VDE-Studie

Elektromobilität, Industriepolitik und Innovationsbremsen

16. November 2010, 9:39 Uhr | Stephan Janouch

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Politik ist jetzt gefordert

Neun von zehn der VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen halten staatliche Fördermaßnahmen, Pilotprojekte und Feldversuche für eine schnelle Marktdurchdringung von Elektroautos für notwendig. „Auf europäischer Ebene gilt es deshalb, durch eine enge Verzahnung der Forschungs- und Industriepolitik den Standort zu stärken. Außerdem müssen auf dem heimischen Markt verlässliche Rahmenbedingungen zur Standortsicherung geschaffen werden. Vorraussetzung dafür sind infrastrukturelle Maßnahmen aber auch steuerliche Anreize“, fordert Schneider. Durch die Elektromobilität werden künftig Verkehrs-, Strom- und Kommunikationsnetze mit dem Elektroauto zu einem neuen System zusammenwachsen. „Die IT-Aufrüstung der Stromnetze zu Smart Grids ermöglicht es, die volatile Einspeisung von Strom aus dezentralen, regenerativen Energiequellen – vor allem aus Windenergie – mithilfe von mobilen, flexiblen Speichern der Elektroautos zu puffern“, so Joachim Schneider. Auch unabhängig von der Elektromobilität verlangt der steigende Einsatz erneuerbarer Energien eine flächendeckende Einführung intelligenter Stromnetze – den Smart Grids. Allerdings besteht großer Investitionsbedarf im Infrastrukturbereich, also beim Ausbau und der Aufrüstung der Stromnetze mit Informations- und Kommunikationstechnologie. Obwohl Deutschland über das Potential verfügt, „Smart Grids“ zu einem internationalen Vorzeigemodell zu machen, kommt der Netzausbau nicht voran. Schuld daran sind Akzeptanzprobleme und Rahmenbedingungen, die kaum Anreize für die hohen Investitionen bieten. „Wir müssen alle gemeinsam für die Akzeptanz des Netzausbaus eintreten und einen starken Anreiz für die dringend erforderlichen, aber sehr umfangreichen Investitionen schaffen“, fordert VDE-Präsident Dr.-Ing. Joachim Schneider. Forschungs- und Entwicklungsbedarf hoch 41 Prozent der Unternehmen und Hochschulen sind überzeugt, dass Deutschland mit den nötigen Vernetzungen zwischen Industrie und Forschung der Sprung an die Weltspitze bis 2020 gelingen kann. Aber bis dahin muss noch viel in Forschung und Entwicklung, vor allem in den Speichertechnologien, investiert werden. Die Investitionen für Speichertechnologien und Energieforschung liegen in Deutschland gegenüber dem internationalen Vergleich deutlich niedriger. Die Untersuchung unter VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen zeigt dementsprechend auch, dass nur knapp die Hälfte an eine Führungsposition Deutschlands bei der Entwicklung und Produktion moderner Batteriesysteme glaubt. Laut den VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen sind die wichtigsten Forschungs- und Investitionsfelder die Akku-Technik/Reichweite (91 Prozent), der Kostenfaktor (65 Prozent), das flächendeckende Netz von Ladestationen (57 Prozent) sowie die Ladegeschwindigkeit (54 Prozent). Für 76 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen ist ein hohes Ausbildungs-Niveau die wichtigste Grundbedingung für Innovationen. 67 Prozent der Befragten glauben allerdings, dass die hiesigen Hochschulen nicht ausreichend auf das Thema Elektromobilität vorbereitet sind, 56 Prozent stimmen dieser Aussage vor allem im Hinblick auf die Forschung zu. Der VDE fordert daher neue Ausbildungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen Elektro- und Automobiltechnik. Dies gilt sowohl für den akademischen Bereich als auch für die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften.


  1. Elektromobilität, Industriepolitik und Innovationsbremsen
  2. Deutschland spitze – China holt auf
  3. Politik ist jetzt gefordert
  4. VDE-Standard für Elektroautos vor internationaler Einführung
  5. Fachkräftemangel bremst Innovationen

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