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Münchner Stadtbusse

Dem Kolonnenverkehr gehört die Zukunft

02. Juni 2021, 14:56 Uhr   |  Kathrin Veigel

Dem Kolonnenverkehr gehört die Zukunft
© KIT

Beim Platooning sind die Fahrzeuge über eine »elektronische Deichsel« miteinander verbunden und können so leicht geteilt und wieder verbunden werden.

Elektrisch und automatisiert fahrende Busse sind sicherer und effizienter unterwegs. Das Problem: Gelenkbusse oder solche mit Personenanhänger brauchen zu viel Energie und sind nicht flexibel genug einsetzbar, um auf stark schwankende Fahrgastzahlen reagieren zu können. Die Lösung: Platooning.

Beim Platooning fahren mehrere Fahrzeuge mittels elektronischer Steuerung in engem Abstand hintereinander. Diese Kolonnen können beliebig an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeiten an einem Stadtbus-Platoon für München. 

»Der Vorteil beim Platooning ist, dass nur das vorderste Fahrzeug durch einen Fahrer gesteuert werden muss, alle nachfolgenden können diesem automatisiert folgen«, erläutert Professor Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am KIT. Verbunden sind die Einheiten der Formation dabei nicht physisch, sondern nur informationstechnisch.

Die »elektronische Deichsel« lassen sich leicht entkoppeln und Platoons somit leicht teilen und wieder verbinden. »Durch Platooning können wir den Busbetrieb optimal an den Bedarf je nach Tageszeit oder Linie anpassen – besonders im städtischen Umland«, so Dr. Svenja Reiß von den Stadtwerken München (SWM). Da sich die Platoons teilen und verbinden lassen, wie es die Nachfragesituation erfordert, können die Verkehrbetriebe ihren Fahrgästen ein passgenaues Angebot bieten.

In München sollen alle Busse langfristig durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge ersetzt werden. Um auf Nachfrageschwankungen im ÖPNV an verschiedenen Tagen oder zu unterschiedlichen Tageszeiten zu reagieren, werden hier bislang Personenanhänger eingesetzt. Bei Elektrifizierung der Zugfahrzeuge müsste jedoch enorme elektrische Energie eingesetzt werden, um die Anhänger mitzubewegen. Zusätzlich den Anhänger zu motorisieren, sei auch weder kosten- noch energieeffizient. Eine rein elektronische und informationstechnische Kopplung wie beim Platooning erlaube hingegen, vollständige Fahrzeuge zu koppeln. Da dabei gängige Fahrzeugtypen eingesetzt werden, ist die Elektrifizierung einfacher und preiswerter.

»Wir entwickeln jetzt die Konzepte für das Platooning von Stadtbussen und anschließend die entsprechenden Algorithmen für die Automatisierung«, sagt Nicole Rossel vom ITIV. Diese würden dann in einem Bus-Prototypen verwendet, den die Forschenden des KIT gemeinsam mit den SWM und dem niederländischen Elektrobushersteller Ebusco bis Mitte 2022 verwirklichen. Dieser wird dann auf dem neuen Testfeld für elektrifizierte und automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr im Norden der bayerischen Landeshauptstadt getestet. Das Ziel sei es, die neuen Fahrzeuge ab Mitte des Jahrzehnts auf die Straße zu bringen.

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