Internet of Things

IoT-Konferenz weist den Weg ins Industrial Metaverse

13. Oktober 2022, 15:41 Uhr | Joachim Kroll
Foyer IoT-Konferenz 2022
Reger Austausch in den Pausen der IoT-Konferenz 2022.
© WEKA Fachmedien

Auf der IoT-Konferenz der WEKA Fachmedien präsentierten die Keynote-Sprecher Ihre Vorstellung eines »Industrial Metaverse«. Die Integration von KI, Nachrüstung bestehender Anlagen, Security und Erfahrungsaustausch waren die Schwerpunkte der Konferenz.

Mit dem »Metaverse« ist ein neues Buzzword in Umlauf gekommen, das viele in den Mund nehmen und unter dem sich wenige etwas vorstellen können. Max Morwind, Leiter des IIoT-Expertenteams bei Microsoft, brachte für den Industriebereich etwas Licht ins Dunkel. Die Nachfrage aus dem Auditorium »Was ist eigentlich neu am Industrial Metaverse?« zeigte, dass viele Elemente des Metaverse klassische IoT-Integration sind. Ergänzt werden diese allerdings durch die Möglichkeit in der virtuellen Welt mit der realen Welt zu interagieren. Konkrete Beispiele dazu zeigte Marek Matuszewksi von Roboverse Reply anhand des vierbeinigen Roboters »Spot«. Er kann virtuell gesteuert werden und sich anstelle einer Person z.B. durch ein einsturzgefährdetes Gebäude bewegen und mit einem Greifer auch Interaktionen durchführen – anwendbar für Rettungseinsätze oder auch Inspektionen von Bauwerken oder in der Kanalisation.

Ebenfalls ein interessantes Beispiel des Zusammenspiels von virtueller Umgebung und realer Produktionsumgebung zeigte Adrian Merkel von Framence: Das Unternehmen fertigt aus Fotos einen digitalen Zwilling einer Anlage an, der mit interaktiven Elementen angereichert wird – eine Art »Google Street View für die Fabrik«. Ein Techniker, der beispielsweise vor einem Ventil steht, hat dann die Möglichkeit, dieses in der virtuellen Nachbildung auf seinem Tablet anzuklicken und sich Werte anzeigen lassen, die das Ventil aktuell liefert. Umgekehrt kann er sich auch wie mit einem Navi den Weg zu einem bestimmten physischen Element weisen lassen.

Dr. Stefan Hennig, Transconnect, adressierte das Problem, dass Datenbestände häufig noch isoliert seien, dass es andererseits aber auch die Komplexität gegen unendlich treibt, wenn man alles mit allem verbindet. Insofern sei es wichtig, sich darüber im Klaren zu werden, welche Art von digitalem Zwilling man braucht und welchen Wert man aus den Daten fürs Geschäft erzeugen kann. Dazu veranschaulichte er das Zusammenspiel von Design Twin (Entwurfsdaten), Produktionstwin (Produktionsdaten) und Service Twin (Lebenszyklus- und Softwaredaten).

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»Das ‚S‘ in IoT steht für Security«

Mit diesem markanten Zitat hatte Mirko Ross, avsin, die Lacher auf seiner Seite. Der Hintergrund ist jedoch ernst: Durch den nach seiner Darstellung »von Lobbyisten weichgespülten EU Cybersecurity Act« haben wir derzeit Millionen von unsicheren IoT-Geräten im Einsatz. Die Zeiten dürften sich aber mit dem für 2025 anstehenden Cyber Resilience Act der EU ändern: Statt auf Selbstverpflichtung der Industrie zu setzen wird diese EU-Richtlinie konkrete technische Vorgaben enthalten, die ein Redesign vieler Produkte und Änderungen im Entwicklungsprozess erfordern. Ross‘ Appell lautete, sich schon jetzt mit den zu erwartenden Anforderungen vertraut zu machen.

Einen interessanten Einblick der Zusammenarbeit einer kleinen Ingenieurfirma mit einem Großkonzern bot Oliver Völckers, BeST Berliner Sensortechnik: Wie lässt sich herausfinden, ob eine ICE-Toilette ordnungsgemäß entleert wurde, wenn man weder im ICE noch in der Pumpstation einen Sensor installieren darf und weder einen Strom- noch einen Netzanschluss zur Verfügung hat? – Die Lösung führte letztendlich über den Anschlussstutzen, mit dem der Absaugschlauch an den Zug angeschlossen wird.

Den Abschluss bildete eine Keynote von Hoger Laible, Siemens, der ebenso provokant wie nachdenklich auf Widersprüche zwischen Grund- und Menschenrechten und der Anwendung von KI-Systemen aufmerksam machte. Beispiel: Während man das von China praktizierte Social Scoring verurteilt, werden an europäischen Flughäfen bei der maschinellen Einreisekontrolle in einer Schleuse alle Passagiere gescannt und fotografiert und damit auch unter Generalverdacht gestellt. Laible gab zu bedenken, dass Daten, die einmal erhoben wurden, für immer gespeichert werden können. Derzeit haben wir eine funktionierende Gewaltenteilung in unserem Land, aber was passiert eigentlich, wenn das einmal nicht mehr der Fall sein sollte? Dieser Verantwortung sollten sich auch Ingenieure stellen und mitdiskutieren, wofür KI und Vernetzung eingesetzt werden sollen und wofür nicht.

Video: Konferenz Internet of Things 2022 – Vom Sensor bis zur Cloud

Bereits zum 8. Mal luden die Fachmedien Markt&Technik und Design&Elektronik zur Konferenz „Internet of Things – Vom Sensor bis zur Cloud“, um aktuelle und zukünftige Entwicklungen des IoT zu diskutieren. Wir waren mit der Kamera vor Ort.

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