik zu nutzen. Solche Mobilfunklösungen sind schnell aufzuspüren und recht einfach vom Funknetz zu trennen. Dafür reicht schon ein tragbarer Signaljammer, der von jedermann kostengünstig im Internet erworben werden kann. Sicherungssysteme mit Mobilfunktechnologie sind letztlich also kaum wirksam, was Zahlen aus Frankreich eindrücklich belegen: 80 Prozent der gestohlenen Fahrzeuge dort verfügen nämlich bereits über solche Sicherungssysteme.

Insgesamt wird der Statistik nach nur jeder fünfte Wagen wiedergefunden und rund ein Drittel der wiederbeschafften Fahrzeuge sind beschädigt. Wird das Auto beschädigt gefunden, können Versicherungen sich dennoch weigern, für den Schaden zu zahlen, weil durch die Manipulation an der Elektronik keine Einbruchsspuren vorhanden sind.
Da die gesamte Recherche zudem häufig langwierig ist, sinken die Chancen für eine Wiederbeschaffung noch weiter, weil dadurch ausreichend Zeit bleibt, das Fahrzeug in seine Einzelteile zu zerlegen oder an das andere Ende der Welt zu verschiffen.

In Europa werden geklaute Autos in der Regel schnell von einem Land ins andere gebracht, um der Polizei so zu entwischen. Obwohl die EU ein Programm zur Überwachung des Verkehrs und zur Entwicklung einer gemeinsamen Datenbank für gestohlene Fahrzeuge entwickelt hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gestohlenes Fahrzeug in ein anderes Land gebracht wird und dort aus den Augen verloren geht, sehr hoch.

Bislang nützt es wenig, teure Lösungen für die Wiederbeschaffung in die Fahrzeuge zu integrieren, die zudem regelmäßig gewartet werden müssen. So bietet der Markt zur Wiederbeschaffung gestohlener Wagen (Global Stolen Vehicle Recovery Market, kurz SVR) zwar Sicherungssysteme mittels Biometrie, RFID sowie Ultraschallsensoren zur Innenraumüberwachung an.

Die Kosten, der potenzielle Ausfall dieser elektronischen Komponenten sowie auch die für die Installation benötigte Zeit sind Faktoren, die das Wachstum dieses globalen Marktes verlangsamen und die Einführung solcher Systeme behindern. Deshalb stehen SVR-Unternehmen heute vor der Herausforderung, technische Alternativen zu finden, die mindestens dieselbe Sicherheit wie die auf Mobilfunk basierenden Sicherungssysteme bieten, dabei aber störsicherer sind und zu deutlich geringeren Kosten mindestens gleichwertigen Kundennutzen bieten.

Nutzung des 0G-IoT senkt Kosten

An diesem Punkt kommt das 0G-Netz von Sigfox ins Spiel. Denn im Vergleich zu klassischen Mobilfunknetzen wie auch Nahbereichsnetzen (beispielsweise Bluetooth) erfüllt dieses IoT-Netzwerk wesentliche Voraussetzungen für wirksame Sicherungssysteme, die das Wiederauffinden gestohlener Fahrzeuge erleichtern. Zum ersten ist das 0G-Netz weltweit verfügbar (Bild 1). In Deutschland hat es bereits eine Abdeckung von 90 Prozent (Stand: September 2020), in Europa steht es grenzüberschreitend zur Verfügung. Dabei entstehen keine Roaminggebühren, was die Kosten deutlich senkt.

Autodiebe arbeiten über Ländergrenzen hinweg. IoT-basierte Alarmsysteme können durch das 0G-Netz weltweit senden und geortet werden
© Sigfox

Bild 1. Autodiebe arbeiten über Ländergrenzen hinweg. IoT-basierte Alarmsysteme können durch das 0G-Netz weltweit senden und geortet werden.

Zum zweiten nutzt das 0G-Netz von Sigfox zur Übertragung lizenzfreie Frequenzbänder, sodass keine Kosten, wie sie beispielweise bei der Ersteigerung der 3G/4G/5G-Mobilfunkfrequenzen entstanden sind, an 0G-Kunden weitergegeben werden müssen. Drittens haben über 0G angebundene Devices einen niedrigen Strombedarf, was einen langen autarken Betrieb erlaubt. Das führt zum vierten Benefit, den niedrigen Kosten im laufenden Betrieb.

Weil 0G-IoT-Devices für die Datenübermittlung sehr wenig Strom benötigen und ihr Strombedarf zusätzlich präzise berechnet und überwacht werden kann, reduzieren sich die Wartungskosten. Nicht nur verringert sich die Frequenz, auch zyklische Austauschroutinen der Sicherungs-Devices sind nicht mehr erforderlich. Instandgesetzt wird also nur dann, wenn es wirklich erforderlich ist.

Im Gegensatz zu klassischen Sicherungssystemen bieten über 0G-Netz angebundene IoT-Lösungen den SVR-Unternehmen einen weiteren Vorteil: Sie sind klein, langlebig und batteriebetrieben, sodass sie überall im Fahrzeug versteckt werden können. Zudem lassen sie sich einfach und schnell installieren, da sie nicht mit dem On-Board-Netzen der Fahrzeuge verkabelt werden müssen. Entsprechend gering sind die Kosten für den Einbau. Dadurch wird auch das Risiko einer fehlerhaften Installation drastisch reduziert. Dank der geringen Kosten kann es sich sogar lohnen, mehrere solcher Devices in einem Fahrzeug zu installieren. Durch jedes zusätzliche Überwachungssystem wird der Diebstahl nochmals erschwert.

Hohe Zuverlässigkeit der Signalübertragung

0G-basierte IoT-Devices sind nicht an nur eine bestimmte Basisstation oder ein bestimmtes Netz angebunden. Nachrichten werden vielmehr dreifach auf unterschiedlichen Frequenzen gesendet und von allen Basisstationen im Sendebereich empfangen. Darüber hinaus lassen sich die Informationen auch aus schwächsten Signalen wiederherstellen, während andere Technologien anfällig sind gegen Störsignale, Interferenzen und Netzüberlastungen wie sie beispielsweise in großen Städten wie London oder Paris auftreten können.

Auch das Problem der unzureichenden Signalstärke von Mobilfunknetzen in Untergrundbereichen behebt das Sigfox 0G-Netz. Das ist ein Aspekt, der für SVR-Unternehmen besonders wichtig ist. In Frankreich beispielsweise werden 43 Prozent aller gestohlenen Fahrzeuge an geschlossenen oder unterirdischen Orten versteckt [1], weil dort Mobilfunknetze und insbesondere GPS kaum oder gar nicht funktionieren.

Dagegen haben IoT-Lösungsanbieter mit dem Sigfox-0G-Netz Geolocation-Funktionen entwickelt, die auf Netzwerktriangulation basieren und den Standort des gestohlenen Fahrzeugs ganz ohne GPS-Informationen ermitteln können. Dabei kann selbst mit Signal-Jammern die Ortsermittlung und Signalübertragung nicht gestört werden. Lediglich Militärequipment ist in der Lage, die Funksignale des Sigfox-0G-Netzes zu stören. Solche Störsender sind jedoch sehr groß und sperrig und würden Nachbarn und Anwohnern auffallen. Dazu sind sie extrem kostspielig, was sie selbst für organisierte Banden in der Regel zu teuer macht (Bild 2).

Das Sigfox-IoT-Netz kann durch seine hohe Übertragungssicherheit punkten
© Sigfox

Bild 2. Das Sigfox-IoT-Netz kann durch seine hohe Übertragungssicherheit punkten.

Profitieren können SVR-Unternehmen dabei auch von verschiedenen Sigfox-basierten Lösungen, die bereits in immensen Stückzahlen in der Logistikbranche eingesetzt werden. Diese dienen nicht nur der Optimierung der Lieferketten durch eine unterbrechungsfreie Nachverfolgung der Güter und Waren. Sie helfen auch dort, Schäden durch Diebstahl zu minimieren. Auch in dedizierten Alarmmeldesystemen kommt die 0G-Netzwerktechnologie von Sigfox bereits zum Einsatz. In dieser Anwendung übermittelt sie das Aufschlitzen von LKW- und Trailerplanen an Fahrzeugführer und Spediteure sowie Einsatzzentralen der Polizei und Sicherheitsdienstleister.


Literatur


[1] https://www.moncoyote.com/CMS/uploads/FR/PDF/secure/Observatoire-des-vols-Coyote-Secure-2021-infographie.pdf

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