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Reine Benziner & Diesel bald verboten?

China setzt Deadline für klassische Verbrenner

02. November 2020, 10:40 Uhr   |  Ute Häußler

China setzt Deadline für klassische Verbrenner
© Unsplash

Passt das zusammen? China plant bis 2035 reine Verbrenner abzuschaffen, Verbrenner-Hybride sollen allerdings weiter 50 % der Neuwagen ausmachen.

Ab 2035 sollen in China nur noch umweltfreundliche Autos zugelassen sein, schlägt die chinesische Gesellschaft der Automobilingenieure im Auftrag des Industrieministeriums vor. Die genaue Defintion der Fahrzeugklassen steht noch aus, dürfte aber auch von industriepolitischen Strategien geprägt sein.

Die Einzelheiten des Plans der SAE-Vereinigung besagen, dass ab 2035 50% der im Land verkauften Neuwagen entweder Elektro-, Plug-in-Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeuge sein sollen sowie 50% konventionelle Hybride, die immer noch vollständig mit Benzin betrieben werden.

Momentan werden in China 5 Prozent aller Neuwagen mit umweltfreudnlichen Antrieben ausgestattet. Laut der Roadmap soll dieser Wert bis 2025 zumindest auf 20 Prozent gestiegen sein, bevor 2035 die Hälfte aller Neuwagen Elektroautos, Plug-in-Hybride oder Brennstoffzellen-Fahrzeuge sein sollen – und Verbrenner ab dann komplett verboten sind. Theoretisch. Für Brennstoffzellenfahrzeuge wird eine Stückzahl von 1 Million Fahrzeugen auf den Strassen angepeilt.

Sollte China für die elektrische Transformation dem SAE-Plan folgen (wovon auszugehen ist), werden reine Verbrenner ohne Hybridantrieb schrittweise abgeschafft. Bis 2030 sollen 75 Prozent der Benzinfahrzeuge Hybridfahrzeuge sein, bis 2035 dann 100 Prozent. Dementsprechend soll bis dahin auch die Produktion von Fahrzeugen mit klassischen Antrieben eingestellt werden, was auch außerhalb von des weltgrößten Automarktes China Auswirkungen haben dürfte. 

50 % konventionelle Hybride torpedieren Klimaziele

Praktisch sind laut dem angedachten Szenario auch in 15 Jahren noch die Hälfte aller Autos konventionelle Hybride, und sparen damit nur in geringem Masse CO2. Diese Fahrzeuge nutzen den Antrieb nur deutlich effizienter, erzeugen ihre komplette Antriebsenergie aber aus der Verbrennung von Benzin, ohne eine zusätzliche Energiequelle an Bord. Da der Strom über eine Rückgewinnung erzeugt wird, können konventionelle Hybride nicht durch Ökö-Strom oder ähnliche Maßnahmen umweltfreundlicher werden.

Der vorgestellte Plan würde bedeuten, dass China auch weit nach 2030 noch die Hälfte seiner Neuwagen basierend auf klassischen Verbrenner-Hybriden herstellen und verkaufen möchte – mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren könnte so das Null-Emissionen-Ziel 2060 wackeln.

Als nächster Schritt soll der Plan nun aufbereitet und konkretisiert werden, wo bei der Schutz der Umwelt nur einen Nebenaspekt darstellen dürfte. Die SAE-Vereinigung arbeitet im Auftrag des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie. Der Plan wird mit großer Wahrscheinlichkeit sicherstellen wollen, dass im Zuge der Energiewende auch Chinas Führungsrolle bei innovativen Antriebstechniken und Mobilitätskonzepten unangetastet bleibt bzw. weiter ausgebaut wird.

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